Georg II. von Sachsen-Meiningen:
Ein fürstlicher Gestalter
Ein fürstlicher Gestalter
Anlässlich seines 200. Geburtstags zeigt sie das Leben des „Fürstlichen Gestalters“. Die Ausstellung beleuchtet zudem die Voraussetzungen, die ihn zu dem außergewöhnlichen Theatermacher werden ließen, der er war.
ORT Schloss Elisabethenburg, 3. OG
Die Ausstellung vereint zentrale Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und historische Dokumente, die das Leben und Wirken Georgs II. sowie die Entwicklung des Meininger Hoftheaters anschaulich machen. Neben Schlüsselwerken von Künstlern wie Samuel Diez, Carl Hummel und Franz von Lenbach zeigt sie ausgewählte Porträts und Inszenierungen, die den „Theaterherzog“ als Künstlerfürst und Theaterreformer greifbar werden lassen. Ergänzt durch originale Kostüme und persönliche Objekte eröffnet die Präsentation einen kompakten, zugleich facettenreichen Blick auf Georgs II. kulturelles Vermächtnis.
Die groß angelegte Sonderausstellung besteht aus drei Teilen. Sie widmen sich erstens dem Leben Georgs II. und zweitens seinen Stellschrauben als Landesherr, der Kunst und dem Theater. Der dritte Teil verbindet diese Themen – mit Bildern des Herzogs, inszeniert und tot, bildet er das Scharnier auch zu den historischen Salons und dem Marmorsaal in Schloss Elisabethenburg.
Der erste Teil zeichnet das immerhin 88 Jahre währende Leben Georgs II. nach, gegliedert durch Herkunft und Ausbildung sowie durch seine drei Ehen. Er war mit der preußischen Prinzessin Charlotte (1831–1855) verheiratet und danach mit Feodora zu Hohenlohe-Langenburg (1839–1872), deren Mutter die Halbschwester Queen Victorias war. Beide Verbindungen zeigen die Vernetzung Sachsen-Meiningens im Geflecht der europäischen Großmächte. Georgs dritte Ehe-frau wurde Ellen Franz (1839–1923), Schauspielerin und spätere Freifrau von Heldburg. Auf ästhetischem Gebiet war sie Partnerin auf Augenhöhe, die gemeinsam mit Ludwig Chronegk (1837–1891) – zunächst Schauspieler, dann Regisseur und schließlich Intendant – die Vorstel-lungen des Herzogs in die Praxis der Bühne übersetzte. Gemeinsam formte sie das Hoftheater um, das mit seinen 2.877 Gastspielen zwischen 1874 und 1890 eine große internationale Bekannt-heit erlangte.
Das Rückgrat dieser biografischen Erzählung bilden Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien. Gespickt mit einem Zeitstrahl und lebendigen Zitaten bringt dieser Ansatz die historische Figur einem breiten Publikum nahe. Höhepunkte sind das Gemälde von Georgs Mutter Marie, gemalt von seiner Großmutter Kurfürstin Auguste von Hessen-Kassel (Leihgabe aus Privatbesitz), die von Samuel Diez geschaffenen Kinder- und Jugendbildnisse der Erbprinzen Georg sowie Kunstwerke, die mit zwei Sommervillen – und zwei Ehefrauen – verknüpft sind: Die Ansicht der „Villa Carlotta“ am Comer See von Carl Hummel sowie Kartons für die Wandfresken der „Villa Feodora“ in Bad Liebenstein nach Entwürfen von Ludwig Richtig.
Der zweite Teil fragt nach den Voraussetzungen, die den Meininger Herzog zum außergewöhn-lichen Theatermacher werden ließen. Dies waren zum einen die Stellschrauben, die Herzog Georg II. als Souverän im Kaiserreich bewegen konnte. Seine politischen Handlungsspielräume waren auf die Innen-, Bildungs- und Kulturpolitik beschränkt, hier jedoch besaß er große Frei-heit, die Ressourcen des Landes entsprechend zu steuern. Zum anderen war dies sein gründliches historisches Studium und sein eigenes künstlerisches Denken – die Kunst begleiteten sein Leben. Georgs Zeichentalent war durch eine fundierte Ausbildung gefördert worden, auf zahlreichen Reisen eignete er sich Kennerschaft und Urteilsvermögen an. Künstlerisch war er stets den „Nazarenern“, insbesondere Peter von Cornelius (1783–1867), verpflichtet. Den Maßstab bildete die Kunst der italienischen Früh- und Hochrenaissance, von Fra Angelico und Raffael. Den Höhe-punkt dieses Teils bilden originale Kostüme für die Hoftheater, die nach dem Entwurf des Her-zogs gefertigt worden sind. Modern inszeniert, bilden sie den Übergang in die historischen Wohnräume Georgs II. und der Freifrau von Heldburg, die ebenfalls in die Ausstellung einbezogen werden.
Diese beiden Teile verbindet der mehrmals zu durchquerende Eingangsraum. Hier wird das „Bild des Bärtigen“ aufgegriffen, das vielen insbesondere regionalen Besuchenden vertraut ist: Der rauschende Vollbart Georgs II. stand nach dem Deutsch-Französischen Krieg und am Beginn des Kaiserreichs 1870/71 für Virilität. Bildnisse von Adolf von Hildebrand (1847–1921), Hubert von Herkomer (1849–1914) oder Hanns Fechner (1860–1931) zeigen, wie Georg sein „Image“ bis ins hohe Alter kultiviert hat. Hervorzuheben sind sein Dreiviertelporträt von Hans Olde d. Ä. (1855–1917), ursprünglich für die Aula der Jenaer Universität (Leihgabe der Kustodie der Friedrich Schiller-Universität), das menschlich eindrucksvolle Altersporträt von Georgs Künstler-Sohn Ernst (1859–1941), eine Neuerwerbung der Meininger Museen. Nach der Jahrhundertwende, als sich die Mode komplett gewandelt (man denke an Kaiser Wilhelm II.), war Georgs Erscheinungs-bild ein Relikt der alten Zeit. Man mag es als Positionierung seines kulturellen Konservatismus gegenüber dem Wilhelminischen Militarismus lesen, einer konservativen Haltung, die bei Georg freilich immer mit internationaler Orientierung einher ging.
Als Ernst von Sachsen-Meiningen 1926 das Porträt seines Vaters als agiler Visionär für das Foyer des Meininger Theaters schuf – ein verwandtes Brustbild wird ebenfalls in der Ausstellung gezeigt –, diente es der retrospektiven Inszenierung des „Theaterherzogs“. Dazwischen lagen der Tod – und mit Krieg, Revolution und Republik ein Epochenbruch. Es ist eine bewusst gewählte Spannung, gegenüber den verschiedenen „Bildern des Bärtigen“ Begräbnis des Herzogs am 28. Juni 1914 zu thematisieren, dem Tag des Attentats von Sarajewo, welches den 1. Weltkrieg aus-lösen sollte. Ein erstmals gezeigtes Totenbildnis sowie der erste Abguss einer Totenmaske, in dem sich einige Barthaare erhalten haben, kontrastieren die schon zu Lebzeiten gewollte Inszenierung des „ewigen Bilds“ mit dem Ende des Lebens.