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Zauberwelt der Kulisse - Herzog Georg II. und sein Theater

Meiningen verdankt seinen Namen als Theaterstadt dem Hoftheater unter der Leitung Herzog Georgs II. Er war Theaterleiter, Regisseur, Bühnenbildner und Kulturpolitiker in einer Person. Als so genannter „Theaterherzog“ füllte er nicht nur die Rolle des künstlerischen Ideengebers aus, sondern trug auch das gesamte finanzielle Risiko seines Theaters. Die Aufführungen der „Meininger“, vor allem ihre Gastspielreisen zwischen 1874 und 1890, erregten europaweites Aufsehen. Das Meininger Hoftheater wurde zum Kristallisationspunkt der modernen europäischen Theaterarbeit. Dafür ausschlaggebend waren die „Meininger Prinzipien“ wie z. B. absolute Werktreue, Priorität der Ensembleleistung oder das Streben nach einem Gesamtkunstwerk. 

Die Royal Shakespeare Company wurde nach dem Vorbild der „Meininger“ gegründet. Der russische Star-Regisseur Konstantin Stanislavski entwickelte unter dem Eindruck der „Meininger Spielweise“ seine Lehr- und Regiemethode, die später Sergeij Eisenstein in Moskau und Lee Strassberg in New York weiterführten. In Strassbergs Actors Studio in New York begannen Filmlegenden wie Al Pacino, Robert de Niro oder Dustin Hoffmann ihre Karrieren. Ohne Meiningen kein Hollywood?

 

 

   

 

Kostüme und Figurinen Graf und Gräfin Terzky (Schiller, Wallenstein)

 

Wesentliche Bestände der Meininger Hofbühne Georgs II. haben die Zeiten überdauert. Darunter phantastische Bühnenbilder aus der Coburger Werkstatt der Gebrüder Brückner, prachtvolle Kostüme und diverse Requisiten. Einzigartig sind auch die eigenhändigen Bühnenbild- und Kostümentwürfe des „Theaterherzogs“.  Jede einzelne Bühnendekoration – so beispielsweise zum „Wintermärchen“, zum „Sommernachtstraum“ oder zu „Wilhelm Tell“ -  ist in ihrer besonderen Präsenz geradezu atemberaubend. Tiefenräumlichkeit, Farbwirkung oder Detailbehandlung vermitteln Illusionen, die schon die Theaterwelt des 19. Jahrhunderts beeindruckte und auch noch heute in Erstaunen versetzt. 

 

          

Helene, Freifrau von Heldburg, Herzog Georg II.,     Ludwig Chronegk

Die 275 erhaltenen Dekorationsstücke sind der spektakulärste Teil der einzigartigen theatergeschichtlichen Sammlung in Meiningen. Für die Konservierung dieser Schätze setzen sich berühmte Schauspieler wie Monica Bleibtreu, Klaus-Maria Brandauer und Armin Mueller-Stahl ein. In jährlichen Wechseln stellt das Theatermuseum „Zauberwelt der Kulisse“ ein ausgewähltes  historisches Bühnenbild der „Meininger“ vor. Unterstützt durch moderne Licht-, Audio- und Vorführtechnik wird dem Besucher ein Museumserlebnis eröffnet, das einstige Bühnenwirkungen und damit die Erfolgsgeschichte der Schauspieltruppe des Meininger Hoftheaters möglichst nahe bringen soll.

Aus räumlichen und organisatorischen Gründen kann jeweils nur ein Bühnenbild, ergänzt durch dazugehörige Kostüme, Handzeichnungen und weitere Theatralia präsentiert werden. Daher findet jährlich ein Bühnenbildwechsel statt, etwa im Zeitraum zwischen dem 20. Januar und dem 20. Februar. Während des Wechsels ist keine Besichtigung des Theatermuseums möglich. 2012 zeigen wir das Bühnenbild "Schäfergegend" aus "Das Wintermärchen" von W. Shakespeare, Inszenierung des Meininger Hoftheaters von 1878, Animation oben.

