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Anton Ulrich Herzog von Sachsen-Meiningen


* 22. Oktober 1687 in Meiningen
† 27. Januar 1763 in Frankfurt am Main

Eltern
Bernhard I. von Sachsen-Meiningen
Elisabeth Eleonore Sophie von Braunschweig-Wolfenbüttel

Ehe, Kinder
1. 1711 standesungleich mit Philippine Elisabeth Cäsarea (1686 - 1744)
 Philippine Antoinette (1712 - 1785)
Philippine Elisabeth (1713 - 1781)
Philippine Louise (1714 - 1771)
Philippine Wilhelmine (1715 - 1718)
Bernhard Ernst (1716 - 1778)
Anton August (1717 - 1768)
Sophia Wilhelmine (1719 - 1723)
Carl Ludwig (1721 - 1727)
Christine Friederike (wenige Tage 1723)
Friedrich Ferdinand (März - Juni 1725)

2. 1750 mit Charlotte Amalie von Hessen-Philippsthal (1730 - 1801) 
Maria Charlotte (1751 - 1827)
Wilhelmine Luise (1752 - 1805)
Elisabeth Sophia (1753 - 1754)
Carl (1754 - 1782)
Friedrich Franz (1756 - 1761)
Friedrich Wilhelm (1757 - 1758)
Georg I. (1761 - 1803)
Amalia Auguste (1762 - 1798)
 

Regierung 1743-1763
 
    

  

                 Bernhard I.          Elisabeth Eleonore von 
                                                   Braunschweig-Wolfenbüttel

        

Anton Ulrich                        Philippine Cäsar           Charlotte Amalie

     

      Carl                Georg I.     


Als Jüngster von insgesamt acht Söhnen Herzog Bernhards I., des Ahnherrn des sachsen-meiningischen Hauses, ging Anton Ulrich nicht davon aus, dass er jemals die Alleinherrschaft über Sachsen-Meiningen erlangen würde. Daher führte er ein für "überflüssige" Adelssprösslinge charakteristisches Leben, das vorrangig dem Militär, der Bildung, den Wissenschaften und Künsten gewidmet war und hielt sich überwiegend außerhalb des Landes auf. Seine Kenntnisse berechtigten ihn, sich zu den Gelehrten zu zählen. Neben den Sprachen Latein, Französisch und Italienisch beherrschte er auch die Altertumskunde, Numismatik und Literaturgeschichte ebenso gründlich, wie Weltgeschichte und Staatsrecht. Kein Wunder, dass er bei seinen endlosen Streitigkeiten auch fast immer selbst die Feder führte.

Er war bekannt sowohl für seinen scharfen Verstand als auch für seinen eisernen Willen, der sich bis zum Starrsinn steigern konnte. Kostproben davon bekamen seine älteren Brüder zu spüren. Er galt als sparsam im Privatleben, großzügig bis verschwenderisch gegenüber Gelehrten und Künstlern oder wenn es Belange seines Hauses bzw. den Besitz von Kunst- oder Literaturschätzen betraf. Denn er hatte von seinem Großvater Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel nicht nur den Namen, sondern auch die Kunstsinnigkeit geerbt. Die reichen und vielfältigen Kunstsammlungen im Schloss Elisabethenburg gehen zu großen Teilen auf die umfassende Sammlungstätigkeit Anton Ulrichs zurück. Der Bogen spannte sich dabei von Gemälden niederländischer und flämischer Meister über Grafiken, Bücher, Musikalien, Münzen und Medaillen bis hin zu Mineralien und einer prominenten Sammlung von Notenhandschriften der Wiener Klassik.
 

     


Als sein Vater Bernhard I. 1706 starb, hatte dieser zwar testamentarisch angeordnet, dass das Land nicht geteilt werde, aber es fehlte eine Primogeniturordnung, die dem ältesten Sohn die Alleinregentschaft gestattet hätte. So mussten die drei überlebenden Söhne gemeinschaftlich regieren. Dagegen opponierte der Älteste, Ernst Ludwig I., der ähnlich wie Ludwig XIV. von Frankreich eine absolutistische Regierungsform mit starker Konzentration auf die Person des Herzogs durchzusetzen suchte. Der geistig unbeweglichere mittlere Bruder machte dabei keine Probleme, der willensstarke, erst 19jährige Anton Ulrich umso mehr. Auch pflegten die älteren Brüder den Jüngsten bei Erbanfällen und Ähnlichem mit Vorliebe leer ausgehen zu lassen. Die Folge war eine wahre Flut von Streitigkeiten und Gehässigkeiten, die das kleine Land reichsbekannt werden ließen. Dies besserte sich auch nicht nach dem Tode des Ältesten 1724. Die übrig gebliebenen Brüder begannen nun jeweils das Gegenteil von dem anzuordnen, was der andere befohlen hatte und vervollkommneten das Chaos im Lande.
 

