Stadtmuseum im Baumbachhaus
Meiningens
Stadtgeschichte
neu erzählt.
Meiningens
Stadtgeschichte
neu erzählt.
Meiningen blickt auf eine lange Geschichte zurück, die von der ersten Erwähnung im Jahr 982 bis zur Glanzzeit als Residenzstadt ab 1680 reicht. Unter Herzog Georg II. erlangte die Stadt durch ihr Theater europaweit Ruhm, überstand jedoch auch schwere Zeiten wie den Stadtbrand von 1874 und die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Nach der DDR-Ära als Zentrum für Mikroelektronik und der Friedlichen Revolution 1989 präsentiert sich Meiningen heute als lebendige Kulturstadt, die ihre Traditionen modern bewahrt.
Teil der dieser Stadtgeschichte ist das Baumbachhaus. Das Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert wurde durch den Dichter Rudolf Baumbach bekannt und 1937 zum Literaturmuseum. Nach Jahren des Verfalls und einer umfassenden Sanierung in den 1980er Jahren wird es ab 2026 umfassend modernisiert. Zukünftig schlägt es als Stadtmuseum die Brücke zwischen der literarischen Vergangenheit und der gesamten Meininger Geschichte.
Das Baumbachhaus in der Burggasse 22 ist ein lebendiges Zeugnis der Meininger Stadtgeschichte. Erstmals 1738 im Stadtarchiv erwähnt, diente das Gebäude im 18. Jahrhundert vermutlich als Fleischerei. Im Jahr 1816 erwarb der Geheimrat Johannes Hennig das Anwesen. Damit begann die Ära der Familie Baumbach: Hier lebte unter anderem der herzogliche Leibarzt Karl Baumbach sowie sein Sohn, der berühmte Dichter Rudolf Baumbach, der als Verfasser von „Hoch auf dem gelben Wagen“ bis heute bekannt ist.
Nachdem 1920 das letzte Familienmitglied verstorben war, übernahm die Stadt das Haus und stelle es der Rudolf-Baumbach-Gemeinde zur Verfügung. 1937 wurde es als „Heimatmuseum Baumbachhaus“ mit Objekten des Hennebergisch Fränkischen Geschichtsvereins eröffnet. Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg setzten der Bausubstanz jedoch stark zu. Trotz der Nutzung als Wohnhaus und Museum verfiel das Gebäude zusehends, bis es 1980 wegen Baufälligkeit umfassend saniert werden musste.
Zur 1.000-Jahr-Feier Meiningens im Jahr 1982 erstrahlte das Haus als spezialisiertes Literaturmuseum in neuem Glanz. Nach weiteren Dach- und Fassadenarbeiten im Jahr 2003 folgt 2026 die bisher größte Modernisierung. Es entsteht ein modernes Stadtmuseum. Ein neuer Rundgang rückt die gesamte Stadtgeschichte in den Mittelpunkt, ohne dabei sein wertvolles literarisches Erbe zu vergessen.
Die Geschichte Meiningens reicht weit zurück: Erste Spuren führen bis in die Jungsteinzeit. Urkundlich wurde der Ort erstmals 982 erwähnt. Nach Jahrhunderten unter Herrschaft des Bistumes bzw. Hochstift Würzburgs und, der Grafen von Henneberg brachte die Reformation den evangelischen Glauben in die Stadt. Ein entscheidender Wendepunkt folgte 1680: Meiningen wurde Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Meiningen. Mit dem Bau von Schloss Elisabethenburg und der Hofkapelle blühte die Kultur auf – berühmte Gäste wie Friedrich Schiller besuchten die Stadt, und seine Schwester Christophine heiratete nach Meiningen.
Das 19. Jahrhundert war geprägt von Umbrüchen: 1806 trat das Herzogtum unter Napoleon dem Rheinbund bei, bevor es 1871 Teil des Deutschen Kaiserreiches wurde. Meiningen wurde ein Verwaltungs- und Handelszentrum durch Banken und Militär. Weltruhm erlangte Meiningen jedoch durch das Theater unter „Theaterherzog“ Georg II. Trotz glanzvoller Gastspiele gab es auch Rückschläge, wie den verheerenden Stadtbrand 1874 oder die schweren Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg mit 208 Todesopfern.
