Schloss Elisabethenburg
Barocke Residenz und
kulturelles Herz Meiningens.
Barocke Residenz und
kulturelles Herz Meiningens.
Schloss Elisabethenburg wurde zwischen 1682 und 1692 als barockes Residenzschloss des Herzogtums Sachsen-Meiningen erbaut. Es diente bedeutenden Persönlichkeiten wie dem Sammler Anton Ulrich, der Regentin Charlotte Amalie und Adelheid, der späteren Königin von England, als Wohnsitz. Im Laufe der Zeit waren hier Gäste wie Friedrich Schiller, Königin Victoria von Großbritannien und Johannes Brahms zu Besuch. Durch Veränderungen über die Jahrhunderte vereint das Schloss heute Stile des Barock, Klassizismus und Historismus.
Zu sehen sind die historischen Wohnräume der herzoglichen Familie, insbesondere die im historistischen Stil gestalteten Räume des „Theaterherzogs“ Georg II. Ergänzt wird die Ausstellung durch Möbel, Porzellan, Gemälde sowie Kunstwerke von der Frühen Renaissance bis ins 19. Jahrhundert. Auch Musikinstrumente und Exponate bedeutender Musiker sind Teil der Präsentation. Abgerundet wird die Austellung durch die Sonderschau "Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen: Ein fürstlicher Gestalter".
Von 1682 bis 1692 unter Bernhard I. erbaut, diente Schloss Elisabethenburg als Residenz des Herzogtums Sachsen-Meiningen. Das ursprünglich barocke Wasserschloss wuchs über Jahrhunderte zu einem Ensemble aus Barock, Klassizismus und Historismus heran.
Neben Persönlichkeiten wie Königin Adelaide oder dem „Theaterherzog“ Georg II. beherbergte es Gäste wie Königin Victoria, Schiller und Brahms. Nach dem Ende der Monarchie 1918 und dem Übergang in Staatsbesitz nach 1945 gehört es heute der Stadt. Als Sitz der Meininger Museen ist das Schloss heute ein bedeutendes Kulturdenkmal, das unter der Schirmherrschaft der Kulturstiftung Meiningen-Eisenach die Brücke zwischen herzoglicher Pracht und moderner Museumsarbeit schlägt.
An der Stelle des heutigen Schlosses Elisabethenburg befand sich etwa ab 1000 n. Chr. bereits eine Burg. Sie gehörte zum Bistum bzw. Hochstift Würzburg. 1432 zerstörten Meininger Bürger die Burg. Von 1509 bis 1511 ließ Bischof Lorenz von Bibra die Anlage im Stil der Renaissance wieder aufbauen. Nach ihm ist heute der Bibra-Bau, der Nordflügel des Schlosses, benannt.
Mit der Gründung des Herzogtums Sachsen-Meiningen im Jahr 1680 wurde die Wasserburg von 1511 zur Residenz des ersten Herzogs, Bernhard I. Da die alte Anlage den repräsentativen Ansprüchen eines barocken Fürstenhofs nicht genügte, ließ er sie bis auf den heute noch bestehenden Bibra-Bau abreißen. An ihrer Stelle entstand zwischen 1682 und 1692 ein moderner Schlossbau, der als funktionales und herrschaftliches Zentrum des neuen Staates konzipiert war. Den Namen Elisabethenburg wählte Bernhard I. zu Ehren seiner zweiten Gemahlin, Elisabeth Eleonore von Braunschweig-Wolfenbüttel, wobei die Endung gleichzeitig an die jahrhundertealte Burgtradition des Ortes anknüpfte.
Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich das Äußere und Innere des Schlosses durch verschiedene Umbauten. Das Wasser um das Schloss verschwand und der barocke Schlosspark wandelte sich in einen englischen Landschaftspark. Die ursprünglichen barocken Räume wurden im Laufe der Zeit dem jeweiligen Modegeschmack angepasst und im Stil des Klassizismus oder Historismus modernisiert. Auch das Äußere des Schlosses wurde mehrfach verändert, zum Beispiel durch die Aufstockung des Rundbaus, in dem Verwaltung und Küche untergebracht waren.
Die Residenzgeschichte Sachsen-Meiningens beginnt mit der Landesteilung von 1680 nach dem Tod von Ernst I. von Sachsen-Gotha. Dabei entstand das eigenständige Herzogtum Sachsen-Meiningen, das Bernhard I. von Sachsen-Meiningen als dritter Sohn erhielt. Er verlegte seine Residenz nach Meiningen und ließ anstelle der alten Wasserburg das barocke Schloss Elisabethenburg (1682–1692) errichten, das zum politischen und kulturellen Zentrum wurde.
