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Georg II. Herzog von Sachsen-Meiningen


* 02. April 1826 (Meiningen)
† 25. Juni 1914 (Bad Wildungen) 

Eltern
Bernhard II. von Sachsen-Meiningen
Elisabeth Marie von Hessen-Kassel

Ehe/Kinder
1. 1850 mit Charlotte von Preußen (1831 - 1855)
Bernhard (1851 - 1928)
Georg Albrecht (1852 - 1855)
Marie Elisabeth (1853 - 1923)
namenloser Prinz (29. - 30.03.1855)

2. 1858 mit Feodore von Hohenlohe-Langenburg (1839 - 1872)
Ernst (1859 - 1941)
Friedrich (1861 - 1914)
Victor (14. - 17- Mai 1865)

3. 1873 standesungleich mit Ellen Franz,
spätere Helene Freifrau von Heldburg (1839 - 1923)


Regierung 1866 - 1914
 

  
 Bernhard II.     Marie von Hesssen-Kassel

       

     Georg II.                Charlotte              Feodore              Helene

      

Bernhard        Marie Elisabeth          Ernst              Friedrich


Der europaweite Ruhm des Meininger Hoftheaters im letzten Drittel des 19. Jh. ist in erster Linie Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen zu verdanken. Unter seiner künstlerischen Leitung entstanden mustergültige Inszenierungen, welche die Entwicklung der europäischen Theaterkunst nachhaltig beeinflussten. Georg II. ist nicht nur der bedeutendste Vertreter der sachsen-meiningischen Speziallinie, sondern er gehörte auch zu den geistig herausragendsten Vertretern des Hochadels im zweiten deutschen Kaiserreich. Ein Künstler und Pragmatiker auf dem Thron, der als Regisseur, Dramaturg und Ausstattungsleiter seine Maxime umzusetzen suchte: Dem (eigenen sowie europäischen) Volke zur Freude und Erhebung. 

     

Die Zusammenarbeit mit der Gemahlin Helene Freifrau von Heldburg, selbst eine ehemalige Schauspielerin, und dem Theaterintendanten, Organisations- und Logistikgenie Ludwig Chronegk ermöglichten die Umsetzung seiner Vorstellungen. Bei ihrer Arbeit ließen sie sich von "Meininger Prinzipien" leiten wie: Jede noch so prächtige Ausstattung hatte sich dem Werk unterzuordnen. Jeder noch so große Star musste auch als Statist mitwirken. Die "Meininger" waren lange Zeit unübertroffen in ihren Massenszenen sowie in der Licht- und Ton-Regie. So entstanden in sich stimmige Gesamtkunstwerke, welche auf gründlichen historischen Studien und exakt wiedergegebenen Vorbildern basierten (Theatermuseum).

Bleibenden Ruhm verschaffte sich der Meininger Herzog nicht nur als "Theaterherzog" sondern auch als Mäzen der anderen Künste. Durch die Berufung großer Dirigenten wie Hans von Bülow, Richard Strauss, Fritz Steinbach und Max Reger an die Spitze seiner Hofkapelle schuf er die Voraussetzungen, dass dieses Orchester für einige Jahrzehnte zu einem der führenden Klangkörper Europas aufrückte und durch Konzertreisen die Musikkultur des Kontinents bestimmte und bereicherte. Mit den größten Komponisten seiner Zeit wie Max Reger, Johannes Brahms und Richard Wagner pflegte er freundschaftliche Beziehungen (Sammlung Musikgeschichte, Ausstellung: Meiningen - Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth).