In der DDR-Zeit wuchs Meiningen zum Zentrum für Mikroelektronik heran, wobei neue Stadtteile wie das Plattenbaugebiet „Jerusalem“ entstanden. 1989 wurde die Stadt zu einem wichtigen Zentrum der Friedlichen Revolution in Südthüringen. Heute präsentiert sich Meiningen als lebendige Kreisstadt, deren Bedeutung 2023 durch den Besuch des Bundespräsidenten erneut unterstrichen wurde.
Der in Kranichfeld bei Weimar geborene Arztsohn verbrachte Kindheit, frühe Jugend und seine letzten zwanzig Lebensjahre in Meiningen. Eine naturwissenschaftliche Laufbahn anstrebend, studierte Baumbach von 1860 bis 1864 entsprechende Disziplinen an den Universitäten Leipzig und Würzburg.
Nach seiner Promotion in Heidelberg wurde er 1864 Assistent am Botanischen Institut Freiburg i. Br. Finanzielle Probleme bereiteten dieser Laufbahn ein Ende, und in den Jahren darauf fand sich Dr. Baumbach als „fahrender Gesell“ – d.h. Privatgelehrter ohne feste Anstellung – auf den Straßen Süddeutschlands und Österreichs wieder. 1870 ließ er sich als Hauslehrer in Triest nieder. Dort engagierte sich der begeisterte Bergwanderer literarisch für den Alpenverein. Auf diesem Umweg wurde sein dichterisches Talent entdeckt. 1877 gelang Baumbach der internationale Durchbruch mit dem Versepos „Zlatorog“.
Im Jahr darauf erschien sein erster Gedichtband „Lieder eines fahrenden Gesellen“, 1880 der erste Prosaband „Sommermärchen“. 1885 kehrte Rudolf Baumbach als freischaffender Autor nach Meiningen zurück. Hier wurde er Mitglied der Künstlerklause und pflegte freundschaftlichen Kontakt mit dem „Theaterherzog“ Georg II. und dessen Frau Helene von Heldburg. 1888 ernannte ihn der Herzog zum Hofrat. 1895 setzte ein Schlaganfall dem literarischen Schaffen Baumbachs ein Ende. Der Dichter verbrachte seine letzten zehn Jahre im Siechtum. Das Grab des Dichters befindet sich auf dem Meininger Parkfriedhof, eine Denkmalbüste neben dem Baumbachhaus.
Rudolf Baumbach zählte mit seinen vorwiegend heiter-burschikosen Gedichten, seinen Erzählungen und Versepen zu den Modedichtern der Kaiserzeit vor dem 1. Weltkrieg. Heute sind im deutschsprachigen Raum neben „Hoch auf dem gelben Wagen“ von ihm nur noch wenige, ebenfalls volksliedhaft vertonte, Texte populär, z.B. „Die Lindenwirtin“. In Slowenien kennt man Baumbachs Versepos „Zlatorog“ in der landessprachlichen Nachdichtung durch Anton Funtek.
Ludwig Bechstein kam unehelich in Weimar zur Welt und wuchs dort bei Pflegemüttern auf. 1810 nahm ihn der entfernt verwandte Meininger Forstwissenschaftler Johann Matthäus Bechstein zu sich. Nach vorzeitigem Verlassen des hiesigen Lyceums nahm Bechstein eine Apothekerlehre in Arnstadt auf, die er 1822 mit der Gehilfenprüfung abschloss. In jener Zeit entstanden erste literarische Arbeiten, 1823 erschien sein erstes Buch „Thüringische Volksmährchen“. In den Folgejahren war Bechstein an Apotheken in Meiningen und Salzungen tätig.
1828 wurde Herzog Bernhard II. Erich Freund von Sachsen-Meiningen auf den literarisch begabten Untertanen aufmerksam. Er ermöglichte Bechstein von 1829 bis 1831 Studien der Philosophie, Geschichte, Literatur und Kunst in Leipzig und München. Anschließend war Bechstein als herzoglicher Bibliothekar und Archivar bis zu seinem Tod in Meiningen angestellt. Diese berufliche Position begünstigte seine literarischen und wissenschaftlichen Vorhaben, in deren Mittelpunkt die Regionalgeschichte stand. In den folgenden Jahrzehnten publizierte Bechstein eine Vielzahl von belletristischen (Gedichte, Versepen, Erzählungen, Romane) und wissenschaftlichen Werken mit historischen Stoffen.