Unter den folgenden Herzögen und Herzoginnen entwickelte sich die Residenz weiter. Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen förderte Kunst und sammelte. Charlotte Amalie von Hessen-Philippsthal und Louise Eleonore von Hohenlohe-Langenburg sicherten als Regentinnen die Stabilität des Herzogtums, während Georg I. von Sachsen-Meiningen Reformen im Sinne der Aufklärung vorantrieb.
Im 19. Jahrhundert wurde Meiningen zu einem bedeutenden Kulturzentrum. Unter Bernhard II. von Sachsen-Meiningen entwickelte sich das Theaterwesen, das unter Georg II. von Sachsen-Meiningen („Theaterherzog“) seine Blüte erreichte und europaweit Maßstäbe setzte. Auch die Meininger Hofkapelle zählte zu den führenden Orchestern Europas.
Die Residenz zog zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten an, darunter Friedrich Schiller, Johannes Brahms, Richard Wagner und Franz Liszt. Zudem wurde die Meininger Prinzessin Adelaide durch Heirat britische Königin. Der Hof empfing hochrangige Gäste wie Königin Victoria von Großbritannien, was die internationale Bedeutung unterstreicht.
Mit Bernhard III. von Sachsen-Meiningen endete 1918 infolge der Novemberrevolution die monarchische Residenzgeschichte. Das Herzogtum ging im Land Thüringen auf, und Schloss Elisabethenburg wurde staatlich bzw. später städtisch genutzt. Heute erinnern das Schloss und das darin befindliche Museum an die bedeutende Residenzgeschichte Sachsen-Meiningens, die besonders Kunst und Theater nachhaltig prägte.
Die Kunstsammlungen der heutigen Meininger Museen sind im Wesentlichen aus drei verschiedenen Sammlungskontexten hervorgegangen:
Herzoglichen Sammlungen
Kunst und Kunsthandwerk, das von den Meininger Herzogen seit 1680 erworben wurde. Besonders prägend waren als Sammler dabei Anton Ulrich (1677-1763) und Georg II. (1826-1914)
Hennebergisch-Altertumsforschenden Vereins
Beständen aus der eher regional verorteten Kunst fokussierten Hennebergisch-Altertumsforschenden Vereins. Die treibende Kraft war hier der in Meiningen aktive Märchensammler und Archivar Ludwig Bechstein.
Sammlung der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik
Eine breite Sammlung von Kunst, die während der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik, also 1949-1990, entstanden ist und bei aller Heterogenität als kulturhistorische Einheit betrachtet werden kann.
Die Sammlungen haben eine überaus wechselhafte Vergangenheit erlebt. Persönliche Vorlieben der herzoglichen Familie wechseln ebenso schnell wie die wirtschaftlichen Zwänge in einem Herzogtum, das stets mehr darstellen möchte als mitunter wirtschaftlich vernünftig ist. Verkäufe und Neuerwerbungen gehen dabei Hand in Hand. Und sein großes Ziel einer Meininger Malerschule muss Herzog Georg II. schließlich ebenso aufgeben wie später den Bau einer Brahms-Konzerthalle mit angeschlossenem Konservatorium.
Totalverluste sind aus der Zeit der Besatzungsmächte 1945/46 zu beklagen. Die herzogliche Privatbibliothek ist bis heute verschollen. Dann kommt es zu rechtswidrigen Enteignungen und Jahrzehnte später zur Restitution an die Nachfahren des herzoglichen Hauses: die sog. „Gütliche Einigung“ von 2004 und der damit verbundene Verlust von ganzen Sammlungsbereichen ist bis heute schmerzlich spürbar. Dennoch verfügen die Meininger Museen immer noch über eine der umfangreichsten und qualitätsvollsten Kunstsammlungen in Mitteldeutschland.
Mit der Gründung des Herzogtums Sachsen-Meiningen im Jahr 1680 begann auch die Musikgeschichte Meiningens. Die Hofkapelle war Teil der Repräsentation, wurde aber auch für die Kirchenmusik eingesetzt. Außerhalb des Herzogtums erlangte die Hofkapelle Ansehen und Anerkennung vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Umfangreiche Tourneen verbreiteten den Ruhm der Kulturstadt Meiningen ebenso, wie es zuvor dem Meininger Schauspiel mit seinen legendären Gastspielen gelungen war.
