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Artikelserie: Heinz Zander in Meiningen

Der Direktor der Meininger Museen, Winfried Wiegand, setzt sich mit einzelnen Exponaten der aktuellen Heinz-Zander-Exposition auseinander und erläutert kunstwissenschaftliche Hintergründe.

 


(1) Heinz Zander in Meiningen - Das Fräulein von Waldenburg

Als Titelmotiv einer mehr als einhundert Gemälde und Zeichnungen umfassenden Zander-Ausstellung in den Meininger Museen führt das Fräulein von Waldenburg - so der Name dieser Schüssel tragenden Schönen - seit einigen Wochen eine sonderbare Schar aus mitunter äußerst skurrilen Bildgestalten an. Ihr Erfinder, der aus der zweiten Generation der Leipziger Schule kommende Malerpoet Heinz Zander, bezeichnet sie als „liederliche Gesellschaft“ unter die er sich auch selbst gern mischt, davon überzeugt, dass „alltägliche Figuren nichts bringen“. Beharrlich hat der mittlerweile siebzigjährige Künstler an der Entwicklung und Formierung dieser grotesken Truppe aus synthetischen Geschöpfen gefeilt. Mit seiner virtuosen altmeisterlichen Malkunst braucht er sie inzwischen nur noch zu erwecken, um sie weniger oder aufwändiger gewandelt in immer wieder neue Bildabenteuer zu schicken.

Resultat grenzenloser Phantasie

Auch das Fräulein von Waldenburg ist in seiner attraktiven Weiblichkeit ein Resultat der scheinbar grenzenlosen Phantasie des Künstlers. Auf einem früheren Gemälde (Waldenburger Elegie mit einem Rochen auf Blau, 1999) hat er diese Gestalt bereits verewigt. Die schönen jungen Frauen, die sich auf vielen anderen Bildern Zanders unnahbar oder verführerisch präsentieren, muten wie ihre Schwestern an und man meint sogar, ihr in Wirklichkeit bereits begegnet zu sein. Doch bei Zander geht es nicht um die Wiedergabe ganz konkreter Modelle. Vielmehr sind es Typen und Charaktere, die den Maler besonders inspirieren, so wie sie in der antiken Mythologie oder christlichen Ikonographie beschrieben werden, wie sie aber auch das alltägliche Dasein immer wieder hervorbringt. Undurchsichtig und ambivalent ist ihre Wesensart – das Fräulein von Waldenburg ist geradezu ein Musterexemplar dafür.

Sinnbild raffinierter Verführungskunst

Zunächst ist man von dessen Format füllender Eleganz und Schönheit berührt. In einem reich drapiertem Kleid, darüber ein schwerer Mantel von ähnlich edler Stofflichkeit, wächst das Fräulein wie eine imposante Bergspitze empor. Den Kopf mit wehendem, zu einem fülligen Knoten gebundenem Haupthaar über die rechte Schulter in Richtung Betrachter gedreht, der sich vor allem von einem sinnlichen Augenpaar, weich modellierten Wangen und prallen Lippen angezogen fühlt. Doch schon beim nächsten Blick kommen gewisse Zweifel auf, ist doch die entblößte Schulter - wie es eine Redewendung meint – auch Sinnbild für Kühle, Distanz und berechnende Überheblichkeit. Diese Einschätzung gewinnt noch weiter an Gehalt, wird das Fräulein mit der für raffinierte Verführungskunst stehenden biblischen Gestalt der Salome in Verbindung gebracht. Das Vorweisen der Schüssel deutet in jedem Fall auf eine solche Quellenlage hin, wenn auch die zu sehende grausige Kopfreliquie nicht unbedingt Erinnerungen an das abgeschlagene Haupt Johannes des Täufers weckt. Für das also eher mit Vorsicht zu genießende Wesen der Dargestellten sprechen dann auch noch ein Rochen unter ihrem Kleid sowie der gefährlich nach hinten schwingende Haken ihrer Mantelschließe, an dem ein Blutstropfen prangt.
Wie Zanders eigenwilliger Figurenapparat durchgehend vermuten lässt, ist auch das Fräulein von Waldenburg von mehrdeutiger Identität. Während eine üppige Kostümierung, eine gezierte Gebärde und ein prächtiges Haupt eine schmucke und anziehende Fassade bilden, verbirgt sich dahinter ein Wesen, das Schönheit und Grauen, Verführung und Verderben gleichermaßen auf sich vereint.
 
Winfried Wiegand


Angaben zur Ausstellung:
Heinz Zander
In verschwiegener Landschaft
Malerei und Zeichnung
16. Mai bis 31. Oktober 2010, Schloss Elisabethenburg
Di – So, 10.00 – 18.00 Uhr
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erhältlich (136 S.).



Als Abbildung: Das Fräulein von Waldenburg, 2002   
Heinz Zander, Gemäldeaufnahmen, (September 2009)
Fotografien von Thilo Kühne, Demmeringstraße 20
04177 Leipzig
0171 2601705
www.photoplusdesign.de

 


(2) Heinz Zander in Meiningen - Puppenspielerinnen


Mit der bildnerischen Darstellung von Puppenspielerinnen hat sich der Maler Heinz Zander bereits mehrmals befasst. Die derzeitige große Sonderausstellung dieses prominenten Leipziger Künstlers im Schloss Elisabethenburg bietet gleich zwei bemerkenswerte Gemäldeversionen zu diesem Thema - so aus den Jahren 2002 und 2007.

Fragwürdiges Puppenspiel
 
Auf beiden Bildern dominiert eine schöne Frau, die allerdings mit kühlem und geradezu unnahbarem Blick auf ihrem Schoß ein grässliches Puppenwesen präsentiert. Ist das Antlitz der Frauen zwar abweisend, aber dennoch von feinem Schnitt, gipfelt die Hässlichkeit der Puppen in einem grauenhaften Schädel, den noch dazu eine lächerliche Zipfelmütze krönt. Ihre dürren Ärmchen und Beinchen halten in den Gelenkstellen wirr verknotete Stricke zusammen, während die langfingrigen grazilen Hände der Frauen diese wackligen Mechanismen vor dem Absturz bewahren. Trotz dieser Fürsorge für das abscheuliche Spielgerät, dessen sonderbare Zierkleidung auch zum Schmunzeln anregt, bleibt den hingegen edel gewandeten Puppenspielerinnen eine Hand frei für ein Prunkzepter. Genau über den Puppenköpfen wird dieses Attribut von einer prachtvollen Mondsichel geziert.
Obwohl diese Überlegung eine ungemeine Drastik birgt, scheint Zander bei der Zusammenstellung dieser figürlichen Arrangements ein höchst ehrwürdiges Motiv christlicher Kunst vor Augen gestanden zu haben. So deutet vieles auf eine Muttergottes mit dem Kind hin, selbst das Blau der Frauengewänder ist im Bedeutungskanon der Farben seit dem Mittelalter für Maria reserviert.

Urbilder gänzlich umgekehrt

Werden die Bilder Zanders danach befragt, sind gleich noch weitere archetypische Elemente zu entdecken. Wie das Bild von der Muttergottes, der Einhornjagd, der Kreuzigung, der heiligen drei Könige, der Salome oder der apokalyptischen Schlange sind sie aber nicht nur dem christlich-biblischen Bereich entlehnt, sondern haben wie die Darstellungen des Kentauers Nessus, der Liebesgöttin Venus, der bösartigen Harpyien oder des Medusa-Bezwingers Perseus ihre Wurzeln auch in der antiken Mythologie.
Wie unser hier vorgestelltes Bildbeispiel zeigt, bleibt Zander aber keinesfalls in der bloßen Übertragung solcher Urbilder stecken. Er greift sie auf und befrachtet sie mit seiner eigenen ungemein ausschweifenden Gedankenwelt, auch wenn das bis zur völligen inhaltlichen Umkehrung traditioneller Aussagemuster führt. So haben Zanders Puppenspielerinnen sicher nichts mehr mit dem Edel und der Heiligkeit ihrer göttlichen Ausgangsfigur gemein. Was bei Maria den himmlischen Status einer Mondsichelmadonna anzeigt, wird in der Hand von Zanders Puppenspielerinnen zu einem gefährlichen Tötungsinstrument. Viel schlimmer noch ist aber der abstoßende Gnom, der den Platz des Christusknaben eingenommen hat und eine Perspektive erahnen lässt, über die alles andere als Vergebung und Sündenerlass steht. Schon beinahe harmlos mutet da das Ei als Geburtsstätte weiteren Unheils an, das ein Monster im Rücken der Puppenspielerin demonstrativ auf seiner Krallenhand dem Betrachter präsentiert.

Winfried Wiegand

 

Angaben zur Ausstellung:
Heinz Zander
In verschwiegener Landschaft
Malerei und Zeichnung
16. Mai bis 31. Oktober 2010, Schloss Elisabethenburg, Meiningen
Di – So, 10.00 – 18.00 Uhr
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erhältlich (136 S.)