Zum Zwecke der Forschungs- und Sammlungstätigkeit gründete der Polyhistor 1832 in Meiningen den „Hennebergischen alterthumsforschenden Verein“, dessen Direktor er bis zu seinem Tod blieb. Neben weiteren Sagenbänden publizierte Bechstein 1853 sein Hauptwerk auf diesem Gebiet: das „Deutsche Sagenbuch“. Der über 800 Seiten starke Band enthält 1000 Sagen aus dem gesamten damaligen deutschsprachigen Raum. Noch erfolgreicher wurde „Ludwig Bechsteins Märchenbuch“. Seit der Erstausgabe 1845, damals noch unter dem Titel „Deutsches Märchenbuch“, wurde es bis heute immer wieder aufgelegt, seit 1857 mit den beliebten Holzschnitten nach Zeichnungen von Ludwig Richter.
Im Stadtbild erinnert heute der Bechstein-Märchenbrunnen, das einstige Wohnhaus mit Gedenktafel und seine Grabstätte
Der zu Lebzeiten besonders bei der weiblichen Leserschaft äußerst beliebte Prosaautor kam im Mai 1801 nach Meiningen. Hier genoss er sein junges, spätes Eheglück und schrieb an seinem „Kardinalroman“, dem „Titan“. Hier verband den eigenwilligen Schriftsteller ein freundschaftliches Verhältnis mit Herzog Georg I. Dieser wollte Jean Paul lebenslang an seine kleine Residenz binden. Doch schon im Juni 1803 übersiedelte die „ewige Wanderratte“ nach Coburg. Jean Paul hatte in Meiningen eine Stadt mit den für ihn wichtigen „drei B“ – Bücher, Berge, Bier – gesucht.
Während ihm die hiesigen Parkanlagen sowie die schöne Umgebung gefielen und sich in seinen Werken wiederfinden, stellten ihn die anderen zwei B hier nicht zufrieden: Bier ließ Jean Paul fassweise aus Bayreuth anliefern und Meiningen bezeichnete er als „brückenarme Stadt, wo man die Philosophie nur aus der Buchhändlerrechnung kennt“. An den Aufenthalt Jean Pauls in Meiningen erinnert eine Tafel an der Stelle seines einstigen Wohnhauses (Georgstraße 17a) sowie ein Denkmal im Englischen Garten.
Der neben Goethe berühmteste Vertreter der deutschen Nationalliteratur verbrachte eine kurze, aber für seine weitere Entwicklung bedeutsame Zeit im Meininger Land. Am 7. Dezember 1782 traf Schiller als württembergischer Deserteur auf der Flucht in Meiningen ein. Im hiesigen Gasthof „Zum Hirsch“ am Marktplatz kam es zu der folgenreichen Begegnung mit dem Meininger Hofbibliothekar Wilhelm Reinwald. Von hier aus führte der Weg des Flüchtlings ins nahe gelegene Dorf Bauerbach, wo ihm die Gutsherrin Henriette von Wolzogen Asyl gewährte.
Während seines gut halbjährigen Aufenthaltes dort schrieb Schiller das Drama „Kabale und Liebe“, bearbeitete sein Bühnenstück „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ und notierte einen ersten Entwurf des viel später vollendeten „Don Carlos“. Außerdem fand der junge Dichter in der Bauerbacher Einsamkeit Zeit für historische Studien. So reifte der bisherige Stürmer und Dränger ein Stück in Richtung auf den späteren Klassiker. Im Juli 1783 verließ Schiller sein Asyl, um am Mannheimer Theater ein Fortkommen zu suchen.
Carl Friedrich August Mosengeil war ein deutscher Stenograf, der als einer der Erfinder der deutschen Kurzschrift gilt. Er wurde am 26. März 1773 in Schönau/ Hörsel bei Eisenach in einem Pfarrhaus geboren. 1782 berief der Meininger Herzog seinen Vater als Ephorus nach Frauenbreitungen, wo die Familie Mosengeil fortan lebte. Zu jener Zeit lernte der Knabe Friedrich den vier Jahre älteren Ernst Wagner kennen, mit dem er alsbald freundschaftliche Bande knüpfte.
