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Adelheid Prinzessin von Sachsen-Meiningen, Königin von Großbritannien


* 13. August 1792 (Meiningen)
† 02. Dezember 1849 (London)    

Eltern
Georg I. von Sachsen-Meiningen
Louise Eleonore von Hohenlohe-Langenburg

Ehe
1818 mit William Heinrich von Großbritannien und Herzog von Clarence, ab 1830 als Wilhelm IV. König von Großbritannien († 1837)

Kind
Elisabeth (1820-1821)


Regierung 1830 - 1837
 

     
 Georg I.           Luise Eleonore

       

  Adelheid                       Willam IV.

Als Adelheid 1818 als verlobte Braut des angehenden Königs nach England reiste, bezeichnete sie ihre Fahrt als "Opfergang" für ihr Heimatland und ihren minderjährigen Bruder, den späteren Herzog Bernhard II. Ehrich Freund von Sachsen-Meiningen. Mit ihrer Hochzeit gelang zum ersten und einzigen Male einem Spross des Sachsen-Meininger Herzogshauses der Sprung auf den Thron eines der größten und mächtigsten Königreiche der Welt. Möglicherweise wäre die 25jährige Adelheid unvermählt geblieben, wenn sie nicht 1818 der Heiratsantrag des englischen Prinzen erreicht hätte. Sie war schon aus dem besten Heiratsalter heraus, da kriegerische Zeitläufe und die eingeschränkten Besuchsreisen wegen chronischen Geldmangels ihre Heiratschancen erheblich gemindert hatten.


Als Tochter Herzog Georgs I. von Sachsen Meiningen und Louise Eleonore, geborene von Hohenlohe-Langenburg, wuchs sie in relativ bescheidenen Verhältnissen auf. Bildung sowie seelisch-moralische Erziehung dagegen genossen im Hause Sachsen-Meiningen hohen Stellenwert. Hatten doch Mutter Louise Eleonore und Großmuter Charlotte Amalie - beide langjährige Regentinnen des Sachsen-Meininger Herzogtums - vorgelebt, wozu notfalls eine Prinzessin in der Lage sein muss, nämlich ein Staatswesen unter Hinteranstellung persönlicher Wünsche zu leiten. Zur Heirat mit William Heinrich, Prinz von Großbritannien und Herzog von Clarence, aber musste sie von ihrer Mutter regelrecht überredet werden. Auch der Herzog von Clarence, der spätere König von Großbritannien, gehörte nicht mehr zu den Jüngsten. In einer vorangegangenen morganatischen Ehe mit einer Schauspielerin hatte er bereits 10 nicht erbberechtigte Kinder gezeugt und war bei der Hochzeit mit Adelheid 53 Jahre alt.
 

  

Da zu dieser Zeit der ältere Bruder George regierte, dessen einziges erbberechtigtes Kind aber gestorben war, erging die Order an die übrigen Geschwister, die alle entweder morganatisch oder gar nicht vermählt waren, schleunigst zu heiraten, um dem in England herrschenden Hause Hannover die Erbfolge zu sichern. So war Adelheids Aufgabe in erster Linie, möglichst viele gesunde Kinder zu gebären. Doch trotz aller Fürsorge lebten zwei Töchter nur kurze Zeit und auch zwei spätere Schwangerschaften endeten unglücklich.
 
Nach dem Tod des Bruders gelangten Adelheid und ihr Ehemann für sieben Jahre auf den englischen Königsthron. Adelheid fiel der Aufstieg nicht leicht. Auch ihr Ehegatte, der als der "Sparsame" in die Annalen der Geschichte einging, war nicht der beste König. Der etwas derbe William hatte vorher seine militärische Karriere bei der Navy gemacht und wurde im Volksmund nur "Sailor-Billy" genannt. Auch soll er im Gegensatz zu Adelheid recht ungebildet gewesen sein. Seine Reden bezeichnete man in der Regel als die reinsten Katastrophen. Immerhin wurden unter seiner Herrschaft die Parlamentsreform durchgesetzt, die Städteordnung verbessert und die Sklaverei abgeschafft.
  
Durch das vom starken sozialen Engagement geprägte Wesen Adelheids lassen sich Verbindungslinien zwischen ihr und der Heiligen Elisabeth bis hin zur Prinzessin Diana ziehen. Wie Elisabeth von Ungarn, später von Thüringen, und Diana von Spencer, später von Wales, war Adelheid in bestem Hause geboren und Ehefrau eines reichen und mächtigen Mannes. Mit nur begrenzten Machtbefugnissen ausgestattet, machte sie wie auch Elisabeth und Diana das Beste daraus. Für ihre Liebe und Unterstützung den Armen und Schwachen gegenüber wurde sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt, geschätzt und geliebt. Als Königin, vor allem aber als Witwe kümmerte sich Adelheid um die Witwen und Waisen, um die Armen und Kranken. Nicht zuletzt half sie den hungernden Iren und Schotten, wo sie nur konnte.
 

 

Und wie Diana und Elisabeth war sie missgünstigen Hofintrigen ausgesetzt. Adelheid hatte vor allem von der Schwägerin ihres Mannes, der Mutter Victorias, nicht viel Gutes zu erwarten. Die spätere Königin Victoria bekannte später einmal sogar, dass sie Tante Adelheid mehr geliebt und vertraut hätte als ihrer eigenen Mutter. Adelheid war es auch, die sich um ihre zahlreichen Nichten und Neffen kümmerte, viele Spiele ersann, Bälle organisierte und den deutschen Weihnachtsbaum auf den Britischen Inseln heimisch werden ließ. An der städtebaulichen Entwicklung Meiningens hatte Adelheid ebenfalls großen Anteil: Sie finanzierte die Bauprojekte ihres jüngeren Bruders zu erheblichen Teilen. So ist ihr u.a. zu verdanken, dass sich Meiningen heute mit dem einstigen Hoftheater, dem Großen und Kleinen Palais in der Bernhardstraße sowie dem Schloss Landsberg von seiner schönen und repräsentativen Seite zeigen kann. Auch der spätere "Theaterherzog" Georg II. von Sachsen Meiningen behielt Adelheid stets in angenehmer Erinnerung, denn sie hatte ihm nicht nur schöne Bücher gekauft, zahlreiche Stiche geschenkt, sondern ihm auch seine geliebte erste Frau, Charlotte von Preußen, mit ausgewählt.

 


Ihrer großen Beliebtheit ist es wohl zu verdanken, dass in allen Gegenden des britischen Weltreiches Städte, Inseln und Landstriche - wie z.B. die australische Stadt Adelaide - nach ihr benannt wurden. Somit war die Prinzessin aus dem kleinen Thüringer Herzogtum zu einer Repräsentantin der Weltmacht Nr. 1 geworden. Im Meiniger Schloss Elisabethenburg ist das Blaue Cabinet restauriert und ihr zu Ehren als Memorialstätte eingerichtet worden. 
 

 

Literatur:
D. Williamson: The National Portrait Gallery History of The Kings and Queens of England. London 1998. S.164-149.
H. Schneider; A. Erck: Die Meiningerin auf englischem Thron. In: Heimatklänge. Beilage zum "Meininger Tageblatt", Nr. 12. Meiningen 1999.
H. Schneider; A. Erck: Adelheid. Die Meiningerin auf englischem Königsthron. Ein Frauenschicksal während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Manuskript. Meiningen 1999.
(siehe Service/Museumsbibliothek)

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