Als Abbildung: Puppenspielerin, 2007    
Heinz Zander, Gemäldeaufnahmen, (September 2009)
Fotografien von Thilo Kühne, Demmeringstraße 20
04177 Leipzig
0171 2601705
www.photoplusdesign.de

 


 

(3) Heinz Zander in Meiningen - Porträts

Seit der Kunst der Renaissance, seit so ehrgeizigen Projekten wie Giorgio Vasaris (1511-1574) „Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten“ hat sich ein schier unüberschaubares visuelles Arsenal von Künstlerbildnissen angesammelt, das bis heute ständig Zuwachs erhält. Obwohl er im Porträtfach nicht unbedingt als Spezialist zu verorten ist, wartet der Maler Heinz Zander in seiner großen Sonderausstellung im Schloss Elisabethenburg gleich mit vier bemerkenswerten autonomen Selbstporträts auf. Die Zahl der hier zu entdeckenden eigenen Konterfeis ist aber noch viel größer, zählt man noch jene mit, die sich in den zahlreich vorhandenen figürlichen Szenerien finden lassen.

Weites Experimentierfeld

Auch für Zander dürfte das Selbstbildnis zunächst ein unabdingbares Studienobjekt, ein weites Experimentierfeld für physiognomische Etüden sein. Nirgendwo anders schlagen sich der beständige Wandel und die jeweilige Befindlichkeit der eigenen psychischen und physischen Existenz so intensiv und nachhaltig nieder wie im Gesicht - dem Zentrum jeder Person. Wie die vier Beispiele in der Ausstellung zeigen, nutzte der Maler diese Bildform aber auch für eine gewisse Selbstinszenierung und für ein deutliches Bekenntnis zum eigenen Berufsstand als Künstler sowie zu den bevorzugten persönlichen Arbeitsmethoden und verehrten Vorbildern. Letztes schlägt sich sicher am optisch eindrucksvollsten in dem Porträt „Selbst mit herbstlicher Palette als Schüler des Hyacinthe Rigaud“, 2001 nieder. Als das größte der vier Bilder zeigt es den Maler mit Palette und Pinsel in einem Moment konzentriertem Innehaltens, wobei sein angespannter, aus schrägem Winkel, etwas von oben kommender Blick auch Souveränität verrät. Wie bei vielen seiner Figuren praktiziert, hat sich auch der Maler selbst in das Gewand einer früheren Zeit gehüllt, das in seinem reichen Faltenwurf und seiner edlen Stofflichkeit dem Träger eine besondere Würde verleiht. Hier schlägt sich der Bogen zu Hyazinthe Rigaud (1659-1743), der als Hofmaler Ludwig XIV. geradezu pompös inszenierte Porträts schuf. Nicht nur seine prominente ganzfigürliche Darstellung des „Sonnenkönigs“ ist zum Inbegriff der Malerei des Absolutismus geworden. Drückt sich mit diesem Selbstbildnis Zanders vor allem dessen Vorliebe für üppig inszenierte Kostümfiguren aus, deutet hingegen das kleinste seiner in der Ausstellung vertretenen Selbstporträts von 2009 auf die Vorbildwirkung eines anderen früheren Künstlers hin. Auf der Rückseite dieses Gemäldes hat der Leipziger Maler den Namen des Neapolitaners Salvator Rosa (1615-1673) notiert, der als Verfasser zahlreicher satirischer Texte wie Zander eine künstlerische Doppelbegabung besaß, nämlich als Maler und Schriftsteller. Auch die Schaffensmaxime Rosas, dass Maler unbedingt gelehrt sein müssen, scheint sich Zander zum Leitgedanken genommen zu haben.

Bezug zur eigenen Biographie

Obwohl sich das recht konventionelle Motiv des in aufrechter Haltung über die Schulter blickenden Künstlers auf den beiden weiteren Porträts in der Ausstellung beinahe spiegelbildlich wiederholt, verbindet sich mit dem Gemälde  „Selbst, geschmückt mit einer Draperie bestehend aus Wundverband und Mallappen“, 2007 noch ein ganz direkter Bezug zur Biographie Zanders. So weist der eigenartig ausgefranste Wundlappen an der Halspartie des Malers auf eine tatsächlich eingetretene gesundheitliche Gefährdung und damit erlittene persönliche Krise hin, die nur durch eine Operation zu beheben war. Als Bestandteil einer eigenen Symbolsprache sind Wundlappen an Armen und Beinen bei vielen Figuren Zanders zu registrieren und drücken wie ein Vanitasmotiv die individuelle, aber auch allgemeine Verletzbarkeit und damit das Vergehen der Zeit sowie irdischen Existenz aus.

Winfried Wiegand

 

Angaben zur Ausstellung:
Heinz Zander
In verschwiegener Landschaft
Malerei und Zeichnung
16. Mai bis 31. Oktober 2010, Schloss Elisabethenburg, Meiningen
Di – So, 10.00 – 18.00 Uhr
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erhältlich (136 S.)



Als Abbildung: Selbst, geschmückt mit einer Draperie bestehend aus Wundverband und Mallappen, 2007  
Heinz Zander, Gemäldeaufnahmen, (September 2009)
Fotografien von Thilo Kühne, Demmeringstraße 20
04177 Leipzig
0171 2601705
www.photoplusdesign.de


(4) Heinz Zander in Meiningen - Inselbilder

Obwohl der Maler Heinz Zander keinesfalls ein Vertreter der klassischen Landschaftsmalerei ist, brachte er für seine aktuellste Sonderausstellung im Schloss Elisabethenburg den Titel „In verschwiegener Landschaft“ ins Gespräch. Wie schon bei ihren Vorläufern („Hortus conclusus“, Panorama Museum Bad Frankenhausen, 1995 / „Zwischen den Inseln“, Universität Leipzig, 1999) wird damit auch diesmal auf ein nicht exakt bestimmbares Areal fokussiert, das der Phantasie des Künstlers entsprungen ist und sich in der Realität nicht finden lässt.

Inszenierte Kunstwelten

Bei einer kleinen Gruppe von Gemälden zum Thema Insel deutlich ablesbar, handelt es sich bei Zanders Landschaften um zusammengesetzte und mehrschichtige Kunstwelten - irgendwo im Nirgendwo. Sie sind nicht nur geistige Projektionsräume, sondern bilden auch den Rahmen, die Bühne und den Lebensbereich für die höchst eigenwilligen figürlichen Szenerien des Künstlers. Der Arbeitsweise eines Bühnenbildners ähnlich, hat Zander seine fernen Inselgestade aus südländischer Vegetation wie Sukkulenten, Palmen, Zypressen, Früchten und Blüten sowie aus Wolken-, Fels- und Meeresformationen zusammengestellt. Dieses ausgelassene Spiel mit landschaftlichen Versatzstücken ist auch bei einem anderen Werkkomplex der Ausstellung augenscheinlich, der in die steinerne Kargheit eines Hochgebirges führt. Während dort die Kühle eines blauen Lichts herrscht, sind Zanders Inselwelten von einem rotbraunen, warmen Kolorit. Mitunter geht es sogar in eine glühende Feurigkeit über, lässt erahnen, welche Schwüle und Hitze auf diesen kleinen Lebensräumen inmitten der Meere lastet. Wie die Bilder zeigen, haben sich dort Trägheit und Müßiggang breit gemacht. Dicke, glatzköpfige Männer liegen müde und mürrisch beim Picknick in den Klippen oder taumeln in sinnloser Fröhlichkeit auf einer schmalen Landzunge umher. Dazwischen findet sich allerlei gräuliches Meeresgetier, aber auch reizvolle nackte Nymphen, die man von vielen anderen Gemälden Zanders kennt.

Gefangen in Untätigkeit
 
Verführt und gefangen von der eigenen Untätigkeit könnte als Botschaft über all diesen Bildern stehen. Der kleine fettleibige Mann, der sich auf dem Gemälde „Inselmorgen“, 1998 lustlos aus den Federn quält, scheint diesem Schicksal schon gänzlich ergeben. Seine zerschlissene Kleidung deutet auf einen schon längeren Aufenthalt als Gestrandeter hin, der umgeworfene Kelch auf das, was er an den langen Abenden auf diesem abgeschiedenen Eiland so treibt. Führt man seine Gestalt und die dahinter diagonal verlaufende Vegetationsgruppe zu einem Gebilde zusammen, kommt unweigerlich die Darstellung eines Gekreuzigten in den Sinn. Der fette Schläfer wäre also für immer an diesen Ort „genagelt“ und seine Lebensperspektive von nun an vorbestimmt. Ob Zander mit der sonderbaren Figurengruppe rechts unten einen Hoffnungsschimmer setzt oder dem Betrachter mit dieser Bildfindung nur noch ein weiteres Rätsel auferlegt, muss offen bleiben. Wäre das Fräulein, das von einem fliegenden Fisch gezogen aus dem Maul eines noch größeren Fisches kommt, der biblischen Gestalt des Propheten Jonas entlehnt, stünde der Gedanke an die Auferstehung Christi und damit an Errettung nahe. Was ist aber, wenn diese Fischfrau nur ein ausgelassenes und verführerisches Versteckspiel mit dem trägen Männlein treibt und für weibliche List steht, die wie aus der Lebensgeschichte des antiken Kriegshelden Odysseus bekannt, an einen Ort und eine Lebenslage bindet?