Nach dem Abitur, welches Mosengeil am Meininger Gymnasium ablegte, studierte er Theologie in Jena. Danach wirkte Mosengeil als Lehrer an der Zillbacher Forstschule, die unter Leitung des später namhaften Heinrich Cotta (1763-1844) stand. 1805 wurde er Erzieher des fünfjährigen Erbprinzen Bernhard Erich Freund von Sachsen-Meiningen. Der studierte Theologe entfaltete in den folgenden zwei Jahrzehnten eine rege Belletristik, ohne auf diesem Gebiete Bleibendes zu schaffen. Im Herzogtum Sachsen-Meiningen machte er sich durch das Verfassen von Schulbüchern verdient.
Überregionale Bedeutung erlangte Friedrich Mosengeil als Erfinder einer deutschen Kurzschrift. 1796, also noch während der Zillbacher Zeit, erschien in Eisenach sein Buch „Stenographie, die Kunst, mit der höchstmöglichsten Geschwindigkeit und Kürze in einfachen, vor allen anderen Schriftzügen völlig verschiedene Zeichen zu schreiben.“ 1819 kam in Jena das umfangreichere „Lehrbuch der teutschen Stenographie“ von Friedrich Mosengeil heraus. Sein ehemaliges Wohnhaus liegt heute schräg gegenüber des Baumbachhauses.
Ernst Wagner wurde am 2. Februar 1769 in Roßdorf als Sohn des dortigen Pfarrers geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaft in Jena bekam er in seinem Heimatort eine Stelle als Gutsverwalter und Privatsekretär des Freiherrn v. Wechmar. 1802 berief ihn Georg I. von Sachsen-Meiningen in seine Residenz. Da der Herzog 1803 überraschend starb, war beim Amtsantritt Wagners 1804 nun Bernhard II. neuer Regent. Unter ihm war Wagner als Bibliothekar und Kabinettsekretär tätig. Daneben engagierte er sich für das Liebhabertheater am Meininger Hof und die hiesige Hofkapelle. 1805 erschien sein erster erfolgreicher Roman Wilibalds Ansichten des Lebens. In den nächsten Jahren schuf er weitere Prosabände und wurde zu einem viel gelesenen Romanschriftsteller seiner Zeit. 1812 starb Ernst Wagner infolge einer schweren Krankheit.
Zu den Förderern Wagners zählte kein Geringerer als Jean Paul. Sein fast lebenslanger Freund Friedrich Mosengeil, der ebenfalls literarisch tätig war, gab 1827 Ernst Wagners gesammelte Werke in zwölf Bänden heraus. Einer seiner drei Söhne war der bekannte Landschaftsmaler Carl Wagner.
Ernst Adolf Schaubach kam am 30. Januar 1800 in Meiningen zur Welt. Da sein Vater Erster Lehrer am hiesigen Lyzeum war, konnte die Familie im Hauptgebäude der alten städtischen Schule hinter der Marktkirche wohnen (Der Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert wurde 1848 abgerissen.). Nach Abschluss des Gymnasiums begann Schaubach 1819 ein Studium der Theologie in Göttingen, das er 1823 an der Universität Jena beendete. Nach dem Studium kehrte Schaubach als Predigtamtskandidat nach Meiningen zurück.
Angeregt durch Schriften Alexander von Humboldts, J.C.F. GutsMuths und dessen Schülers Karl Ritter brach Schaubach zu seiner ersten Alpenreise auf. Ermuntert von Bekannten wie dem namhaften Geografen Karl Ritter, reifte in Ernst Adolf Schaubach der Plan, seine Alpenerfahrung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Er begann, zu den bereisten Gegenden und erstiegenen Gebirgen geologische, geografische, meteorologische, hydrologische, statistische, historische und volkskundliche Daten zu sammeln. Zwischen 1845 und 1847 erschien dann in Jena beim Verlag Friedrich Frommann in fünf Bänden sein literarisches Hauptwerk „Die Deutschen Alpen“. Nach zwei Schlaganfällen im Jahr 1849 erlag Schaubach 1850 an dessen Folgen.
Eine 1900 an Schaubach erinnernde Gedenktafel hängt am ehemaligen Gymnasium Bernhardinum und eine nach ihm benannte im Jahr 1910 errichtete Wander- und Aussichtshütte steht im Meininger Stadtwald, von der sich eine gute Aussicht auf den Norden und Osten der Stadt bietet.