Die Meininger Musikgeschichte ist eng mit der Entwicklung der 1690 gegründeten Meininger Hofkapelle verbunden. Diese lockte schon früh renommierte Musiker wie Georg Caspar Schürmann (1672/73-1751) oder Johann Ludwig Bach (1677-1731) in die Werrastadt. Unter Schürmann kam es auch zu Aufführungen deutschsprachiger Opern im Schloss Elisabethenburg. Bach genoss hohes Ansehen als Komponist von Kirchenmusik.
Eine besondere Blüte erlebte das Orchester ab 1880. Unter Hans von Bülow als Intendant und Kapellmeister erlangte die Hofkapelle europäische Bedeutung. Insbesondere seine Interpretationen des klassisch-romantischen Orchesterrepertoires waren legendär. Zudem verstand er es, in intensiven Proben dem Orchester eine ganz eigene Klangkultur zu geben. In ausgedehnten Tourneen verbreitete sich schnell der Ruf der Meininger Hofkapelle als eines der besten Orchester Europas. Hans von Bülow ist es auch zu verdanken, dass Musiker wie Franz Liszt und Johannes Brahms in Meiningen gearbeitet haben. Seine Nachfolger als Kapellmeister, der junge Richard Strauss, Fritz Steinbach, Wilhelm Berger und schließlich Max Reger konnten daran anknüpfen und eigene Akzente setzen. Bis heute zählt die Meininger Hofkapelle zu den wichtigsten Orchestern in Mitteldeutschland.
Die Meininger Museen vereinen heute zuvor verstreute Musiksammlungen unterschiedlicher Provenienz. Dazu zählen die wertvollen Aufführungsmaterialien der Meininger Hofkapelle ab ca. 1830 und die Archivalien des Henneberger Sängerbundes. Vom Hennebergisch-Altertumsforschenden Verein gelangten bedeutende Musikinstrumente in die Sammlung, wo sie in der Dauerausstellung heute auch klanglich zu erleben sind.
Für die Musikgeschichte und Forschung hochbedeutend ist die von Herzog Anton Ulrich (1677-1763) zusammengestellte Sammlung von barocker Vokalmusik Wiener Provenienz um 1730. Die Kollektion umfasst gewissermaßen die Erfolgsstücke der damaligen Habsburger Hofmusik aus den Bereichen Oper, Oratorium, Kantate und Serenade. Enthalten sind u. a. Kompositionen von Antonio Caldara, Johann Joseph Fux und Francesco Conti, darunter rund 90 Unikate.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gelang es, das 1920 von Elsa Reger in Jena gegründete und inzwischen in Weimar beheimatete Max-Reger-Archiv nach Meiningen zu holen. Neben 26 nachweisbaren Notenautographen von Regers Hand enthält es zahlreiche Erstdrucke mit handschriftlichen Eintragungen Regers sowie über 50 Dirigierpartituren aus seiner Meininger Amtszeit als Kapellmeister (1911-1914). Bemerkenswert sind darüber hinaus die Korrespondenz mit prominenten Zeitgenossen und persönliche Dokumente wie Urkunden, Postausgangsbücher oder die von Elsa Reger geführten Konzertkalender. Eindrucksvoll sind das historische Mobiliar aus Regers Arbeits- und Wohnzimmer und seine Hausorgel.
Weitere Preziosen der Meininger Musiksammlungen sind der Nachlass von Regers Vorgänger Wilhelm Berger, der auch als Komponist reüssierte, sowie Dokumente und handschriftliche Briefe u.a. von Richard Wagner, Johannes Brahms, Hans von Bülow und dem „Brahms-Klarinettisten“ Richard Mühlfeld.
Bach wuchs wie sein acht Jahre jüngerer Vetter Johann Sebastian in einem musikalischen Umfeld auf. Bereits 1699 als "Hoboist und Laquay" am Meininger Hof tätig, übernahm Bach im Mai 1703 das Amt als Pageninformator und Kantor. Neben dem Unterricht der Pagen in Religion, Schreiben, Rechnen, Geschichte und höfischer Etikette war er für die Betstunden, die Führung der Kirchenbücher und die sonntägliche Intonierung des Chorals im Gottesdienst verantwortlich. Nach Georg Caspar Schürmanns Weggang aus Meiningen oblag Bach die Verwaltung der Instrumente des Hofes sowie die Komposition von weltlichen Werken, etwa für die Ausgestaltung von Hoffesten in Meiningen und Coburg. 1711 erfolgte die Übernahme des Hofkapellmeister-Amtes.