Winfried Wiegand  


Angaben zur Ausstellung:
Heinz Zander
In verschwiegener Landschaft
Malerei und Zeichnung
16. Mai bis 31. Oktober 2010, Schloss Elisabethenburg, Meiningen
Di – So, 10.00 – 18.00 Uhr
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erhältlich (136 S.)



Als Abbildung: Inselmorgen, 1998
Heinz Zander, Gemäldeaufnahmen, (September 2009)
Fotografien von Thilo Kühne, Demmeringstraße 20
04177 Leipzig
0171 2601705
www.photoplusdesign.de

 


(5) Heinz Zander in Meiningen - Bemerkungen zu Cranach

Es ist immer aufschlussreich und zumeist auch spannend das Schaffen von Künstlern der Gegenwart nach möglichen Vorbildern und Orientierungslinien zu befragen. Gerade in dieser Hinsicht bietet sich mit einer großen Heinz Zander-Ausstellung in den Meininger Museen derzeit ein ganz besonderes Terrain, das eine kaum zu fassende Fülle konkreter Bezugspunkte bereithält und damit erlebnisreiche Ausflugsmöglichkeiten in viele Richtungen der Kulturgeschichte.

Enormer Vorlagenschatz
 
So heben die entsprechenden Analytiker neben seiner unverkennbaren altmeisterlichen Mal- und Zeichenkunst immer wieder den enormen Schatz an Vorlagen heraus, den sich Heinz Zander mit Beharrlichkeit und auf der Basis eines intensiven Studiums im Laufe eines schon langen Künstlerdaseins angelegt hat. Manches davon entspringt einer größeren kulturhistorischen Komplexität; anderes kann aber bis zu einer ganz konkreten Ausgangslage zurückverfolgt  werden. Bei dem Gemälde „Melancholie für Gartenarchitekten“ (2001) mag es nur Kennern gelingen, die Inspirationsquelle sofort zu erkennen, nämlich Albrecht Dürer mit seinem rätselhaften Meisterstich „Melencolia“ (1514). Anders bei einem Werk aus fünf gleichgroßen Tafelbildern, wo Zander selbst den entscheidenden Hinweis gibt, indem er in der Bildunterschrift von „Fünf Bemerkungen zu Cranach“ (1999) spricht.

Kunstkammerstücke

Tatsächlich erinnert bei dieser Folge aus fünf grazilen Frauengestalten vieles an die Kunst des berühmten und so ungemein produktiven Wittenberger Hofmalers. Mit seinen zahlreichen Aktbildern, eingebettet in erotische Motive wie „Venus und Amor“, „Die drei Grazien“ oder das „Paris-Urteil“ lieferte Lucas Cranach d.Ä. nicht nur eine begehrte Alternative zur damals kaum noch nachgefragten religiösen Malerei, sondern auch eine Kunst für den feinen und erlesenen Geschmack. Mitunter edlen Kunstkammerstücken gleich trifft für zahlreiche Bilder Zanders genau diese Einschätzung zu. Werden nun die fünf ausgewählten Frauenfiguren einer näheren Betrachtung unterzogen, erscheinen sogleich jene von Cranach entwickelten „Kindfrauen“ vor dem geistigen Auge, deren Physis oft von eigenwilliger Überlänge sowie skelett- und muskelos einer natürlichen Anatomie nicht entspricht. Auch die geschmeidigen Körpersilhouetten, die die Figuren scharf von den Fondflächen trennen und nicht zuletzt das grafische Gespinst, das die Haartracht der Dargestellten bildet, hat Zander in seine eigenen Bildüberlegungen einfließen lassen. Seine Anlehnungen an den prominenten Renaissancemaler sind aber nicht nur auf rein formale Parallelen begrenzt.
 
Raffinierte Versatz-Praxis

So pflegte schon Cranach im Umgang mit den klassischen Bildsujets und -motiven eine Art Versatz-Praxis, die mitunter bis zur Sinnwidrigkeit geläufiger ikonographischer Muster führte. Auch Zander bedient sich immer wieder einer solchen Methode - die fünf weiblichen Figuren sind ein beredtes Zeugnis dafür. In ihren figürlichen Anlagen teilweise wörtlich zitiert, sind sie gleich mehreren Gemälden Cranachs entlehnt. Doch Zander zeigt sich dabei keinesfalls als ein bloßer Kopist. So verwandelt er die mittlere der drei Göttinen aus Cranachs „Urteil des Paris“ (1530) in eine antike Daphne, die aus Angst vor den Nachstellungen Apolls die Gestalt eines Lorbeerbaums annimmt. Eine andere Göttin aus dieser Urteils-Szene wird sogar mit den signifikanten Merkmalen des Götterboten Merkur ausgerüstet und damit als neue Gestalt auf eine gänzlich andere Sinnebene gerückt. Einem offensichtlich schon von Vorläufern zum Einsatz gebrachten Prinzip folgend, versucht auch Zander eingefahrene Themen und Bildmotive zu durchmischen, was die Gedanken und Sinne seiner Rezipienten herausfordert und seinen Bildern eine zusätzliche Pointe gibt.

Winfried Wiegand


Angaben zur Ausstellung
Heinz Zander
In verschwiegener Landschaft
Malerei und Zeichnung
16. Mai bis 31. Oktober 2010, Schloss Elisabethenburg, Meiningen
Di – So, 10.00 – 18.00 Uhr
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erhältlich (136 S.)

 


Als Abbildung (en):
Fünf Bemerkungen zu Cranach: Eine vom Parisurteil als Daphne noch koketter, 1999
und
Fünf Bemerkungen zu Cranach: Eine vom Parisurteil – etwas Merkur eingestreut, 1999

Heinz Zander, Bildquelle / Fotos Panoramamuseum Bad Frankenhausen
 


 

Presseinformation MM 10 024 vom 04.07.2010
Schlossführungen am Samstagnachmittag

Um Besuchern Meiningens den Besuch im Schloss noch informativer zu gestalten, bieten die Meininger Museen von Juli bis Oktober an Samstagnachmittagen regelmäßige Führungen durch die Ausstellungen, Stilräume und Festsäle an. Die Führungen beginnen um 16.30 Uhr am Museumsshop in der Mittleren Galerie. Stationen sind unter anderem die Portraitsammlung zum Herzoglichen Haus, die Rokokoräume, der Alexanderteppich, die Memorialräume zu Friedrich Schiller und Königin Adelheid sowie Schlosskirche, Marmorsaal und die Herzogliche Wohnsuite mit der Ausstellung zur Musikgeschichte. In den Rundgang einbezogen werden auch die aktuellen Sonderausstellungen „Heinz Zander – in verschwiegener Landschaft“ und „Jugend fotografiert: Verwandlung“.

Die Teilnahme ist mit gültiger Tageskarte oder Kombikarte der Meininger Museen möglich. Tageskarten ( 4,-, keine Ermäßigung), die ab 16 Uhr zur Teilnahme an der Führung erworben werden, gelten auch am Folgetag als Eintrittskarte für alle Ausstellungen der Meininger Museen im Schloss Elisabethenburg, Theatermuseum und Literaturmuseum. Wer es wünscht, kann sich unter 03693 503641 anmelden. Die Führungen finden auch bei geringen Teilnehmerzahlen statt. Die Meininger Museen möchten mit diesem Angebot auch Meininger Familien mit ihren Besuchern oder Festgästen für einen Besuch im Schloss gewinnen.

Text: Meininger Museen, Axel Wirth
Bild MM 10 059: Führung in der Kunstgalerie, Foto Meininger Museen, Manfred Koch

 


Presseinformation MM 10 062 vom 04.08.2010
Woche der historischen Theater
Sonderöffnung des Theatermuseums am 13. September 2010

Die Theater auf der Deutschland-Route der „Europastraße Historische Theater“ veranstalten im September 2010 erstmals eine „Woche der historischen Theater“. In der Zeit vom 7. bis 18. September kann jeder, der die Deutschland-Route von Putbus bis Koblenz entlang fährt, an jedem Tag eine Aufführung, ein Konzert oder eine Sonderführung in einem historischen Theater erleben. Dies ist normalerweise nicht möglich, da viele historische Theater nicht täglich bespielt werden. Während der „Woche der historischen Theater“ aber wird erstmals eine Kette von Veranstaltungen angeboten.

Die Meininger Museen repräsentieren die Theatergeschichte Meiningens an dieser Europastraße. Im Rahmen der Woche der historischen Theater wird hier am Montag, dem 13. September, eine Sonderöffnung des Theatermuseums angeboten. Die Ausstellung zum Bühnenbild Zauberwald aus „Sommernachtstraum“, Inszenie-rung des Meininger Hoftheaters von 1910 wird mit Vortrag, Film und Szenenlichtprogramm um 10, 12, 14 und 16 Uhr zu erleben sein.