Gustav Strupp wurde 1851 als ältestes Kind einer wohlhabenden jüdischen Familie in Dreißigacker, einem heutigen Stadtteil von Meiningen, geboren. Die Familie Strupp gründete 1715 in Meiningen das Handelsunternehmen I. M. Strupp mit dem Schwerpunkt Getreidehandel. 1857 wurde Gustav in die Meininger Knabenschule eingeschult und wechselte 1861, nachdem im selben Jahr die Familie nach Meiningen zog, an das Gymnasium Bernhardinum. Dort absolvierte er 1868 das Abitur. Die Berechtigung für ein Studium an einer führenden Universität erwarb er sich anschließend nach einem weiteren Jahr am Gymnasium in Eisenach.
Zunächst verhinderte der Krieg sein geplantes Studium für Rechtswissenschaften, nach diesem musste er sich wegen seines schwer erkrankten Vaters dem Bankgeschäft widmen und trat 1872 in das Bankhaus Molonear in Berlin-Lichterfelde ein. Als sein Vater Mayer Strupp im Dezember 1873 starb, kehrte Gustav nach Meiningen zurück, nachdem er den Doktortitel für Rechte an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin für 300 Mark erworben hatte. Gemeinsam mit seinem Onkel Anselm Strupp und seiner Mutter Ida führte er das Bankhaus B. M. Strupp Meiningen mit Filialen in Gotha und Salzungen weiter.
1905 wandelte Dr. Gustav Strupp gemeinsam mit seinen Brüdern Meinhard Strupp und Louis Strupp das Bankhaus B. M. Strupp in die Aktiengesellschaft Bank für Thüringen um, die er als Aufsichtsratsvorsitzender bis 1918 führte. Architekt Karl Behlert errichtete von 1906 bis 1908 für die Bank ein neues Gebäude in der Leipziger Straße. Zu großem Reichtum gelangt, gründete Gustav Strupp daraufhin gemeinsam mit seiner Frau Fanny mehrere Stiftungen, die der ärmeren Bevölkerung und den Kindern im Herzogtum Sachsen-Meiningen zugutekamen. Das Ehepaar leistete weiterhin zahlreiche Spenden für das Gemeinwohl. Gustav Strupp fand seine letzte Ruhestätte auf dem Jüdischen Friedhof in Meiningen.
Karl Behlert gehörte im 20. Jahrhundert zu den meistbeschäftigten Architekten Thüringens. Seine Bauwerke sind bis heute im Raum Meiningen allgegenwärtig. Karl Behlert kam in Meiningen zur Welt, machte eine Maurerlehre und arbeitete anschließend als Bauführer im Hofbaubüro des Herzogtums Sachsen-Meiningen. 1890/1891 studierte er für maximal drei Semester Architektur in Berlin.
Nach Meiningen zurückgekehrt, wurde er als Nachfolger von Albert Neumeister Hofbaumeister und Leiter des Hofbaubüros, dieses Amt übte er bis 1918 aus. 1901 unternahm er eine Studienreise nach England und Schottland. 1909 wurde er anlässlich der Einweihung des neuen Hoftheaters zum Hofbaurat ernannt. Bis 1918 war Behlert Hofbaumeister und Leiter des Hofbaubüros und 1909 wurde er anlässlich der Einweihung des neuen Hoftheaters zum Hofbaurat ernannt.
Zu seinen Bauwerken in Meiningen zählen z.B. das Gebäude der Bank für Thüringen, das Meininger Hoftheater, die Struppsche Villa und das Volkshaus. Daneben war Behlert als freischaffender Architekt aktiv. Neben den mehr als 50 erbauten Privathäusern errichtete Karl Behlert viele unter Denkmalschutz stehende Bauwerke.
Am 19. Oktober 1796 wurde der Maler und Radierer Carl Wagner, Sohn des Dichters Johann Ernst Wagner, in Roßdorf geboren. Er verlebte hier die ersten acht Jahre seines Lebens. 1804 übersiedelte die Familie nach Meiningen, der Residenzstadt von Sachsen-Meiningen.
Von 1813 bis 1816 studierte er an der Forstakademie Dreißigacker und besuchte die Forstakademie Tharandt. Von 1817 bis 1820 absolvierte Wagner ein Studium für Malerei an der Dresdner Kunstakademie. Von 1822 bis 1825 nutzte er einen Italienaufenthalt zur künstlerischen Vervollkommnung. Immer wieder sollte er später nach Tirol und in die Schweiz reisen, um alpine landschaftliche Impressionen einzufangen. 1825 erfolgte die Ernennung zum Hofmaler und Galerie-Inspektor am herzoglichen Hof in Meiningen. Über sein Familienleben ist wenig bekannt, nach schweren Schicksalsschlägen und dem Tod der Gattin und beider Kinder lebte er noch sehr vereinsamt bis zu seinem Tod 1867 in Meiningen.