Hamlet, Prospekt und Bühnenbild Terrasse

 

 

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Der Theaterherzog - Herzog Georg II. als Szenograph

Die Erfolge des Meininger Hoftheaters auf den Bühnen Europas waren nicht das Produkt eines glücklichen Zufalls. Sie waren das Ergebnis kreativer, planvoller Vorbereitungen im Ganzen der Inszenierungen wie in deren Details. Besonders deutlich wird das bei der Betrachtung des szenischen Apparates der Meininger Aufführungen, dessen Ausführung stets auf der Grundlage von Entwürfen Herzog Georgs II. entstand.

Von der Hand des „Theaterherzogs“ stammen Hunderte von Bühnenbild- und Kostümzeichnungen, in denen er das äußere Bild einer Inszenierung festlegte. Dabei war er bestrebt, eine totale Illusion der Wirklichkeit zu erreichen. Wichtigste Quelle dieser Bemühungen waren die Anregungen, die er von den Historienmalern Wilhelm v. Lindenschmitt d. A., Wilhelm Kaulbach und Peter v. Cornelius empfing. Die bei dieser namhaften Lehrerschaft angeeigneten Kenntnisse und Fähigkeiten prägten maßgeblich die ihm eigentümliche Art und Weise des Herangehens an Theater im allgemeinen sowie an Stückinszenierungen im besonderen.

Der Theatermann Georg II. War ein „Augenmensch“. Sein Zugang zu den zu inszenierenden Werken vollzog sich vornehmlich über die sinnliche Wahrnehmung und bildliche Darstellung von Vorgängen, Situationen, Figuren und Raumdispositionen. Seine Zeichnungen erfüllen somit dramaturgische Funktionen. Er schuf kein Wort-, sondern er modellierte ein Bildkonzept, das aus der Gesamtheit der Zeichnungen zu einer Inszenierung ablesbar ist. Herzog Georg II. entwarf Figurinen und Kostüme nicht anonym. Häufig ist auf den Blättern der Name des Schauspielers vermerkt, der das Kostüm auf der Bühne tragen sollte. Die Zeichnungen berücksichtigen sowohl die Eigenheiten des Schauspielers, als auch die Besonderheiten der Rollenfigur. Georg II. entwarf Charaktere mit typischen Haltungen und Gesten, keine Bühnengarderobe. Seine Zeichnungen ermöglichten dem Schauspieler einen visuellen Zugang zu seiner Rolle.

In den vom Meininger Herzog verfertigten Arrangementskizzen herrschen Ordnung, Harmonie und Proportion, bezogen auf den gedachten Bühnenausschnitt. Sie orientieren sich auf eine Figur-Raum-Konstellation, die die inhaltliche Aussage der Textvorlage unterstreicht und Spielanlässe hervorhebt.

In den Natur- und Interieurzeichnungen Georgs II. treten uns keine idealen Landschaften oder Innenarchitekturen entgegen. Sie stellen eine glückliche Vereinigung der Regieanweisungen des Dichters mit dem formal richtigen, historisch wahren Erscheinungsbild dar. Hierbei konnte er auf eine Vielzahl von Studien zurückgreifen, die er während ausgedehnter Rei-sen durch Europa nach Originalen anfertigte. Diese Zeichnungen setzten den prächtigen äußeren Rahmen für die Entwicklung des Spiels.

Die Dekoration, die Ausstattung eines Stückes waren für Georg II. nicht Endzweck, sondern Mittel zum Zwecke der adäquaten Umsetzung der Stückvorlage im Rahmen einer Gesamtkunstwerkkonzeption.

Kontakt:
Kulturstiftung Meiningen-Eisenach
Meininger Museen
Schlossplatz 1
98617 Meiningen

Tel: 03693 - 50 36 41
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