Am Tage zuvor, Sonntag, 12. September, spielt das Leipziger CembaloDuo im Ekhof-Theater Gotha ab 17 Uhr Musik aus der Sammlung von Friedrich August III., Kurfürst von Sachsen. Nach Meiningen steht am Dienstag, 14. September, das Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth auf dem Programm dieser Theaterwoche, geboten wird die Führung „Pathos, Prunk und Prachtentfaltung – das Markgräfliche Opernhaus als Spie-gel des Absolutismus“.

Ob man diese Gelegenheit wahrnimmt, um einmal die ganze Deutschland-Route abzufahren, oder ob man sich auf kleinere Teilstücke konzentriert – in dem bunten Strauß von Schauspiel, Oper, Konzert und Führun-gen ist für jeden etwas dabei. Die Organisation der Reise bleibt jedem Besucher selbst überlassen. Eintrittskarten zu den Veranstaltungen sind bei den einzelnen Theatern erhältlich. Informationen zum gesamten Programm sind in Internet unter http://www.perspectiv-online.org/doc_dt/woche.html zu finden. In Meinin-gen gelten die gewohnten Eintrittspreise € 3,50 / 2,- für die Präsentation im Theatermuseum.

Text: Meininger Museen, Axel Wirth
Bilder:
MM 10 063: Detail aus dem Bühnenbild Zauberwald, Foto Meininger Museen, Manfred Koch
MM 10 064 Karte der Europastraße Historische Theater Deutschland, © PERSPEKTIV

 


 

Presseinformation MM 10 065 vom 04.08.2010
Der besondere Vortrag: Daheim in der Fremde
Zu Gast im Schloss: Dr. Lerke von Saalfeld

"Daheim in der Fremde" - so hat der Lyriker Adel Karasholi, der seit 1961 in Leipzig lebt, einen seiner Gedichtbände überschrieben. Eiche und Ölbaum haben sich bei ihm symbiotisch vermählt. Er musste damals aus politischen Gründen aus Damaskus fliehen und fand eine neue Heimat in Leipzig. Wie ihm geht es vielen Autorinnen und Autoren, die, aus welchen Gründen auch immer, in den letzten fünfzig Jahren ihre Heimat verlassen haben und eingezogen sind in die deutsche Literatur, die fremde Sprache zu ihrer literarischen Zuflucht gewählt haben. Die deutsche Gegen-wartsliteratur ist reicher geworden durch die anregende Vielfalt aus fremden Kulturen und Erzähltraditionen - sei es aus Fernost, aus Lateinamerika, aus arabischen Ländern, aus Süd- oder Ost-europa.  Die neue Sprache hat diese Autoren herausgefordert, besonders phantasievoll und auch behutsam mit  der deutschen Sprache umzugehen, sie als einen kostbaren Schatz zum Funkeln zu bringen.

Daheim in der Fremde – so lautet auch das Thema in der Reihe der Meininger Museen „Der besondere Vortrag“ am 08. September in der Meininger Schlosskirche. Zu Gast im Schloss ist diesmal die Kulturjournalistin und Literaturkritikerin Dr. Lerke von Saalfeld. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin lebt und arbeitet in Stuttgart und Berlin. Geboren 1944 in Lenggries verbrachte sie ihre Schulzeit in Lenggries und Cuxhaven, es folgte das Studium der Germanistik und Romanistik in Freiburg i.Br. und an der Freien Universität Westberlin. Sie übte eine Dozententä-tigkeit an der FU und an der summer university am College in Middelbury/Vermont aus. Für den Rundfunk wie für das Fernsehen führt sie regelmäßig Interviews mit  Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik. Seit den siebziger Jahren beschäftigt sie sich mit den demokratischen Oppositionen Ost/Mittel-Europas, in den achtziger Jahren begann  Lerke von Saalfeld mit einer Berichterstattung über die Kulturen Südostasiens.

Seit mehr als fünfzehn Jahren liegt ein Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Auseinandersetzung mit Schriftstellern nichtdeutscher Muttersprache, die Deutsch zu ihrer Literatursprache gewählt haben. 2010 wurde sie daher um die Laudatio für den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung gebeten. Zu Ihren Veröffentlichungen zu diesem Thema zählen: Saalfeld, Kreidt, Rothe „Geschichte der deutschen Literatur“ (1989/91); „Ich habe eine fremde Sprache gewählt - ausländische Schriftsteller schreiben deutsch“ (1998) ; "Swetlana Geier - Leben ist Übersetzen" (2008).

In Meiningen verehrt man Dr. Lerke von Saalfeld als aktives Mitglied im Stiftungsrat der Kulturstiftung Meiningen-Eisenach. Als Urenkelin von Herzog Georg II. bzw. Enkelin von Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen und seiner Ehefrau Käthe Freifrau von Saalfeld vertritt sie das Herzogliche Haus in diesem Gremium. Der Vortag am Mittwoch, dem 08. September 2010 in Meiningen beginnt um 19.30 in der Schlosskirche, Karten zu € 5,- / 4,- sind an der Abendkasse, im Museumsshop sowie in der Buchhandlung Lohmann erhältlich.

Text: Meininger Museen, Maren Goltz, Axel Wirth
Bild MM 10 066: Dr. Lerke von Saalfeld, Foto Barbara Schwanhäuser, Freiburg im Breisgau

 


Presseinformation MM 10 067 vom 04.08.2010
Der Künstler Heinz Zander im Gespräch

Seit einigen Wochen laden die Meininger Museen mit der bislang umfangreichsten Ausstellung des Leipziger Malerpoeten Heinz Zander zu einem ganz besonderen Kunsterlebnis ein: So bietet sich unter dem poetischen Titel „In verschwiegener Landschaft“ mit den mehr als einhundert Werken dieser Exposition nicht nur ein visuelles Vergnügen, sondern auch ein spannendes Wandeln in einer geradezu labyrinthisch angelegten Welt von eigenwilligen Bildern.

Einerseits für seinen dingpräzisen, detailbesessenen, an altmeisterliche Feinmalerei erinnernden Duktus bekannt, sind die unglaublichen phantastischen Szenerien und die grotesken Figurenerfindungen das andere Markenzeichen des Künstlers. Auf seinen Gemälden und Zeichnungen entfaltet sich ein Universum, das fremd und in andere Zeiten zu führen scheint, aber dennoch ein ganzes Kompendium an Aussagen aktuellster Brisanz in sich trägt.

Mit einer Museumsveranstaltung am Mittwoch, dem 15. September, tritt nun der Künstler als Gesprächspartner in den Fokus seiner Werke und damit dieses selbsterschaffenen Universums. Er signalisiert damit Bereitschaft, auf die Fragen eines interessierten Publikums einzugehen – vielleicht sogar bis zur Preisgabe von bisher noch unbekannten Hintergründen seines schon lange währenden und bewegten künstlerischen Schaffens. Man sollte sich also diese Möglichkeit einer unmittelbaren Begegnung mit Heinz Zander nicht entgehen lassen – seine noch bis zum 31. Oktober im Schloss Elisabethenburg versammelten Bilder verheißen in jedem Fall einen abwechslungsreichen, mitunter auch amüsanten Kunstdiskurs. Zu dieser Gesprächsrunde wird in den Marmorsaal von Schloss Elisabethenburg eingeladen, Eintritt € 5,- / 4,-, Beginn am 15. September ist 19 Uhr.

Text: Meininger Museen, Winfried Wiegand
Bilder:
MM 10 068 Selbst, als Salvator Rosa, 2009
MM 10 069 Der böse Müller hat Besuch von einem Fräulein aus der Stadt, 2009

Gemäldeaufnahmen (September 2009), Fotografien von Thilo Kühne, Demmeringstraße 20
04177 Leipzig, 0171 2601705, www.photoplusdesign.de

 

 


Presseinformation MM 10 – 070 vom 03.08.2010
„Hoch auf dem gelben Wagen ...“
Soiree im Museumscafé zum 170. Geburtstag von Rudolf Baumbach

Am 28. September 2010 jährt sich zum 170. Male der Geburtstag des Meininger Dichters Ru-dolf Baumbach (1840 – 1905). Zu Lebzeiten genoss Baumbach mit seinen vorwiegend humo-ristischen Gedichten, seinen Erzählungen und Versepen große Popularität. Heute ist sein Name weitgehend unbekannt. Dass der eine oder andere von Baumbachs lyrischen Texten dennoch weiterhin in mancher Munde ist, verdanken wir vor allem den gut singbaren Vertonungen sei-ner Gedichte. Die bekannteste unter diesen ist mit Abstand „Hoch auf dem gelben Wagen“. Die literarische Vorlage Rudolf Baumbachs heißt „Der Wagen rollt“ und führt zurück ins Postkut-schenzeitalter.

Die Vorstellung einer Kutschenfahrt löst heute zumeist romantische Gefühle aus. Wie aber sah die Realität für jene aus, die vor dem Einzug von Eisenbahn und Automobil auf die Pferdepost angewiesen waren? Rudolf Baumbach bemerkte sarkastisch: War nur ein Rad gebrochen,/ so herrschte Fröhlichkeit./ Mitunter brachen auch Knochen./ O, gute alte Zeit! Auch Jean Paul, Ludwig Bechstein, Friedrich Schiller und dessen Meininger Schwester Christophine Reinwald sowie weitere Zeitgenossen haben ihre Erfahrungen mit dem „gelben Wagen“ schriftlich fest-gehalten.

