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Ein Modell gibt Rätsel auf

Im Obergeschoss des Literaturmuseums stößt der Besucher im Flurbereich auf eine etwas überlebensgroße Gipsbüste des einstigen Hausbewohners Rudolf Baumbach. Sowohl der Anlass ihrer Entstehung als auch ihr Schöpfer sind bekannt. Bei letzterem handelt es sich um den Bildhauer Robert Diez (1844-1922). Der gebürtige Pößnecker studierte an der Königlichen Kunstakademie Dresden und wurde später all dort Professor. Zu seinen bekanntesten Werken gehören das Bismarck-Denkmal und der Gänsedieb-Brunnen in Dresden sowie der Bechstein-Märchenbrunnen in Meiningen (Foto rechts).

    

Anlass für die Fertigung der Modellbüste von Rudolf Baumbach war das Vorhaben, dem Dichter in Meiningen ein Denkmal zu errichten. Dies sollte eigentlich schon 1906 geschehen, wie die „Dorfzeitung“ anlässlich der Einweihung des Baumbach-Denkmals im Dezember 1930 berichtete: „Hofrat Behlert hatte bereits eine Gipsbüste Baumbachs als Modell am Herrenberg aufgestellt; aber der Platz sagte dem damaligen Herzog nicht zu.“ Der damalige Herzog war Georg II., welcher 1914 starb. Auf der Rückseite der Büste im Baumbachhaus, die nachweislich als Modell für den Guss diente, aber ist zu lesen: „Robert Diez. Sept. 1919. Dresden.“ Diese Inschrift gibt Rätsel auf: Hatte man sich 1906 noch für das Modell eines anderen Bildhauers entschieden? Oder war auf Grund der Verzögerung des Denkmalbaus die erste Modellbüste von Diez verloren gegangen?

Ein Verleger wird spendabel

„Dieser Liebeskind ... hat mir bis heute weder Honorar noch Exemplare geschickt und ich fürchte, dass mir nichts weiter überbleibt, als den Menschen zu verklagen.“ Mit diesen Worten beschwerte sich der Dichter Rudolf Baumbach 1879 über das unschöne Geschäftsgebaren seines Leipziger Verlegers Felix Liebeskind. Im Jahr zuvor waren bei diesem Baumbachs „Lieder eines fahrenden Gesellen“ erschienen. Internationale Aufmerksamkeit hatte Baumbach bereits 1877 mit seinem Versepos „Zlatorog“ erzielt. Auch dieses Werk war bei Liebeskind herausgekommen. Dem Verleger brachte die Dichtung ein Vermögen, dem Verfasser über elf Jahre nur 600 Goldmark ein. Erst 1889 wendete sich das Blatt und Herr Liebeskind wurde spendabel.

 

Der Hintergrund: Rudolf Baumbach war mittlerweile ein Erfolgsautor geworden, um den sich die Verleger rissen. Aus Angst, seinen Goldesel zu verlieren, änderte Liebeskind nun die Vertragsbedingungen zu Gunsten des Dichters. Doch damit nicht genug. Anlässlich der 50. Auflage des „Zlatorog“ erhielt Baumbach von Liebeskind einen prachtvollen Tafelaufsatz aus Silber. Dieser befindet sich heute in der ständigen Ausstellung des Literaturmuseums. Er hat eine Höhe von 50 cm und zeigt Motive und Personen aus dem Erfolgsepos. Die Figuren (Trentajäger, Feen, Farnpflanzen, Blumen und zwei Frauengestalten) sind gegossen und teilweise vergoldet. Über ihnen erhebt sich ein symbolisches Füllhorn.

Bechsteins Pflegeeltern im Bild

Im Biedermeier-Zimmer des Baumbachhauses erblickt der Besucher in zwei schmuckvollen Rahmen die Brustbilder von Auguste (1769 – 1839) und Johann Matthäus Bechstein (1757 – 1822). Diesem Ehepaar ist es zu verdanken, dass der unehelich geborene spätere Dichter, Sammler und Forscher Ludwig Bechstein (1801 – 1860) nach einer unglücklichen Kindheit in Weimar ein neues Zuhause bekam. 1810 nahmen beide den 9jährigen an Stelle ihres eigenen, verstorbenen Sohnes in ihre Wohnung in Dreißigacker auf. Johann Matthäus Bechstein war zu jener Zeit ein über die Grenzen des Herzogtums Sachsen-Meiningen hinaus bekannter Forstwissenschaftler. 1803 hatte er in Dreißigacker eine Forstakademie gegründet, der er bis zu seinem Tode vorstand. Pflegesohn Ludwig gedachte seiner in dem Werk „Dr. Johann Matthäus Bechstein und die Forstacademie Dreißigacker. Ein Doppeldenkmal“. Seiner Pflegemutter widmete er den Gedichtband „Sonettenkränze“.



Die Porträts der Eheleute sind in Pastelltechnik gemalt von Johann Philipp Bach (1752 – 1845). Der Meininger Kabinettsmaler und Hoforganist stammt aus derselben weit verzweigten Familie wie der berühmte Johann Sebastian Bach. Vorbesitzerin der Bilder war Ludwig Bechsteins Tochter Clara (1838 – 1914). Diese schenkte sie dem Hennebergischen altertumsforschenden Verein, dessen Gründer und langjähriger Vorsitzender ihr Vater gewesen ist.

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