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Mittelalterliche Kunst

Aus dem Fundus des 1832 von Ludwig Bechstein in Meiningen gegründeten Hennebergischen altertumsforschenden Vereins ist eine feine Kollektion sakraler Schnitzplastiken hervorgegangen, ebenso eine Vielzahl kunsthandwerklicher Stücke und - auch das ist Kulturgeschichte - ein Bestand von Folterwerkzeugen.

Teile der Ausstellung werden derzeit neu gestaltet. Für Einschränkungen bei der Besichtigung bitten wir um Verständnis. 

 

 

 

 

 

Auswahl von Exponaten

Apostelabschied, Schnitzrelief, spätes 15. Jhd.

Die mittelalterliche Kunst entsteht und existiert fast ausschließlich im religiösen Zusammenhang. Deshalb auch die Fülle an überkommenen Heiligenbildern, gemalt, geschnitzt, in Stein gehauen. Die Masse an biblischen Szenen, die immer wieder gestaltet wurden und dabei natürlich ebenso viel von ihrer Entstehungszeit erzählen wie von ihren eigentlich Motiv. So auch das Schnitzrelief „Apostelabschied“ aus dem späten 15. Jahrhundert. Es stammt aus der Sammlung des Hennebergisch altertumsforschenden Vereins und ist eine Arbeit aus der Region Franken. Sie besteht aus drei zusammengehörenden Teilen, die früher sicherlich zur Festtagsseite eines Flügelretabels gehörten.

Die zwölf Apostel, barfuß und mit Heiligenschein, treffen Vorbereitungen zum Aufbruch. Der Überlieferung nach befahl  Christus seinen Jüngern seine Lehren in die Welt zu tragen und die Völker zu missionieren und zu taufen. Der Legende nach sollen die zwölf Apostel gleich nach der Himmelfahrt Christi vor der Stadt Jerusalem noch einmal zusammengekommen sein bevor sie dem Missionsauftrag folgten. In diesem Relief nimmt Jerusalem die Form einer befestigten gotischen Stadt an. Auch die Gesichter der Männer sind sehr lebensnah gestaltet. Sie zeigen einen Querschnitt sowohl durch die Lebensalter als auch die unterschiedlichen Temperamente mit ihren Gefühlsäußerungen und außerdem noch die verschiedensten Reisevorbereitungen. Selbst der Landschaftshintergrund ist liebevoll genrehaft durchgestaltet und lässt so manches Detail entdecken.


Schandgeige aus Hellingen

Zu den Beständen des Hennebergisch altertumsforschenden Vereins, die heute im Schloss Elisabethenburg aufbewahrt und präsentiert werden, gehörte auch eine Reihe von Schimpf-, Straf- und Folterwerkzeugen. Schon 1840, wenige Jahre nach seiner Gründung, erhielt der Verein als Schenkung eine Schandgeige, ein „Instrument der vormaligen peinlichen Rechtspflege“. Sie besteht aus zwei Holzteilen, die durch Scharnier, Riegel und Haken miteinander verbunden sind und geöffnet und verschlossen werden können. Das Anlegen von Instrumenten wie diesem  verursachte keine körperlichen Schmerzen. Und doch war ihre Wirkung enorm.

 


 
 

Denn der Deliquent musste die Schandgeige nicht nur einfach tragen, sondern er wurde damit öffentlich durch’s Dorf geführt und/oder an den Pranger gestellt zum Gespött des ganzen Ortes. Damit war sein Ansehen und seine Ehre vernichtet, was damals die Existenz bedeutete. Im Mittelalter wurde dem Menschen keine nur für sich stehende Identität zugesprochen. Allein die soziale Stellung bestimmte die Person. Es gab kein Konzept einer „Privatsphäre“ außerhalb der gesellschaftlichen Position. Deshalb bedeutete der Verlust der Ehre gleichfalls den Verlust der Persönlichkeit. Der Betreffende war für’s Leben gezeichnet und häufig blieb nur die Auswanderung als möglicher Neuanfang in der Anonymität. Die Schandgeige  wurde wahrscheinlich angewandt um schlecht spielende Musikanten zu bestrafen – Qualitätssicherung á la Mittelalter.

(Wegen Reinigungsarbeiten ist die Sammlung der Folterwerkzeuge im August 2010 nicht ausgestellt. Wir bitten um Verständnis.)


Modeln von Ofenkacheln mit Darstellungen aus dem 30-jährigen Krieg

Besondere Beachtung verdienen die Darstellungen auf den Modeln des Eisfelder Kachelfundes. Die größeren unter ihnen zeigen allesamt wichtige Persönlichkeiten des 30-jährigen Krieges. Eine darunter konnten wir zweifelsfrei als Herzog Bernhard von Franken identifizieren. Dieser war einer der berühmtesten Feldherren des 30-jährigen Krieges und gleichzeitig Onkel des ersten Herzogs von Sachsen-Meiningen, Bernhard I. Wahrscheinlich erhielt der Bauherr des Schlosses Elisabethenburg seinen Namen von diesem berühmten Onkel. Auf einer anderen Kachel mit der Umschrift FRIDERICUS. IIII. ROM: IMP: ist vermutlich Friedrich V. von der Pfalz, der als Winterkönig in die Analen der Geschichte einging, zu sehen. Dieser protestantische Kurfürst hatte im Vorfeld des 30-jährigen Krieges versucht, sich als Macht gegen den habsburgischen Kaiser zu positionieren und war somit einer der Auslöser dieses äußerst verheerenden Krieges. Aber offenbar gehörte der Winterkönig, obwohl er außer seinem Leben nahezu alles verlor, neben Gustav Adolf von Schweden noch lange Zeit zu den wichtigen Identifikationsfiguren für Protestanten und wurde sogar häufiger dargestellt als Wallenstein. Auf einer anderen Kachel ist Octavio Piccolomini zu sehen, welcher den meisten von uns aus Schillers Wallenstein wohl bekannt ist. Er war ein General Wallensteins und Kommandeur von dessen Leibgarde. Nicht so gut bekannt, aber wie der letztgenannte Model in der Daueraus-stellung zu sehen ist General Carl Gustav Wrangel. Er diente als Feldmarschall auf der Gegenseite unter Gustav Adolf von Schweden, später nach dessen Tod 1632 auch unter Bernhard.

 


 

Zwar fanden in Südthüringen keine wichtigen Schlachten statt, aber die Menschen hatten stark unter den Truppendurchzügen der bereits oben Genannten, Gustav Adolf und Wallenstein, zu leiden. Es war üblich, da die Soldateska kaum einen Sold bekam, dass sie sich ihren Lebensunterhalt unterwegs von der Landbevölkerung holte. Das geschah meist durch Plün-derungen übelster Art, wobei sich weder die katholische, noch die protestantische Seite als besonders mild hervortat.

 

 

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