Der 170. Geburtstag des „fahrenden Gesellen“ Rudolf Baumbach bildet den Anlass für eine Soiree im Museumscafé des Schlosses Elisabethenburg zur Geschichte der Postkutsche und mit Postkutschengeschichten aus zwei Jahrhunderten. Referent ist der Leiter des Literaturmuse-ums Baumbachhaus, Dr. Andreas Seifert. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 29. Sep-tember um 19.30 Uhr statt, Eintritt € 3,- / 2,-. Um Platzreservierung unter 03693 503641 wird gebeten.

Text: Meininger Museen, Dr. Andreas Seifert
Bild MM 10 - 071: Postkutsche (Foto: A. Nemitz, Coaching in Bavaria, München)

Presseinformation MM 10 072 vom 03.09.2010
„Denn die wirklichen Paradiese sind die verlorenen Paradiese“ – Mythos und Symbol in der Kunst Heinz Zanders


Die Kunst von Heinz Zander ist in vielerlei Hinsicht ein Faszinosum. Technisch brillant, farblich verführerisch und höchst artifiziell – so erlebt der Betrachter die kostbaren Tafeln des Künstlers. Doch bei näherer Betrachtung ergeben sich Schwierigkeiten. Wie eindringen in die komplexen aber verschlüsselten Bildinhalte? Rolf Günther aus Freital wird am 01. Oktober mit seinem Vortrag im Schloss Elisabethenburg zu Mythos und Symbol in der Kunst Heinz Zanders Erläuterungen anbieten.

Zander bedient sich in seinen Schöpfungen zahlreicher „Verklausulierungsmittel“ die er der Kunsthistorie des letzten halben Jahrtausends entlehnt. Allegorien, Symbole, Metaphern – allesamt Begriffe für ein hinter den sichtbaren Dingen Liegendes geben sich auf den zanderschen Schöpfungen ein Stelldichein, verunsichern den Betrachter, laden aber auch zu eigenen Interpretationen ein. In vorangegangenen Kunstströmungen wie Manierismus, Romantik, Symbolismus oder Surrealismus waren viele dieser Spielarten noch Gemeingut eines Kunstsinnigen Publikums. Heute ist Manches davon verlorengegangen und harrt einer Wiederentdeckung. Etwas Licht in den scheinbar undurchdringlich erscheinenden Ideengehalt der Werke des Leipziger Meisters zu bringen will dieser Vortrag unternehmen. Anhand einiger Rückgriffe auf Werke früherer Künstler sollen Wurzeln im Werk Zanders aufgezeigt und ein Zugang zu dessen Werken wenigstens partiell eröffnet werden. Und trotzdem wird die Situation so bleiben wie sie der große belgische Symbolist Fernand Khnopff einmal beschrieb: „Wie ich zu den Dingen komme, wo der Ausgangspunkt ist, weiß ich oft selbst nicht. Ich schaffe mir eine eigene Welt und gehe in ihr spazieren.“

Der Vortrag von Rolf Günther am 01. Oktober beginnt um 19.00 Uhr im Marmorsaal von Schloss Elisabethenburg, Eintritt € 5,- / 4,-. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.


Text: Meininger Museen, Winfried Wiegand
Bild MM 10 073: Heinz Zander -  Tröstung am Abend, Gemäldeaufnahme (September 2009); Fotografie von Thilo Kühne, Demmeringstraße 20, 04177 Leipzig, 0171 2601705, www.photoplusdesign.de

Lisztstr. 2a
99423 Weimar
Tel. 03643 49 36 30
kontakt@amt-ev.de
www.amt-ev.de


GÜLDENER HERBST 2010 - Festival Alter Musik in Thüringen
Motto: Kontrapunkte
Samstag, 09. Oktober │ 15.00 Uhr


Meiningen, Schloss Elisabethenburg, Schlosskirche
KOMM MIT NACH ITALIEN! EINE MUSIKALISCHE REISE
FAMILIENKONZERT- Ensemble NOEMA

In Deutschland vor vierhundert Jahren begegnen uns seltsame Dinge: Die Menschen tragen Perücken und Pluderhosen, und auch die Musik klingt ganz anders. Da gibt es keine Keyboards und E-Gitarren, sondern Zinken und Gamben. Wer in dieser Zeit ein besonders guter Komponist werden will, wer lernen will, wie man besonders schöne Musik macht, der muss nach Italien reisen. Begleiten wir den jungen Komponisten Melodius auf seiner Bildungsreise nach Florenz, Venedig und Rom. Hier ist das italienische Kulturleben am reichsten und prachtvollsten. Die Fürsten haben eigene Musiker, die für sie zu jeder Gelegenheit Musik schreiben und machen: Tafelmusik zum Essen, Musik zum abendlichen Beisammensein, Kirchenmusik für den Gottesdienst. Das Alles will Melodius kennen lernen. Kommt er als Meister der Musik in seine deutsche Heimat zurück?

Ensemble NOEMA Leipzig - Besetzung: Friederike Otto, Zink; Katharina Schlegel, Viola da Gamba; Zita Mikijanska, Cembalo; Joachim Holzhey, Moderation
4,- EUR
Vorverkauf: Touristi-Information Meiningen, 03693-44650.
Empfohlen ab 5 Jahren
Das Bild zum Konzert wurde von Marie Helene Spannaus (12 Jahre) gemalt.


  Friederike Otto studierte von 2001-2006 an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig bei Arno Paduch und am „Conservatoire National Supérieur Musique et Danse“ Lyon bei Jean-Pierre Canihac. Ein weiterführendes Studium an der Musikhochschule in Tilburg bei Maurice van Lieshout und William Dongois vertiefte die Kenntnis des gängigen Zinkrepertoires und weckte ein besonderes Interesse an der Musik vor 1600. Sie kann bereits auf eine bemerkenswerte Konzerttätigkeit verweisen. So war sie u. a. bei den Operproduktionen „Il Giasone“ der Staatsoper Hannover, „L’incoronazione di Poppea“ der Staatsoper Hamburg und Glucks “L’Orfeo” des Opernhauses Kassel engagiert und konzertiert regelmäßig mit so renommierten Ensembles wie der LauttenCompagney Berlin, dem Johann Rosenmüller Ensemble, dem Thomanerchor und dem Leipziger Barockorchester.

  Katharina Schlegel erhielt in Stralsund ihren ersten Cellounterricht. Von 1994 bis 1998 studierte sie an dem Musikgymnasium „Schloss Belvedere“ in Weimar als Jungstudentin. Nach Abschluss des Violoncellostudiums an der dortigen Musikhochschule „Franz Lizst“ bei Prof. Brunhard Böhme studierte sie Alte Musik im Fach Viola da Gamba an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig und an der Hochschule für Künste Bremen bei Prof. Hille Perl. Seitdem konzertiert sie mit verschiedenen Ensembles, wie Cantus Thuringia und dem Thomanerchor Leipzig. Mit dem Leipziger Barockorchester und Weser Renaissance entstanden CD-Produktionen. Sie nahm an Meisterkursen bei Paolo Pandolfo und Wieland Kuijken teil. Bei dem 3.Internationalen Bach-Abel-Wettbewerb für Viola da Gamba in Köthen 2006 gewann sie den 1.Preis.

  Zita Mikijanska studierte Klavier an der J. Vitols Musikakademie Lettlands bei Prof. Valdis Jancis und Cembalo an der "Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn-Bartholdy" in Leipzig bei Tobias Schade. Zita Mikijanska ist eine gefragte Cembalistin und Begleiterin. So spielte sie u.a. mit dem Neuen Bachischen Collegium Musicum, dem Leipziger Barockorchester und dem Rigaer Kammerorchester unter der Leitung von Andris Veismanis und ist Mitglied des Ensembles "Sansara". Seit 2007 hat sie an der Leipziger Musikhochschule einen Lehrauftrag für Cembalo und Korrepetition.

  Joachim Holzhey studierte Gesang an den Musikhochschulen in Leipzig und Weimar. Sein Repertoire reicht von der Musik J.S. Bachs, über die wichtigsten romantischen Liederzyklen bis hin zu klassischen Musicals der Gegenwart. Gastengagements führten ihn an das Theater Annaberg-Buchholz und die Musikalische Komödie Leipzig. Er wirkte bei CD-Produktionen von „Die lustigen Weiber von Windsor“ und  „Der Graf von Gleichen“ mit. Wiederholt tritt Joachim Holzhey als Schauspieler und Sprecher in Erscheinung, so am Forumtheater Wien oder in Aufführungen von Prokofieffs „Peter und der Wolf“. 