Johann Sebastian Bach führte 1726 in Leipzig mehrere Kantaten seines Vetters Johann Ludwig auf. Dadurch sind sie uns - im Gegensatz zum größten Teil seines Schaffens – noch heute bekannt. Das eindrucksvollste Werk Johann Ludwig Bachs ist aber zweifellos die Trauermusik auf den 1724 verstorbenen Herzog Ernst Ludwig I. von Sachsen-Coburg-Meiningen.
*getauft 6.2.1677 Thal, begraben 1.5.1731 Meiningen
Der Sohn eines Musikalienhändlers machte schon früh als Komponist von sich reden. 1875 erschienen von ihm Lieder und Klavierwerke im Druck. Von 1878 bis 1884 studierte er an der Königlichen Hochschule zu Berlin bei Ernst Rudorff, Woldemar Bargiel und Friedrich Kiel.
Von 1888 bis 1903 Lehrer am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium und seit 1899 Dirigent der Berliner "Musikalischen Gesellschaft", wurde der Komponist eines umfangreichen Oeuvres 1903 Professor und Mitglied der Königlichen Akademie der Künste sowie Fritz Steinbachs Nachfolger als Hofkapellmeister in Meiningen. Berger verstarb im Alter von nur 49 Jahren.
* 9.8.1861 Boston, † 15.1.1911 Jena
Auf Einladung des Intendanten der Meininger Hofkapelle Hans von Bülow kam Brahms 1881 erstmals nach Meiningen. 13 weitere Aufenthalte sollten folgen, genug für eine intensive Verbindung, die sich künstlerisch auszahlen sollte. Am 3. Februar 1884 dirigierte Brahms im Meiningen die Erstaufführung der 3. Sinfonie op. 90, am 25. Oktober 1885 die Uraufführung seiner e-Moll-Sinfonie op. 98.
Nicht nur Bülow trat leidenschaftlich für die Brahms'schen Werke ein: das Herzogspaar brachte dem Komponisten große Sympathie entgegen. Auch nach Bülows Weggang aus Meiningen 1885 hielt sich der Komponist fast jedes Jahr zu Konzerten, aber auch privat in den Schlössern von Meiningen und Altenstein – einmal sogar am herzoglichen Sommersitz, der Villa Carlotta am Comer See – auf. Die Meininger Hofkapelle blieb sein musikalischer Partner, inzwischen mit dem neuen Hofkapellmeister Fritz Steinbach. Ab März 1891 arbeitete Brahms eng mit dem Meininger Klarinettisten Richard Mühlfeld zusammen, für den er vier Werke schrieb. 1899 wurde im Englischen Garten das weltweit erste Brahms-Denkmal (Bildhauer: Adolf von Hildebrandt) eingeweiht.
*7.5.1833 Hamburg, † 3.4.1897 Wien
Anfänglich von Friedrich Wieck, Clara Schumann und Ignaz Moscheles auf dem Klavier unterrichtet, erhielt Hans von Bülow bei seinen Leipzig-Besuchen Einblick in das dortige Musikleben. Er wurde Vertrauter Richard Wagners und Lieblingsschüler von Franz Liszt. Privat unterrichtete Bülow Ellen Franz, die spätere Helene Freifrau von Heldburg, und Cosima Liszt, die er 1857 heiratete. 1864 berief ihn König Ludwig II. von Bayern nach München, wo er 1867 Hofkapellmeister wurde. Bülow dirigierte die Uraufführungen von "Tristan und Isolde" (10. Juni 1865) und "Die Meistersinger von Nürnberg" (21. Juni 1868).
Nach der Scheidung von seiner Frau begann Bülow ein rastloses Konzertleben, das er erst mit der Anstellung als Hofkapellmeister in Hannover vorübergehend aufgab. Durch Vermittlung von Helene Freifrau von Heldburg 1880 als Intendant der Meininger Hofkapelle engagiert, machte er den Klangkörper zu einem international gefeierten Eliteorchester, das durch Orchester-Tourneen (Schweiz, Holland, Dänemark, England, Böhmen) in Europa berühmt wurde und bleibende Maßstäbe zu setzten wusste.
Bülow steht für die noch heute verbreitete Rolle des Dirigenten als dominante Figur im Orchester. Besessen von Perfektion und Disziplin gelangen ihm Musteraufführungen der schon damals klassischen Werke von Beethovens oder Brahms. Seine unrühmliche Rolle als Erstunterzeichner der sog. Antisemitenpetition brachte ihn in Schwierigkeiten mit seinem Dienstherrn Herzog Georg II.