 

Doch damit nicht genug - durch seine Auftrags- und Baupolitik als Mäzen mit Kunstverstand förderte er noch unbekannte bildende Künstler und arbeitete mit bekannten wie Adolf von Hildebrandt und Franz von Lenbach zusammen. Die Ankäufe von Werken italienischer Renaissance machten seine Sammlungen zu einem weithin bekannten Anziehungspunkt für Kunstinteressierte. Des weiteren ließ er Bereiche des Meininger Schlosses Elisabethenburg, das Schloss Altenstein und die Veste Heldburg im Stil der Neorenaissance umgestalten. Eine große Vorliebe hatte Georg II. für seine Sommerresidenz am Comer See, die Villa Carlotta. Mit der Gestaltung und Erweiterung des berühmten Parks der Villa erwarb sich der Theaterherzog auch als Gartenarchitekt einen Namen. Zu einer  großen Herausforderung für Georg II. wurde das Management für den Wiederaufbau der Residenzstadt Meiningen nach einem Stadtbrand 1874.
 


 

Das Meininger Theater ist nicht nur die bekannteste Institution Meiningens, das Theatergebäude ist zugleich auch das bekannteste Gebäude der Stadt. Es entstand unter maßgeblicher Mitwirkung Herzog Georg II. nach dem Brand des Hoftheaters 1908 innerhalb von 14 Monaten und wurde am 17. Dezember 1909 eröffnet.
 

 

Der Grundstein für sein auch landespolitisch kluges umtriebiges Wirken wurde durch die sorgfältige Erziehung und Ausbildung gelegt, welche seine Eltern Bernhard II. Ehrich Freund von Sachsen-Meiningen und Marie von Hessen-Kassel geradezu zur "Staatsangelegenheit" werden ließen. Außer der für Adelsöhne unvermeidlichen militärischen Ausbildung studierte Georg an den Universitäten in Bonn und Leipzig Geschichte, Jura, Volkswirtschaft und Kunstgeschichte.

    

1850 heiratete er die preußische Prinzessin Charlotte, die vier Kindern das Leben schenkte.Dieser Liebesheirat war kein langes Glück beschieden - Charlotte starb mit ihrem letzten Kind im Kindbett. Die zweite Ehe mit der jungen und schönen Feodore von Hohenlohe-Langenburg endete 1872 mit deren Tod. 

  

 
Da der Fortbestand des Hauses Sachsen-Meiningen durch drei gesunde Söhne gesichert schien, verzichtete Georg II. auf eine weitere standesgemäße Verbindung. Statt dessen ging er 1873 eine morganatische Ehe mit der Schauspielerin Ellen Franz ein. Mit ihr hatte er die Gefährtin gewonnen, mit der er Entscheidendes in der Kulturgeschichte Europas umsetzen konnte, denn 1874 begannen die großen Gastspielreisen des Meininger Hoftheaters. Mit ihr durchlebte der Meininger Herzog eine lange fruchtbare Lebens- und Schaffensperiode, in welcher auch wichtige Neuerungen in der Landespolitik gelangen.

   

Mit Bismark teilte Georg II. die Überzeugung, dass das zweite deutsche Kaiserreich nach 1871 in seinen Grenzen zu sichern sei und keinen weiteren Krieg verkraften könne. Der expansionistischen Politik Wilhelms II. musste er jedoch tatenlos zusehen und seine in das Ausland reisenden Kapellmeister immer wieder auf die drohende Kriegsgefahr hinweisen. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges blieb ihm erspart, er starb 88jährig am 25. Juni 1914. Am 28. Juni, dem Tag seiner Beisetzung auf dem Meininger Stadtfriedhof, fielen die Schüsse von Sarajevo. 

Georg II. Herzog von Sachsen-Meiningen war fast 50 Jahre lang Souverän eines kleinen Landes, welches er zu einem liberalen Musterstaat entwickelt hatte. Er hinterließ als dienstältester Meininger Regent seinem Nachfolger ein Herzogtum mit einem modernen, in allen Bereichen geordneten und angesehenem Staatswesen.
 

 


Literatur:
H. Schneider; A. Erck: Georg II. von Sachsen-Meiningen. Ein Leben zwischen ererbter Macht und künstlerischer Freiheit.
Zella-Mehlis/ Meiningen 1997.
(siehe auch im Museumsshop)

Kontakt:
Kulturstiftung Meiningen-Eisenach
Meininger Museen
Schlossplatz 1
98617 Meiningen

Tel: 03693 - 50 36 41
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Postanschrift:
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