Lisztstr. 2a
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Tel. 03643 49 36 30
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GÜLDENER HERBST 2010 - Festival Alter Musik in Thüringen
Motto: Kontrapunkte
Sonntag, 10. Oktober │ 17.00 Uhr │ Meiningen
Schloss Elisabethenburg, Schlosskirche
 

ABSCHLUSSKONZERT
MEININGER KOSTBARKEITEN. FUX, BONONCINI, BACH, MONTEVERDI, JOHANN LUDWIG BACH
 

Vokalsolisten der Rheinischen Kantorei, Das Kleine Konzert
Leitung: Hermann Max

Verfolgt man die Wiedererweckungsbestrebungen historischer Aufführungspraktiken in den letzten Jahrzehnten, so stößt man unweigerlich auf den Namen Hermann Max. Mit seinen Ensembles hat der studierte Kirchenmusiker und Musikwissenschaftler nicht nur zahllose hervorragende Werke vor allem der deutschen Barockmusik vor dem Vergessen bewahrt, sondern auch ‚Standardwerke‘ in maßstabsetzenden Aufführungen und CD-Einspielungen realisiert. Stets geht es ihm darum, der barocken und frühklassischen Musik die Lebendigkeit und unmittelbare Wirkung zurückzugeben, die sie in ihrer Entstehungszeit hatte. So formte er die Rheinische Kantorei im Sinne des italienischen Gesangsideals jener Zeit. Sorgfältig erarbeitete Diktion, absolute Intonationsgenauigkeit, Transparenz und Beweglichkeit verleihen diesem Chor eine unverwechselbare Charakteristik. Die hohe Professionalität der Mitglieder erlaubt es, auch Solopartien aus dem Chor heraus zu besetzen.

Für das Abschlusskonzert des Festivals nahm sich Hermann Max zweier Quellen aus der zweitgrößten Sammlung barocker Vokalmusik Wiener Provenienz an, welche Herzog Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen auf seinen Reisen ab den 1720er Jahren anlegte. Darunter befinden sich neunzig Unikate. Zur Aufführung kommen G.B. Bononcinis Kantate Da te che pasci ogn’ora für Sopran und Ausschnitte aus einer vierstimmigen Messe von J.J. Fux. Umrahmt werden diese Werke von drei sechsstimmigen Motetten C. Monteverdis aus G.C. Bianchis Sammeldruck Libro primo dei Motetti von 1620 und vier achtstimmigen Motetten von J.S. Bachs Meininger Vetter Johann Ludwig. Den Abschluss bildet J.S. Bachs achtstimmige Motette Singet dem Herrn ein neues Lied – dem Credo eines jeden Kirchenmusikers.

Das Abschlusskonzert wird von MDR FIGARO aufgezeichnet.


Preise: PK1: 18,-/12,- EUR
            PK2: 15,-/10,- EUR
 

Künstler: Seit Mitte der sechziger Jahre hat sich die "historische Aufführungspraxis" im Musikleben fest etabliert. Historische Aufführungspraxis - das bedeutet: Forschungsarbeit in Bibliotheken und Archiven, Erstellung eines originalgetreuen Notentextes nach den Quellen, Verwendung historischer Instrumente (oder genauer Nachbauten) und vor allem musikalische Ausführung nach den in der jeweiligen Epoche gültigen Regeln. Authentizität ist dabei kein Selbstzweck: es geht darum, der barocken und frühklassischen Musik die Lebendigkeit und unmittelbare Wirkung zurückzugewinnen, die sie in ihrer Entstehungszeit hatte. Und der Erfolg spricht für sich: die Alte Musik zieht mittlerweile ein breites Publikum an. Gerade junge Leute lassen sich von der Spontaneität und Frische dieser Aufführungen faszinieren.
Eine der Schlüsselfiguren dieser Entwicklung in Deutschland ist Hermann Max. Mit seinen Ensembles - der Rheinischen Kantorei und dem Barockorchester Das Kleine Konzert - hat er nicht nur zahllose hervorragende Werke vor allem der deutschen Barockmusik vor dem Vergessen bewahrt, sondern auch "Standardwerke" wie die H-Moll-Messe oder die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach in maßstabsetzenden Aufführungen und CD-Einspielungen realisiert. Hermann Max studierte an der Berliner Musikhochschule Kirchenmusik und an der Kölner Universität Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Archäologie. Ohne seine Arbeit hätte man von einer bedeutenden Epoche der Musikgeschichte, der mitteldeutschen Barockmusik im Umkreis Johann Sebastian Bachs, ein falsches oder zumindest unvollständiges Bild. Die Musik Bachs, seiner Söhne und zahlreichen Verwandten, Musik seiner Vorgänger und Nachfolger im Amt des Thomaskantors, seiner Zeitgenossen, Kollegen und Schüler: eine ganze Musiklandschaft wurde auf diese Weise wiederentdeckt. Zahlreiche Aufnahmen für den Westdeutschen Rundfunk und preisgekrönte CDs zeugen von diesem ambitionierten, über Jahre hinweg verfolgten Projekt. Intensiv setzte Hermann Max sich auch mit dem Werk Georg Philipp Telemanns auseinander, was ihm 1998 den Telemann-Preis der Stadt Magdeburg eintrug. Neben der Arbeit mit seinen Ensembles tritt Hermann Max als Gastdirigent im In- und Ausland auf. Regelmäßig leitet er dies- und jenseits der deutschen Grenzen Kurse zur Interpretation Alter Musik. 1992 gründete er die "Festlichen Tage Alter Musik", die seither alljährlich im September in der romanischen Klosterbasilika Knechtsteden unter seiner Leitung stattfinden. Im Juni 2008 verlieh ihm die Stadt Leipzig die Bach-Medaille für seine Verdienste um die Musik Johann Sebastian Bachs und seiner Familie.

Im Jahr 1977 - zu einer Zeit, als die Beschäftigung mit Alter Musik ihre erste Blüte erlebte - gründete Hermann Max einen klein besetzten Chor, der seit 1986 den Namen Rheinische Kantorei trägt. Das Ensemble ist mit professionellen Sängerinnen und Sängern besetzt. Die Besetzungsgröße kann - je nach Werk - zwischen zwölf und zweiunddreißig Personen variieren. Hermann Max hat den Chor über Jahre hinweg im Sinne des italienischen Gesangsideals des 17. und 18.Jahrhunderts geformt: heller, strahlender Klang, durchweg schlank geführte Stimmen, sorgfältig erarbeitete Diktion, absolute Intonationsgenauigkeit, Transparenz, Leichtigkeit und Beweglichkeit verleihen ihm eine unverwechselbare Charakteristik. Die hohe Professionalität der Mitglieder erlaubt es, auch Solopartien aus dem Chor heraus zu besetzen. Zugleich verschmelzen die Stimmen zu einem Gesamtklang von großer Homogenität.

Foto: Rheinische Kantorei, Foto Martin Roos

Presseinformation MM 10 078 vom 03.09.2010
Ausstellung „Meiningens Stiefkinder“ im Baumbachhaus
Vortrag zum Schicksal einer jüdischen Meininger Familie


Die Exposition von Christoph Gann über die Geschichte der Meininger Juden wurde bereits 2008 aus Anlass des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht gezeigt und stieß auf großes Interesse nicht nur bei einheimischen Besuchern. Neben einer neuen Tafel über den gebürtigen Dreißigackerer Moses Sachs, dem ersten deutsch-jüdischen Einwanderer nach Israel, werden diesmal auch erstmals Dokumente zur jüdischen Familie Mosbacher gezeigt.

Zur Wiedereröffnung der Ausstellung hält der Autor einen Vortrag über das Schicksal dieser Familie. Es vermittelt einen eindringlichen Einblick in die Lebenssituation der verfolgten Juden während der NS-Zeit. Hedwig Mosbacher war die Tochter des Fabrikanten und Stadtverordneten Paul Heinemann, der mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen während der NS-Zeit nach Südafrika auswanderte. Hedwig und ihr Mann Otto Mosbacher, ein Kaufmann aus Nürnberg, mussten im Oktober 1941 in die „Brockenburg“ in der Sachsenstrasse ziehen. Ihre Tochter Eva war 1939, im Alter von 12 Jahren, nach England in Sicherheit gebracht worden. Der Briefwechsel zwischen der Tochter und ihren Eltern ist erhalten geblieben. Er ist ein erschütterndes Zeugnis über die Hoffnungen der Familie auf ein Wiederzusammenkommen. Weitere Dokumente zeugen von den schwierigen Auswanderungsbemühungen, die am Ende scheiterten. Auch davon wird im Vortrag berichtet. Das letzte Schreiben von Hedwig und Otto Mosbacher an ihre Tochter stammt vom 03. Mai 1942. Eine Woche später wurden sie aus Meiningen nach Belzyce bei Lublin deportiert und gelten seither als verschollen.

Die Neueröffnung der Ausstellung „Meiningens Stiefkinder“ mit Vortrag von Christoph Gann findet am Dienstag, dem 05. Oktober, um 19.30 Uhr bei freiem Eintritt statt. Die Ausstellung ist bis 27. März 2011 an gleichem Ort zu sehen. Der Autor der Ausstellung bietet wie schon 2008 Sonderführungen an. Die Kosten pro Teilnehmer betragen € 1,-. Termine sind der 14. November und der 27. März, jeweils um 14 Uhr. Spezielle Führungen für Schulklassen können dienstags, mittwochs und freitags verabredet werden, Anmeldung für alle Führungen: Meininger Museen, Axel Wirth, 03693 881034 oder a.wirth@meiningermuseen.de.


