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Musikgeschichte Meiningen - Persönlichkeiten

Kurzbiografien

Johann Ludwig Bach

Kapellmeister, Komponist
getauft 6.2.1677 Thal, begraben 1.5.1731 Meiningen

Bach wuchs wie sein 8 Jahre jüngerer Vetter Johann Sebastian in einem musikalischen Haushalt auf. Bereits 1699 als "Hoboist und Laquay" am Meininger Hof tätig, übernahm Bach im Mai 1703 das Amt als Pageninformator und Kantor. Neben dem Unterricht der Pagen in Religion, Schreiben, Rechnen, Geschichte, höfischen Etiketten war er für die Betstunden, die Führung der Kirchenbücher und die sonntägliche Intonierung des Chorals im Gottesdienst verantwortlich.

Nach dem Tode Herzog Bernhards I. (April 1706), bewarb er sich erfolglos um das Eisenacher Kantorat. Nach Georg Caspar Schürmanns Weggang aus Meiningen oblag Bach die Verwaltung der Instrumente des Hofes sowie die Komposition von weltlichen Werken, u. a. für die Ausgestaltung von Hoffesten in Meiningen und Coburg. 1711 erfolgte die Übernahme des Hofkapellmeister-Amtes.

1726 führte Johann Sebastian Bach mehrere Kantaten Johann Ludwig Bachs in Leipzig auf. Von J. L. Bachs weltlichem und geistlichem Werk ist nur ein Bruchteil erhalten. Das eindrucksvollste Werk der überlieferten geistlichen Vokalmusik ist die Trauermusik auf den 1724 verstorbenen Herzog Ernst Ludwig I. von Sachsen-Coburg-Meiningen.


Wilhelm Berger

Komponist, Pianist, Dirigent
* 9. 8. 1861 Boston, † 15.1.1911 Jena

Der Sohn eines Musikalienhändlers zeichnete sich früh durch sein Kompositionstalent aus. Bereits 1875 erschienen von ihm Lieder und Klavierwerke im Druck. Von 1878 bis 1884 studierte er an der Königlichen Hochschule zu Berlin bei Ernst Rudorff, Woldemar Bargiel und Friedrich Kiel.

Von 1888 bis 1903 Lehrer am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium und seit 1899 Dirigent der Berliner "Musikalischen Gesellschaft", wurde der Komponist eines umfangreichen Oeuvres 1903 Professor und Mitglied der Königlichen Akademie der Künste sowie Fritz Steinbachs Nachfolger als Hofkapellmeister in Meiningen. B. erkrankte schwer und verstarb im Alter von 50 Jahren.

 

Johannes Brahms

Komponist, Pianist, Dirigent;
geb. 7. 5. 1833 Hamburg, gest. 3. 4. 1897 Wien

Brahms hielt sich während 14 Aufenthalten ca. 100 Tage in Meiningen auf. Die Werrastadt entwickelte sich von 1880 bis 1914 zum ersten deutschen Brahms-Zentrum. Angebahnt wurde der erste Arbeitsaufenthalt im Oktober 1881 durch Hans von Bülow, 1880 bis 1885 Intendant der Meininger Hofkapelle.

Geprobt wurde vor allem Brahms' im Sommer 1881 enstandenes 2. Klavierkonzert B-Dur op. 83, das im Hoftheater seine nicht öffentliche Uraufführung erlebte. Bereits im Monat darauf kam Brahms erneut nach Meiningen.

Ab 1882 folgten zahlreiche gemeinsame Aufführungen. Konzertreisen mit der Hofkapelle führten ihn u. a. nach Berlin (1882), Kiel und Hamburg (1882), Wien (1884) sowie in das Rheinland und nach Holland (1885). Am 3. Februar 1884 dirigierte Brahms im Meiningen die Erstaufführung der 3. Sinfonie op. 90, am 25. Oktober 1885 die Uraufführung seiner e-Moll-Sinfonie op. 98.