*8.1.1830 Dresden, † 12.2.1894 Kairo
Der Musikpädagoge mit NS-Vergangenheit hat sich in der Nachkriegszeit um die Meininger Musiksammlungen und die musikgeschichtliche Abteilung verdient gemacht wie kaum ein anderer. Die Aufnahme des Max-Reger-Archivs aus Weimar gilt als sein Meisterstück. Der zunächst ehrenamtlich tätige Leiter des Reger-Archives und der musikwissenschaftlichen Abteilung wurde ab 1. August 1954 als Kustos im städtischen Museum der Stadt Meiningen eingestellt. Am 7. Oktober 1956 erfolgte die Ernennung zum Ehrenbürger "aus anerkennender Dankbarkeit für seine verdienstvollen Arbeiten zur Sammlung, Erhaltung und Erforschung des Lebenswerkes von Max Reger und anderer namhafter Persönlichkeiten des deutschen Musikschaffens, die in Meiningen tätig waren".
*16.11.1880 Veilsdorf, † 2.4.1959 Meiningen
Der Sohn des Salzunger Stadtmusikus Leonhard Mühlfeld (1819–1876) erhielt früh Instrumentalunterricht (Violine, Klavier, Klarinette). Bereits als Kind und Jugendlicher trat er vor Publikum auf, leitete Proben, arrangierte Stücke und sang im Salzunger Kirchenchor.
1873 erfolgte das Engagement als Geigen-Eleve der Meininger Hofkapelle, mitunter trat er schon damals als Klarinettist auf. Den dreijährigen Militärdienst leistete er als Soloklarinettist in der Regimentskapelle ab. 1879 wurde Mühlfeld offiziell als erster Klarinettist der Hofkapelle engagiert, mit fester Anstellung und Pensionsberechtigung. Daneben spielte er von 1876 bis 1896 im Bayreuther Festspielorchester.
Mit Johannes Brahms kam es zu einer Zusammenarbeit, die sich in dessen Werken mit Klarinette (Klarinettentrio a-Moll op. 114, Klarinettenquintett h-Moll op. 115, 2 Sonaten op. 120) niederschlug. Sie alle erlebten ihre erste Aufführung im Schloss Elisabethenburg. Mühlfeld war zudem als Musikdirektor des Hoftheaters ab März 1888 vertretungsweise sowie ab 1891 offiziell für die Bühnen- und Zwischenaktmusiken des Meininger Hoftheaters zuständig.
*28.2.1856 Salzungen, † 1.6.1907 Meiningen
Gern nimmt Reger die Berufung zum Hofkapellmeister Herzog Georgs II. von Sachsen-Meiningen per 1. Dezember 1911 an. Ganz bewusst tritt er das Erbe Hans von Bülows an und profiliert die Hofkapelle vor allem mit eigenwilligen Interpretationen der Klassiker.
Der tägliche Umgang mit dem qualitätvollen Klangkörper inspirierte Reger zur Komposition von mehr als 20 Orchesterwerken verschiedener Stilrichtungen, darunter das dem Herzog Georg II. gewidmete "Konzert im alten Stil" op. 123, die "Romantische Suite" op. 125 und die "Vier Tonbilder nach A. Böcklin" op. 128.
Das Bestreben, neben der Hofkapellmeistertätigkeit und ambitionierten Tourneeplänen, dem Unterricht am Leipziger Konservatorium auch dem Bild des reisenden Interpreten zu entsprechen, erwies sich als kräfteraubender Spagat. Regelmäßig griff Reger zu Alkohol und Nikotin. Am Ende der dritten Meininger Konzertsaison erlitt er einen körperlichen und seelischen Zusammenbruch, der ihn am 6. April 1914 zur Aufgabe seines Amtes bewog. Sein wohl populärstes Orchesterwerk, die Mozart-Variationen op. 132., widmete er der Meininger Hofkapelle.
*19.3.1873 Brand, † 11.5.1916 Leipzig
Der seit 1693 zunächst als Altist in Hamburg angestellte und von Johann Sigismund Kusser und Reinhard Keiser beeinflusste Schürmann trat nach einem Gastspiel am Braunschweiger Hof im Sommer 1697 in den Dienst Herzog Anton Ulrichs. Als Komponist von wirkungsvoller Vokalmusik und Bühnenwerken war er so erfolgreich, dass der braunschweigische Herzog seinem Kapellmeister Schürmann 1701 eine Studienreise nach Venedig bewilligte.