Text: Christoph Gann, Meiningen
Bilder MM 10 079 a und b: Das Ehepaar Hedwig und Otto Mosbacher. Foto-Henssgen, Meiningen

 

Presseinformation MM 10 080 vom 03.09.2010
Ein Sommernachtstraum im Zauberwald zum Herbstbeginn
Museumsabend der Meininger Museen am 09. Oktober

Ein Bühnenbild wird 100 Jahre alt und die Meininger Museen begehen das Jubiläum mit einem Museumsabend. Im Jahre 1910 gab der sich öffnende Bühnenvorhang erstmals den Blick frei auf den so duftigen wie romantischen „Sommernachtstraum-Zauberwald“, in dem Helene Thimig als Puck die liebestollen oder kunstbeflissenen Akteure aus der Menschen- und Elfenwelt in Atem hielt.

Feiern Sie am Samstag, dem 09. Oktober, ab 19.00 Uhr im Theatermuseum „Zauberwelt der Kulisse“ mit uns und dem renommierten Leipziger Ensemble „Amarcord“, das einen Strauß musikalischer Kostbarkeiten überreichen wird. Die ehemaligen Sänger des Thomaner-Chores entführen uns zunächst in das musikalische Leipzig des 19. Jahrhunderts mit Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Carl Steinacker, August Mühling und weiteren Komponisten. Im zweiten Teil des Konzertes offerieren sie uns ein Potpourri mit Folksongs aus aller Welt u. a. mit Liedern von Camille Saint-Saëns und Leoš Janáček.

Zu einer Geburtstagsfeier gehört natürlich auch eine festlich gedeckte Tafel. Freuen Sie sich auf so manche kulinarische Überraschung - von der Waldmeisterbowle über ein herbstliches Pilzcreme- und Kartoffelrahmsüppchen bis hin zu süßen Zaubereien aus der Hauskonditorei vom Ernestiner Hof, die Ihnen das Team der Meininger Hotels mit Flair GmbH offerieren werden.

Zum Ausklang des Abends servieren wir Ihnen als Dessert den Film „Sommernachtstraum“. Die weltberühmte Royal Shakespeare Company, deren Gründung maßgeblich durch die Shakespeare-Inszenierungen des Meininger Hoftheaters inspiriert wurde, interpretiert die populäre Komödie auf eine besonders träumerische und witzige Weise. Karten zu € 18,- erhalten Sie im Vorverkauf im Museumsshop und Restkarten an der Abendkasse.


Text: Meininger Museen, Volker Kern
Bild MM 10 081: Das a-capella-Ensemble Amarcord aus Leipzig sorgt für das musikalische Programm des Museumsabends. Künstlerfoto
 

Presseinformation MM 10 082 vom 03.09.2010
Meiningen ehrt 2010 Günter Raphael
Raphael-Tage vom 13. bis 19. Oktober

 
Anlässlich des 50. Todestages des wegen seiner sogenannten "nichtarischen" Abstammung insbesondere in Leipzig und Meiningen verfolgten Komponisten Günter Raphael realisieren die Meininger Museen in Kooperation mit dem Meininger Theater, der Stadt Meiningen, der Evangelischen Kirche, der Musikschule "Max Reger", dem Kuratorium Kulturstadt Meiningen sowie weiteren Partnern die "Raphael-Tage 2010".

Programm:

Mittwoch, 13. Oktober und Donnerstag, 14. Oktober 2010, jeweils 20.00 Uhr
Stadtkirche Meiningen
2. Sinfoniekonzert der Meininger Hofkapelle
Es erklingen die Tragische Ouvertüre op. 81 von Johannes Brahms, Vier letzte Lieder op. 150 von Richard Strauss, die Introduktion und Chaconne cis-Moll für Orgel op. 27 Nr. 1 sowie die Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 60 von Günter Raphael
Meininger Hofkapelle
Alexander Steinitz, Dirigent
Sebastian Fuhrmann, Orgel
Carola Höhn (Berlin), Sopran
Eintritt € 22,- und 12,-
 

Freitag, 15. Oktober 2010, 18 Uhr
Schlosskirche Meiningen
Podiumsdiskussion, Konzert, Ausstellungseröffnung
Podiumsdiskussion zu Günter Raphael mit Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller (Leipzig) und Prof. Dr. phil. habil. Matthias Herrmann (Dresden), Moderation: Maren Goltz, M. A. (Meiningen)
Das Cuarteto Arriaga spielt das 2. Streichquartett C-Dur op. 9 (1925) von Günter Raphael und das Streichquartett g-Moll op. 54 Nr. 1 von Max Reger
Eröffnung der Ausstellung "Musik. Sie heilt Wunden - Günter Raphaels Meininger Jahre" von Christoph Gann in der Schlosskirche
Eintritt: € 8,- / 6,-

Samstag, 16. Oktober 2010, 09 Uhr
Schlosskirche Meiningen
Raphael-Tagung
Mit Gymnasiasten der Thomasschule Leipzig, dem Kreuzgymnasium Dresden und dem Henfling-Gymnasium Meiningen, Moderation Maren Goltz (Meiningen), Musikalisches Programm mit Anna Gann (Sopran), Christian Glöckner (Klavier) u. a.

Vorgestellt werden Arbeitsergebnisse der Facharbeiten in den Fächern Geschichte, Musik, Religion und Ethik von Schülern aus Leipzig (1926-1934 außerordentlich erfolgreiche Arbeit als Komponist, Wirken an Karl Straubes Kirchenmusikalischem Institut, Inverlagnahme zahlreicher Werke durch Breitkopf & Härtel etc.), Dresden (auch nach 1933 Rezeption durch Kreuzkantor Rudolf Mauersberger) und Meiningen (1934-1944 Leben und Wirken unter schwierigsten Bedingungen).
Eintritt frei 
 
Sonntag, 17. Oktober 2010, 10.00 Uhr
Stadtkirche Meiningen
Gottesdienst
Musik von Günter Raphael im Gottesdienst
Eintritt frei

Sonntag, 17. Oktober 2010, 15 Uhr
Treffpunkt: Schlossrundbau
Stadtführung auf den Spuren bedeutender Musiker in Meiningen
Führung: Maren Goltz, M. A., Meiningen
Teilnahme kostenlos


Text: Meininger Museen, Maren Goltz
Bild MM 10 083: Günter Raphael (1903 – 1960), Archiv Meininger Museen, Repro Manfred Koch

Presseinformation MM 10 084 vom 03.09.2010
Podiumsdiskussion, Konzert, Ausstellungseröffnung zu Ehren Günther Raphaels

 
Einen Höhepunk der Raphael-Tage vom 13. – 19. Oktober 2010 in Meiningen bietet der Freitagabend. Günter Raphael als Mensch und Künstler – unter diesem Motto diskutieren Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller (Leipzig) und Prof. Dr. Phil. habil. Matthias Herrmann (Dresden) im Rahmen einer Podiumsdiskussion ab 18 Uhr im Schloss Elisabethenburg in Meiningen. Das Podium hierfür bietet die Schlosskirche, moderiert wird die Runde von der Meininger Musikwissenschaftlerin Maren Goltz.

Im musikalischen Teil des Abends erklingen das 2. Streichquartett C-Dur op. 9 von Günter Raphael sowie das Streichquartett g-moll op. 54 Nr. 1 von Max Reger. Es spielt das Ensemble Cuarteto Arriaga aus Leipzig. Im Cuarteto Arriaga, benannt nach dem spanischen Komponisten Juan Crisóstomo de Arriaga, haben sich vier Musiker aus Spanien, Argentinien und Frankreich zusammengeschlossen. Sie konzertieren in den renommierten Festivals und Konzerthäusern Europas, beispielsweise beim MDR Musiksommer, der “Quincena Musical” in San Sebastián, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, dem Kammermusikfestival in Kuhmo (Finnland), dem Konzerthaus Berlin, Palais des Beaux Arts Brüssel, dem Palau de la Música Barcelona und arbeiten mit Institutionen wie dem Goethe-Institut und der Isang-Yun-Gesellschaft zusammen.

Erstmals seit längerer Zeit bildet die Meininger Schlosskirche wieder den Rahmen für eine Ausstellung. Der Meininger Christoph Gann zeigt auf Bildtafeln und in Vitrinen Dokumente und Zeitzeugnisse, die an das Wirken von Günter Raphael in Meiningen erinnern. Die Eröffnung der Ausstellung „Musik. Sie heilt die Wunden – Günter Raphaels Meininger Jahre“ ist in die Freitagabendveranstaltung am 15. Oktober eingebettet. Eintrittskarten zu € 8,- / 6,- sind an der Abendkasse erhältlich.