Nicht nur Bülow trat seit 1881 leidenschaftlich für die Brahms'schen Werke ein. Auch das Herzogspaar brachte dem Komponisten große Sympathie entgegen. Ein regelrechter "Brahms-Kult" entstand. Auch nach Bülows Weggang von Meiningen 1885 hielt sich der Komponist fast in jedem Jahr zu Konzerten, aber auch privat in den Schlössern von Meiningen und Altenstein auf.

Ab Herbst 1886 folgte die enge Zusammenarbeit mit dem Meininger Hofkapellmeister Fritz Steinbach, der Brahms in den Mittelpunkt von drei Landesmusikfesten stellt. Ab März 1891 arbeitete Brahms mit dem Meininger Klarinettisten Richard Mühlfeld zusammen, für den er vier Werke schrieb. 1899 wurde im Englischen Garten das weltweit erste Brahms-Denkmal (Bildhauer: Adolf von Hildebrandt) eingeweiht.

 

Hans von Bülow

Dirigent, Pianist, Komponist
* 8. 1. 1830 Dresden, † 12. 2. 1894 Kairo

Anfänglich von Friedrich Wieck, Clara Schumann und Ignaz Moscheles auf dem Klavier unterrichtet, erhielt er bei seinen Leipzig-Besuchen Einblick in das dortige Musikleben. Geprägt vom verbreiteten musikalischen Konservatismus, interessierte er sich seit früher Jugend für das Werk Richard Wagners.

Auch während seines 1848 begonnenen Jura-Studiums (Leipzig, Berlin) setzte B. seine Musikstudien fort. Im Herbst 1850 folgte er Richard Wagner nach Zürich und wurde Franz Liszts Schüler in Weimar. Eine erste Anstellung fand er als Klavierlehrer am Berliner Sternschen Konservatorium. Privat unterrichtete B. Ellen Franz, die spätere Helene Freifrau von Heldburg, und Cosima Liszt, die er 1857 heiratete. 1864 berief ihn König Ludwig II. von Bayern nach München, wo er 1867 Hofkapellmeister wurde.

Noch während Cosima zwei Töchter Wagners gebar, setzte sich B. weiterhin unermüdlich für den Komponisten ein. Bülow dirigierte u. a. die Uraufführung des "Tristan" (10. Juni 1865) und der "Meistersinger von Nürnberg" (21. Juni 1868). Nach der Scheidung von seiner Frau begann B. ein rastloses Konzertleben, das er erst mit der Anstellung als Hofkapellmeister in Hannover vorübergehend aufgab. Durch Vermittlung von Helene Freifrau von Heldburg 1880 als Intendant der Meininger Hofkapelle engagiert, machte er den Klangkörper zu einem international gefeierten Eliteorchester, das durch Orchester-Tourneen (Schweiz, Holland, Dänemark, England, Böhmen) in Europa berühmt wurde und bleibende Maßstäbe setzte.

Charakteristisch sind die Zentralfigur des Dirigenten, die Interpretations- und Probenkultur, Programmstruktur, Musteraufführungen und Gastspielreisen. Prägend wurde die im Herbst 1881 begonnene Zusammenarbeit mit Johannes Brahms, der dem Verehrer die Verbreitung und Bekanntmachung seiner großen Instrumental- und Vokalwerke verdankt. Symptomatisch für den Stellenwert des Orchesters ist der von dem Hofkapell-Gastspiel im Januar 1882 ausgehende Gründungsimpuls für das Berliner Philharmonische Orchester. Bs. Profil hatte entscheidenden Einfluß daran, daß Meiningen unter Herzog Georg II. zum Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth avancierte.

