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Trotz COVID-19-Pandemie: Volles Programm in den Meininger Museen

Restauratorin Marion Adam über die Schulter geschaut

Während Besucher wiederholte Male keinen Blick in Ausstellungen der Museen werfen konnten und auch Veranstaltungen nicht möglich waren, liefen und laufen zahlreiche Aktivitäten hinter den Museumsmauern auf Hochtouren. Nicht nur die Organisation und Kommunikation zu den pandemiebedingten Änderungen im Museumsbetrieb sind zu bewältigen. Die Überarbeitung des Fotoarchivs, Ausstellungsdokumentationen, die Erstellung wissenschaftlicher Literatur, Depotsichtungen oder auch die anstehende Kategorisierung von Beständen im Rahmen von Maßnahmen im Notfallverbund kommen im Museumsalltag oft zu kurz und gelangten nun vordergründig auf der Tagesordnung. Das gleiche gilt  für Aufräumarbeiten, Vorbereitungen für kommende Projekte, die Vervollständigung von Restaurierungsberichten und natürlich Restaurierungs- und Reinigungsarbeiten. Diese Tätigkeiten können einzeln oder im kleinsten Kreise unter Wahrung des gebührenden Abstandes durchgeführt werden. Nicht zuletzt beteiligen sich die Meininger Museen an thüringenweiten Initiativen wie dem virtuellen Museum des Museumsverbunds und den Museumsheften.

In der Werkstatt der Metallrestauratorin der Meininger Museen, Marion Adam, stand lange Zeit eine Büste des englischen Dramatikers William Shakespeare auf dem Tisch. Diese kam nach langem Verbleib im Depot zurück in das Licht der Öffentlichkeit und wurde zuvor einer Behandlung unterzogen. Mit einfachem Abstauben war das nicht getan. 

Die unsignierte, 63 Zentimeter hohe Büste vom Ende des 19. Jahrhunderts, wurde als Zinkguss hergestellt und galvanisch verkupfert. Kunstwerke aus diesem eher unedlen Metall wurden ab 1820 als die preiswertere Version von Bronzeskulpturen gefertigt. Schon 1805 war die Walzbarkeit von Zink erkannt worden. Auch für bauliche Zwecke und die Fertigung kleinerer Gegenstände bekam Zink fortan Bedeutung. Eine erste Fabrik, die sich ausschließlich mit Zinkguss beschäftigte, eröffnete 1832 in Berlin. Auch Entwürfen des berühmten Architekten und Künstlers Karl Friedrich Schinkel zufolge wurden zahlreiche Architekturteile und Bauplastik im Gussverfahren hergestellt. Die Oberfläche der Gussstücke wurde so behandelt, dass sie für unterschiedlichste Materialien stand. Skulpturen aus Zinkguss zum Beispiel wurden bronzesichtig oder steinsichtig beschichtet. Die Büste der Museen stammt aus der Berliner Bildgießerei Gladenbeck, die den Shakespeare-Kopf um 1900 in fünf Größen anbot.

Die Reinigung dieser Shakespeare-Büste wurde zunächst mit alkoholischen Lösungsmitteln vorgenommen. Somit wurde Schmutz gebunden und gegen die Härte der Korrosionsschicht gearbeitet. Ein Bad darin wäre der Skulptur allerdings nicht gut bekommen, da das Reinigungsmittel durch winzigste Löcher eindringen könnte und damit auch Schmutz und Korrosion nach innen transportieren würde.

Restauratorin Marion Adam entfernte die Korrosionsschicht auf der Verkupferung nach Auftragen des Lösungsmittels mit einem Skalpell. Anhand der Arbeitsgeräusche des Skalpells auf dem Material kann sie auch akustisch einschätzen, ob die Korrosionsschicht entfernt wurde, ohne die Verkupferung weiter zu schädigen.

 

 

Entstanden war die Lochfraßkorrosion durch das Auflösen des unedleren Zinks zugunsten des edleren Kupfers unter Einwirkung von hoher Luftfeuchtigkeit, das korrodierte Zink diffundiert nach außen. Nach Abschluss der über 80stündigen Reinigungsarbeiten, wurde eine Versiegelung aufgetragen, um einer bald wieder zu erwartenden Diffusion (Durchdringung) entgegen zu wirken, wodurch die Bronzesichtigkeit länger erhalten bleibt.

Einen würdigen Platz fand die Büste im Rahmen eines Shakespeare-Projektes in der ständigen Ausstellung „Meiningen – Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth“ finden. Im Raum #callingshakespeare können die Besucher*innen Wesentliches über den wohl berühmtesten Dramatiker der Welt erfahren. Ein mögliches Aha-Erlebnis dabei ist: So zeitlos Shakespeares Werke auch sind, so wenig Privates ist über ihren Autor bekannt. Die Gladenbeck-Büste spielt hierbei eine zentrale Rolle. Zwar stellt sie ein Detail der 1741 aufgestellten lebensgroßen Statue in der Londoner Westminster Abbey dar. Doch tatsächlich weiß niemand, wie Shakespeare wirklich aussah.

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