Text: Meininger Museen, Axel Wirth
Bild MM 10 085: Die Musiker des Abends - Das Cuarteto Arriaga, Leipzig, Künstlerfoto

 

Presseinformation MM 10 086 vom 03.09.2010
Ausstellung „Musik. Sie heilt die Wunden. Günter Raphaels Meininger Jahre“


Günter Raphael bezeichnete rückblickend seine Meininger Zeit als die „Stumme Periode“ seines Lebens und sprach von den „trostlosen Jahren“. Das einzig Gute sei gewesen, dass er komposito-risch einen eigenen Stil entwickelt habe und immer mehr von seinen Vorbildern Brahms und Re-ger weg gekommen sei. Anläßlich seines 50. Todestages erinnert die Ausstellung „Musik. Sie heilt die Wunden.“ an Günter Raphaels Meininger Jahre. Nach Verlust seiner Stellung am Landeskon-servatorium der Musik zu Leipzig Mitte 1934 zog er nach Meiningen. Hier lebte bereits seine spä-tere Ehefrau Pauline Jessen und hier gründete er seine Familie.

Die Ausstellung zeichnet nach, wie der von den nationalsozialistischen Gesetzen als „Nichtarier“ bewertete Komponist sich um die Fortsetzung seines künstlerischen Wirkens bemühte. Seine jährlichen Kammerkonzerte im Meininger Schloss konnten nur bis 1937 stattfinden. 1939 erfolgte das Berufsverbot. Dargestellt wird zudem das Verhalten von Musikerpersönlichkeiten wie u.a. Furtwängler und Sibelius gegenüber Raphael. Beleuchtet wird auch das Verhalten des damaligen Städtischen Musikbeauftragten und späteren Meininger Ehrenbürgers Ottomar Güntzel.

Der Ausstellungsautor, Christoph Gann, präsentiert viele bisher unveröffentlichte Dokumente und Fotos. Damit bietet die Ausstellung nicht nur einen Beitrag zur Meininger Stadtgeschichte, son-dern vermittelt darüber hinaus neue Erkenntnisse für die Raphael-Forschung. Diese sehr nachdenkliche Ausstellung wird vom 16. Oktober bis zum 30. Januar auf der Empore der Schlosskirche von Schloss Elisabethenburg gezeigt. Die Eröffnung am Freitag, dem 15. Oktober, ist eingebettet in eine Veranstaltung zu Ehren Günter Raphaels, begleitet von einer Podiumsdiskussion und einem Kammerkonzert. Beginn für diese Veranstaltung in der Schlosskirche ist 18.00 Uhr, Eintritt € 8,- / 6,-. Sie ist ein Höhepunkt im Verlauf der Raphael-Tage 2010 in Meiningen.

Text: Christoph Gann, Meiningen
Bild: MM 10 087, Günter Raphael um 1930, Foto Archiv Fredrik Pachla, Christine-Raphael-Stiftung, Husum

Presseinformation MM 10 088 vom 03.09.2010
Raphael-Tagung am 16. Oktober in Meiningen
Aktuelle Schülerprojekte und Musik von Günter Raphael

 
Die Raphael-Tagung am 16. Oktober in Meiningen beschäftigt sich vorrangig mit Forschungsarbei-ten von Schülern, in diesem Fall Gymnasiasten der Thomasschule Leipzig, dem Kreuzgymnasium Dresden und dem Henfling-Gymnasium Meiningen. Vorgestellt werden Arbeitsergebnisse der Facharbeiten zu Lebensstationen von Günter Raphael in den Fächern Geschichte, Musik, Religion und Ethik von Schülern aus Leipzig (1926-1934 außerordentlich erfolgreiche Arbeit als Komponist, Wirken an Karl Straubes Kirchenmusikalischem Institut, Inverlagnahme zahlreicher Werke durch Breitkopf & Härtel etc.), Dresden (auch nach 1933 Rezeption durch Kreuzkantor Rudolf Mauers-berger) und Meiningen (1934-1944 Leben und Wirken unter schwierigsten Bedingungen).

Das musikalische Programm mit Anna Gann, Sopran, und Christian Glöckner, Klavier, sowie Jen-nifer Schmalz, Violine, und Maria Keßler, Klavier, bietet u. a. die Hesse-Lieder op. 72 sowie der 2. Satz der Sonatine in h-Moll op. 52 für Violine und Klavier von Günter Raphael. Die Moderation der Veranstaltung übernimmt die Kustodin der Sammlung Musikgeschichte der Meininger Museen Maren Goltz. Diese musikalische Tagung beginnt am Samstag, dem 16. Oktober,  um 09 Uhr in der Meininger Schlosskirche, der Eintritt ist frei.


Text: Meininger Museen, Axel Wirth
Bild MM 10 089: Familie Raphael musizierend, Foto Archiv Fredrik Pachla, Christine-Raphael-Stiftung, Husum

Presseinformation MM 10 090 vom 03.09.2010
Luftschiffe über Meiningen
Neue Ausstellung im Schloss eröffnet am 27. Oktober

Bereits am 28. Juli 1910 konnten die Meininger das erste Luftschiff über ihrer Stadt sehen. Es handelte sich um das Militärluftschiff M III, seinerzeit das schnellste Luftschiff, ein halbstarres Luftschiff vom Typ Groß-Basenach. Und am 10. August 1912 ist die „Victoria Luise“, ein Zeppelin-Verkehrsluftschiff der Deutschen Luftschifffahrts-Aktiengesellschaft (DELAG) über Meiningen ge-sichtet worden. Dennoch vergingen fast zwei Jahrzehnte, ehe auf dem Flugplatz Meiningen (Roh-rer Stirn) ein erstes Luftschiff landete. Meiningens Oberbürgermeister Kessler und Handelsge-richtsrat Emil Christ aus Meiningen konnten die DELAG überzeugen, die Stadt Meiningen anzufah-ren und auch zu landen. Am 11. Oktober 1931, gegen 11.00 Uhr, landete das am 18. September 1928 nach 21-monatiger Bauzeit in Dienst gestellte und durch zahlreiche spektakuläre Fahrten (u. a. Weltfahrt und Arktisfahrt) berühmte Starrluftschiff „Graf Zeppelin“ in Meiningen, schon stundenlang von einer auf 100 000 geschätzte Menschenmenge ungeduldig erwartet.

Nur noch einmal war der Flugplatz auf der Rohrer Stirn Schauplatz der Landung und des Aufstiegs eines Zeppelins. Das Schwesternluftschiff des am 6. Mai 1937 in Lakehurst/USA explodierten und verbrannten Luftschiffes LZ 129 „Hindenburg“, das am 14. September 1938 zur Jungfernfahrt aufgebrochene Luftschiff LZ 130 „Graf Zeppelin II“, landete am 02. Juli 1939 in Meiningen. Es stiegen aber keine Passagiere ein und aus, denn das Luftschiff bekam vom Reichsluftfahrtministe-rium dafür keine Betriebserlaubnis erteilt, so dass die Fahrten des LZ 130 der Propaganda und Spionage, weniger der Forschung und gar nicht des Passagiertransportes vorbehalten waren. Auch die Besucherzahl bei dieser Landung hielt sich in Grenzen. Das war sicher auch dem Regen-wetter geschuldet. Andererseits war die Zeppelin-Euphorie vorüber und der Zweite Weltkrieg lag drohend in der Luft. Beide „Grafen“ wurden im April 1940 abgewrackt und verschrottet.

Diese beiden spektakulären Luftfahrtereignisse stehen nunmehr nahezu 80 Jahre nach der ersten Landung im Mittelpunkt einer Sonderausstellung der Meininger Museen, die vom 28. Oktober bis zum 05. Juni in zwei Räumen in der Mittleren Galerie von Schloss Elisabethenburg zu sehen ist. Landung und Aufstieg der Luftschiffe LZ 127 und LZ 130 in Meiningen sind durch einheimische Fotografen dokumentiert worden, eine Auswahl Originalfotografien und zeitgenössischer Monta-gen können in der Ausstellung angesehen werden. Weiterhin stellen ein Sammler aus Zeppelin-heim sowie Meiningerinnen und Meininger noch viele Originalzeugnisse der beiden in Meiningen gelandeten Luftschiffe LZ 127 „Graf Zeppelin“ und LZ 130 „Graf Zeppelin II“ als Leihgaben zur Verfügung. Filmdokumente veranschaulichen die große Zeit der Luftschiffe. Zur Eröffnung laden die Meininger Museen am Mittwoch, dem 27. Oktober, in die Schlosskirche, Unkostenbeitrag € 2,-, Beginn ist 19.30 Uhr. Die Austeilung wird durch Sonderführungen und Vorträge begleitet.


Text: Meininger Museen, Axel Schneider
Bilder
MM 10 091: LZ 127 1931 über Meiningen, Postkarte, Fotomontage Verlag A. Büchner, Meiningen
MM 10 092: Haltemannschaft sichert LZ 130 während des Aufenthaltes in Meiningen 1939 , Foto Helmut Andreas, Meiningen

 


Kontakt:
Kulturstiftung Meiningen-Eisenach
Meininger Museen
Schlossplatz 1
98617 Meiningen

Tel: 03693 - 50 36 41
kontakt@meiningermuseen.de

Postanschrift:
PSF 100554
98605 Meiningen