 

Ottomar Güntzel

Musiklehrer, Kustos der Sammlung Musikgeschichte / Max-Reger-Archiv, Ehrenbürger
*16.11.1880 Veilsdorf, † 2.4.1959 Meiningen

G. besuchte die 8-jährige Volksschule sowie das Lehrerseminar in Hildburghausen und leistete anschließend einjährigen Militärdienst. Der Lehrer an der Volksschule Bürden/Hildburghausen (ab 1901) kam 1905 im Rahmen des Aufbaus einer Hilfsschule nach Meiningen. Nach dem Kriegsdienst (1914-18) wurde er ab September 1919 Musiklehrer am Lehrerinnenseminar und an der Städtischen höheren Töchterschule (Herzogin Charlotte-Schule). 1923 mit dem Titel "Musikdirektor" ausgezeichnet, gab G. während des 2. Weltkrieges Musikunterricht an der Oberschule für Knaben und am Gymnasium. An der 1943 neu gegründeten "Staatlichen Lehrerbildungs-Anstalt" in Meiningen übernahm er die Vorbereitung und Ausbildung des musikalischen Lehrernachwuchses. Der Entlassung zum 1. Januar 1946 folgte 1947 die Versetzung in den Ruhestand.

G. war vielfach ehrenamtlich tätig, so leitete er ab 1921 den Henneberger Sängerbund Südthüringen, war ab 1928 Mitglied im Haupt- und Gesamtausschuß des "Deutschen Sängerbundes" und 1929 verantwortlich für die IV. Thüringische Musikpädagogische Woche. Der seit 1929 als "Musikalischer Fachberater für das Land Thüringen" tätige G. trat zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein, wurde Mitglied im "Deutschen Lehrerbund". Vehement nutzte der Referent für die Schulmusik an höheren und Volksschulen (ab 1933), und "Kreismusikbeauftragte" (ab 1935) seine Position als "Städtischer Musikbeauftragter" (ab 1934), um ' Günter Raphaels Tätigkeit in Meiningen zu verhindern.

Etwa zeitgleich bündelte er die kostbaren Bestände aus dem Notenarchiv der Meininger Hofkapelle, dem Hennebergisch-Altertumsforschenden Verein, dem Archiv des Henneberger Sängerbundes sowie aus der Herzoglich-Öffentlichen Bibliothek erstmals zu einer Sammlung und baute eine eigenständige Musikgeschichtliche Abteilung auf. Vor allem durch persönliche Kontakte gelang es ihm, neben aufschlussreichen Briefautographen von Brahms, Wagner und Marteau auch andere wertvolle Objekte aus den Nachlässen des Hofkapellmeisters Bülow, des Brahms-Klarinettisten Mühlfeld und der Berliner Sängerin Auguste von Faßmann hinzuzugewinnen.

Zu Richard Strauss hielt er über Jahre einen fruchtbringenden Kontakt. Eine besondere Leistung stellt die 1946 erfolgte Transferierung des Max-Reger-Archivs aus Weimar dar. Anlässlich der 800-Jahr-Feier Meiningens ging die Musikwissenschaftliche Abteilung am 4. Juli 1953 als Stiftung des Gründers in den Besitz der Stadt über. Der vormals ehrenamtliche Leiter des Reger-Archives und der musikwissenschaftlichen Abteilung wurde ab 1. August 1954 als Kustos im städtischen Museum der Stadt Meiningen eingestellt. Am 7. Oktober 1956 erfolgte die Ernennung zum Ehrenbürger "aus anerkennender Dankbarkeit für seine verdienstvollen Arbeiten zur Sammlung, Erhaltung und Erforschung des Lebenswerkes von Max Reger und anderer namhafter Persönlichkeiten des deutschen Musikschaffens, die in Meiningen tätig waren".

 

Richard Mühlfeld

Klarinettist, Violinist
*28. 2. 1856 Salzungen, † 1. 6. 1907 Meiningen.

Der 4. Sohn des Salzunger Stadtmusikus Leonhard Mühlfeld (1819–1876) erhielt früh Instrumentalunterricht (Violine, Klavier, Klarinette). Bereits als Kind und Jugendlicher trat er vor Publikum auf, leitete Proben, arrangierte Stücke und sang im Salzunger Kirchenchor.

1873 erfolgte das Engagement als Geigen-Eleve der Meininger Hofkapelle, mitunter trat er schon damals als Klarinettist auf. Den dreijährigen Militärdienst leistete er als Soloklarinettist in der Regimentskapelle ab. 1879 wurde Mühlfeld offiziell als erster Klarinettist der Hofkapelle engagiert, mit fester Anstellung und Pensionsberechtigung, daneben Soloklarinettist des Bayreuther Festspielorchesters (1884–1896).