Auf Grund der engen dynastischen Beziehungen zwischen beiden Höfen wurde der inzwischen international erfahrene Künstler um 1702/03 in Meiningen tätig. Von den hier entstandenen Kirchenkantaten, Opern und Balletten sind nur Bruchteile überliefert, darunter drei Pfingstkantaten (komponiert 1705) sowie Einzelsätze aus den Singspielen "Leonilde" (1704) und "Das zerstörte Troja" (1706). Im Jahr nach dem Tod Herzog Bernhards I. (April 1706) und der Heirat mit Sophie Charlotte Cesar (Mai 1706, der Schwester des späteren Herzogs Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen) kehrte Schürmann an den Hof von Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel zurück, wobei er nach seinem Weggang mindestens ein weiteres Mal für den Meininger Hof tätig wird.
*1672 (oder Anfang 1673) Idensen bei Hannover, † 25.2.1751 Wolfenbüttel
Nach Studien am Leipziger Konservatorium sowie bei Gustav Nottebohm etablierte sich Fritz Steinbach ab ca. 1879 zunehmend als Dirigent. Nach einer ersten Anstellung als 2. Kapellmeister in Mainz wurde er 1886 Meininger Hofkapellmeisters. Ihm gelang es, die von Bülow erarbeitete Stellung der Brahms'schen Werke in der Konzertkultur noch auszubauen. Die von ihm initiierten Landesmusikfeste 1895 und 1899 ließen Meiningen zu einem Mekka der Brahms-Kenner und -Liebhaber werden. An der Errichtung des ersten Brahms-Denkmals im Oktober 1899 war er wesentlich beteiligt. Prägend für seine Amtszeit wurden auch große chorsinfonische Konzerte unter Einbeziehung von Ensembles aus dem gesamten Herzogtum. So leitete er z. B. die Meininger Erstaufführung von Johann Sebastian Bachs "Matthäus-Passion" (1890).
Nachdem die Realisierung seines ambitionierten Planes der Errichtung einer Brahms-Konzerthalle mit angeschlossenem Konservatorium im Englischen Garten nicht gelang, folgte er 1903 dem Ruf an das Kölner Gürzenich-Orchester und wurde zugleich Direktor des Kölner Konservatoriums, wo er u. a. den Komponisten Erwin Schulhoff und den Dirigenten Fritz Busch unterrichtete.
*17.6.1855, † 13.8.1916
Hans von Bülow wurde 1881 auf den Sohn des Münchner Hornisten Franz Strauss aufmerksam. Nach anfänglich negativem Urteil über die Fünf Klavierstücke op. 3 interessierte er sich für die Es-Dur-Serenade op. 7 und nahm diese nach der Aufführung am 26. Dezember 1883 in das Repertoire der Hofkapelle auf. Strauss' Bläsersuite B-Dur op. 4 wurde maßgeblich von der renommierten Meininger Bläsermusik um Richard Mühlfeld inspiriert und unter Leitung des Komponisten am 18. November 1884 uraufgeführt.
Am 4. März fand 1885 in einem "Extra-Concert" die Uraufführung von Strauss' Konzert Nr. 1 für Waldhorn op. 11 mit dem Solisten Gustav Leinhos in Meiningen statt. In der Nachfolge Franz Mannstädts wurde Strauss dann auf Bülows Betreiben zum 1. Oktober 1885 als Kapelldirektor und Bülows Stellvertreter eingestellt. Er debütierte in einem Konzert am 18. Oktober 1885 in Anwesenheit von Johannes Brahms als Pianist von Mozarts Klavierkonzert c-Moll KV 491 sowie als Dirigent von seiner Sinfonie f-Moll op. 12. Nach Bülows Rücktritt am 1. Dezember 1885 stand er an der Spitze der Meininger Hofkapelle.
Lebhaftes Interesse zeigte Strauss während seines halbjährigen Meininger Engagements auch für die Proben und Aufführungen des Meininger Schauspielensembles. Sein Abschiedskonzert von Meiningen war das gemeinsam mit Brahms musizierte Festkonzert zu Ehren des 60. Geburtstages von Herzog Georg II. Noch viel später hat Strauss sich anerkennend über die Meininger Zeit geäußert und sie als für ihn prägend bezeichnet.
*11.6.1864 München, † 8.9.1949 Garmisch