   


Auch wegen seiner morganatischen (nicht standesgemäßen) Ehe bestand Anton Ulrichs weiteres Leben aus Petitionen an den Kaiserlichen Hof, Prozessen, Intrigen oder Bestechungen. Denn er hatte seine militärische Karriere alsbald an den Nagel gehängt wegen seiner Liebe zur hessischen Hauptmannstochter Philippina Elisabetha Cäsarin, der Kammerzofe seiner Lieblingsschwester Elisabeth Ernestine Antoinette. Diese ehelichte er heimlich in Holland und führte daraufhin ein ziemlich unstetes Leben in Amsterdam. Selten fuhr er in sein Heimatland und Briefe erreichten ihn nur auf Umwegen. Erst Jahre später begann er um diese Ehe und um die Erbberechtigung seiner Kinder mit allen Mitteln zu kämpfen. Da seine Tante mütterlicherseits die Frau des Kaisers Karl VI. war, konnte Anton Ulrich vorerst sein Anliegen durchsetzen. Dies stieß natürlich auf wenig Gegenliebe bei seinen Vettern und Brüdern. Da aber Karl VI. recht bald starb und Kaiser Karl VII. und drei Jahre später Franz I. den Thron bestieg, wurde auf Betreiben seiner missgünstigen Verwandten Anton Ulrichs 10 Kinder für nicht sucessionsfähig erklärt. Seine Gemahlin verstarb 1744, wenige Wochen vor der Urteilsverkündung. Anton Ulrich war Witwer und ohne erbberechtigte Nachkommen, als er endlich 1746, nach dem Tod seines mittleren Bruders, die Alleinregierung übernahm. Die ernestinischen Verwandten in Gotha und anderswo rechneten mit dem Aussterben der sachsen-meiningischen Speziallinie und verhandelten bereits über die Aufteilung des Landes. Doch sie hatten nicht mit Anton Ulrichs starkem Lebenswillen gerechnet. Als 63jähriger Mann heiratete er die 20jährige Charlotte Amalie von Hessen-Philippsthal und versäumte nicht, mit einer gewissen Schadenfreude die Geburt weiterer acht nun standesgemäßer Kinder mit Royalfoliobögen überall anzuzeigen.

 

Durch diese lebenslangen Auseinandersetzungen aber war ihm jeder Aufenthalt in Meiningen verleidet. Er zog es vor, seinen Wohnsitz außerhalb des Landes in der freien Reichsstadt Frankfurt am Main aufzuschlagen, von dort aus die Regierungsgeschäfte zu erledigen und die am Boden liegende Landesverwaltung wieder aufzubauen. Diese Bestrebungen waren aufgrund der räumlichen Entfernungen, mehr aber noch durch den siebenjährigen Krieg, von geringem Erfolg gekrönt. Erst seine Gemahlin Charlotte Amalie konnte von Meiningen aus Begonnenes fortführen und dem Herzogtum Sachsen-Meiningen zu einer wahren Landesmutter werden.
 

 
 

Literatur:
L. Hertel: Meiningische Geschichte von 1680 bis zur Gegenwart.
In: Schriften des Vereins für Sachsen-Meiningische Geschichte und Landeskunde. 47. Heft. Hildburghausen 1904.

Helmut Müller: Anton Ulrich Herzog von Sachsen Meiningen.
In: D. Ignasiak (Hg.): Herrscher und Mäzene. Thüringer Fürsten und Hermenefred bis Georg II. Rudolstadt 1994. (siehe Service/Museumsbibliothek)

H. Schneider: Das Herzogtum Sachsen-Meiningen unter seinen ersten Herzögen.
In: Südthüringer Forschungen, Heft 27. 300 Jahre Schloß Elisabethenburg. Meiningen 1994.

(siehe auch im Museumsshop) 

 

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