Am 25. 12. 1885 spielte Mühlfeld den Solopart in der Uraufführung von Wilhelm Reifs Klarinettenkonzert mit Orchester. Eine enge Zusammenarbeit mit Johannes Brahms entwickelte sich seit dessen Meininger März-Aufenthalt 1891, wobei sich der Komponist wiederholt Werke von Mozart und Weber vorspielen ließ. Die von Mühlfeld inspirierten Kompositionen (Klarinettentrio a-Moll op. 114, Klarinettenquintett h-Moll op. 115) wurden am 24. November 1891 durch Brahms, Mühlfeld, Robert Hausmann und das Joachim-Quartett im Meininger Schloss uraufgeführt.

Die erste öffentliche Aufführung beider Werke am 12. Dezember 1891 in der Berliner Singakademie bildete den Auftakt für die internationale Karriere des 35-Jährigen. Der Musiker löste einen grundlegenden Imagewandel der seit Anfang des 19. Jahrhunderts zunehmend weniger populären Klarinette aus. Während Brahms die Mitwirkung im Trio bereits im Mai 1894 beendete und im weitaus erfolgreicheren Quintett nur als Zaungast fungieren konnte, komponierte er im Sommer desselben Jahres mit den beiden Sonaten op. 120 für Klarinette und Klavier einen Zwiegesang, mit dem beide Künstler erneut gemeinsam auftraten.

Mühlfeld war zudem als Musikdirektor des Hoftheaters ab März 1888 vertretungsweise sowie ab 1891 offiziell für die Bühnen- und Zwischenaktmusiken des Meininger Hoftheaters zuständig.

 

Günter Raphael

Pianist, Komponist, Musikpädagoge
* 30. 4. 1903 Berlin, † 19. 9. 1960 Herford

Früh von der Mutter Maria Raphael in den Fächern Viola und Klavier unterrichtet, begann der 9-Jährige zu komponieren. Nach dem Studium an der Berliner Musikhochschule vermittelte Karl Straube Privatstudien bei Arnold Mendelssohn in Darmstadt. Der Leipziger Thomaskantor stellte ihn 1926 als Lehrer für Komposition und Musiktheorie am Leipziger Kirchenmusikalischen Institut an. Ausdruck von Raphaels hoher Begabung und den vielbeachteten Erfolgen sind u. a. zahlreiche bei renommierten Verlagen erschienenen Werke des knapp 30-Jährigen. Zunächst an Brahms, Reger und der Leipziger gemäßigten Moderne orientiert, bildete er in späteren Jahren einen persönlichen Stil heraus.

In Meiningen erlitt R. während des Nationalsozialismus wegen seiner "nichtarischen" Abstammung über 10 Jahre eine schwere Einschränkung seiner persönlichen und künstlerischen Freiheit, die zeitweise in eine existenzielle Bedrohung mündete. In die Werrastadt war R. nach der erfolgten Entlassung aus dem Lehramt (November 1933) mit seiner Ehefrau Pauline Jessen umgezogen. Der Ablehnung seines Aufnahmeantrages in die Reichsmusikkammer (RMK) per 22. August 1935 folgte die Genehmigung der Berufstätigkeit per 19. September 1935. Zwar erlaubte ihm die Wiederaufnahme in die RMK per 6. Mai 1936, seine Kompositionen zu veröffentlichen und Unterricht zu erteilen, aber das mit der Mitgliedschaft de jure verbundene öffentliche Auftrittsrecht machte ihm der Städtische Musikbeauftragte Meiningens, Ottomar Güntzel, beharrlich streitig.

Anläßlich eines für den 22. Juni 1937 geplanten Haydn-Mozart-Beethoven-Abends im Meininger Schloß verschärfte dieser den Druck auf Raphael und wandte sich u. a. wiederholt an Peter Raabe, den Präsidenten der Reichsmusikkammer. Zwar gelang Güntzel die Verhinderung des Konzertes nicht, aber nach Insistieren von verschiedenen Seiten zog eigens Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, per Schreiben vom 8. März 1939 die erteilte Sondergenehmigung zurück und verbot Raphael weiteres "Auftreten bzw. Spielen".