Wagner gehörte zu den bedeutenden deutschen Landschaftsmalern der Romantik. Er war bekannt mit Ludwig Richter (1803–1884) und Adolf Schaubach. Beeinflusst wurde er unter anderen von Joseph Anton Koch (1768–1839) und Caspar David Friedrich. Teile seines sehr großen Werkbestandes befinden sich heute in der Kunstsammlung der Meininger Museen und sind teils in der Dauerausstellung zu sehen.
Paul Oestreicher wurde als Sohn eines Kinderarztes und einer Sängerin in Meiningen geboren. Aufgrund der jüdischen Abstammung seines Vaters wurde seine Familie 1939 gezwungen, Deutschland zu verlassen. Sie fanden in Neuseeland Asyl, wo er weiterhin aufwuchs. Danach folgte von 1956 bis 1958 eine Ausbildung am Priesterseminar in Lincoln, England, dem sich bis 1959 eine Tätigkeit als Gast-Pfarrvikar in der evangelischen Kirche anschloss. Als überzeugter Pazifist trat er 1959 der britischen Friedensbewegung Campaign for Nuclear Disarmament bei und ist bis heute einer ihrer Vize-Präsidenten. 1961 gehörte Oestreicher zu den Mitbegründern und frühen Gestaltern der internationalen Menschenrechtsorganisation Amnesty International.
Während des Kalten Krieges unterstützte und beschütze Oestreicher zahlreiche Dissidenten in der DDR und Osteuropa. Als unermüdlicher Aktivist für Menschenrechte, den Frieden, eine sozial und gendergerechte Gesellschaft und für das spirituelle Wohlergehen der Menschen, erwarb sich Oestreicher ungezählte Verdienste. Aus Anlass der 1000-Jahr-Feier von Meiningen im Jahr 1982 weilte Oestreicher erstmals wieder in seiner Geburtsstadt, wo er unter Beobachtung der Staatssicherheit, die mindestens neun IMs auf ihn ansetzte, in der Stadtkirche predigte. Seit der Wende besucht er mit seiner Frau regelmäßig die Stadt, mit der er sich nach wie vor eng verbunden fühlt. 1995 wurde Paul Oestreicher Ehrenbürger der Stadt Meiningen. Seinen 80. Geburtstag feierte er in seiner Heimatstadt Meiningen, wo er gemeinsam mit Gunter Demnig Stolpersteine verlegte und von ihm gespendete Bäume pflanzte.
Gorch Fock war ein deutscher Seeschriftsteller mit dem eigentlichen Namen Johann Wilhelm Kinau. Er wurde am 22.August 1880 in Finkenwerder als ältestes von sechs Kindern des Hochseefischers Heinrich Wilhelm Kinau und dessen Ehefrau Mette Holst auf der Elbinsel Finkenwerder geboren, wo er auch zur Schule ging. 1895 begann er eine kaufmännische Lehre bei seinem Onkel in Geestemünde. Von 1897 bis 1898 absolvierte er die Handelsschule in Bremerhaven.
1899 hatte Gorch Fock kurzzeitig verschiedene Stellen als Buchhalter und Kontorist in Meiningen, Bremen und Halle (Saale). Für seine geistige Entwicklung spielte Meiningen eine wichtige Rolle. Besonders beeindruckten ihn die Aufführungen des Meininger Hoftheater, die sein weiteres Geistesleben förderten. 1904 kehrte er nach Hamburg zurück. 1908 heiratete er Rosa Elisabeth Reich, mit der er drei Kinder hatte.
Sein bekanntestes Werk ist der Roman “Seefahrt ist not!“ (1913), eine heroisierende Darstellung der Hochseefischer von Finkenwerder. Im ersten Weltkrieg wurde Gorch Fock als Infanterist eingezogen und wechselte im März 1916 auf eigenen Wunsch vom Heer zur Marine. In der Seeschlacht am Skagerrak ging er im 1. Weltkrieg mit dem Kreuzer “Wiesbaden“ 1916 unter.