Die am 18. April 1939 erfolgte Einziehung der Mitgliedskarte der Reichsmusikkammer verbot ihm jegliche Betätigung auf dem "Zuständigkeitsgebiet der Reichsmusikkammer". Trotz schwerer Erkrankungen war R. auch in dieser Zeit schöpferisch tätig. Nur knapp entging er der Deportation, zuletzt durch die Aufnahme in ein Krankenhaus von Bad Nauheim (1944). Die ersten Nachkriegsjahre verlebte R. in Laubach/Oberhessen. Nach Unterricht an den Konservatorien in Duisburg und Mainz übernahm er von 1957 bis zu seinem Tode eine Professur in Köln. 1948 wurde er mit dem Liszt-Preis der Stadt Weimar, 1968 postum als Ehrensenator der Leipziger Musikhochschule geehrt.

Das Programm der deutschlandweit größten Ehrung Günter Raphaels 2010, der Raphael-Tage Meiningen 2010


Max Reger

Komponist, Pianist, Dirigent, Hofkapellmeister
* 19.3.1873 Brand, † 11.5.1916 Leipzig

Gern nimmt Reger die Berufung zum Hofkapellmeister Herzog Georgs II. von Sachsen-Meiningen per 1. Dezember 1911 an. Ganz bewußt trat er das Erbe Hans von Bülows an und profilierte die Hofkapelle vor allem mit eigenwilligen Interpretationen der Klassiker. Seine geradezu archäologisch anmutende Suche nach verborgenen motivisch-thematischen Zusammenhängen und die daraus erwachsende überformende Auffassung insbesondere der Brahms-Sinfonien führte zu Auseinandersetzungen mit Fritz Steinbach.

Der tägliche Umgang mit dem qualitätvollen Klangkörper inspirierte Reger zur Komposition von mehr als 20 Orchesterwerken verschiedener Stilrichtungen, darunter das dem Herzog Georg II. gewidmete "Konzert im alten Stil" op. 123, die "Romantische Suite" op. 125 und die "Vier Tonbilder nach A. Böcklin" op. 128.

Das Bestreben, neben der Hofkapellmeistertätigkeit samt atemberaubenden Tourneeplänen, dem Unterricht am Leipziger Konservatorium auch dem Bild des reisenden Interpreten zu entsprechen, erwies sich als kräfteraubender Spagat. Übermäßig genoß Reger Alkohol und Nikotin. Am Ende der dritten Meininger Konzertsaison erlitt er einen körperlichen und seelischen Zusammenbruch, der ihn am 6. April 1914 zur Aufgabe seines Amtes bewog. Während des verordneten Arbeitsverbotes in Meran und Schneewinkl entstanden u. a. die Mozart-Variationen für Orchester op. 132. Gewidmet ist Regers wohl populärstes Orchesterwerk der Meininger Hofkapelle.

Die nach der Rückkehr des nunmehr freischaffende in Meiningen tätigen Komponisten folgende erneute Arbeitsphase brachte zahlreiche neue Werke hervoReger Unter dem Eindruck des Krieges begann Reger mit der Komposition eines mehrsätzigen Requiems für Soli, Chor, Orchester und Orgel. Reger folgte Karl Straubes Rat, die Komposition abzubrechen. Die daraus erwachsene Schaffenskrise überwand er erst mit dem Umzug nach Jena im März 1915.


Georg Caspar Schürmann (auch: Schurmann, Scheuermann)

Sänger, Komponist
* 1672 (oder Anfang 1673) Idensen bei Hannover; † 25. 2. 1751 Wolfenbüttel

Der seit 1693 zunächst als Altist in Hamburg angestellte und von Johann Sigismund Kusser und Reinhard Keiser beeinflußte Schürmann trat nach einem Gastspiel am Braunschweiger Hof im Sommer 1697 in den Dienst Herzog Anton Ulrichs. Als Komponist von hochqualitätvoller und wirkungsvoller Vokalmusik und Bühnenwerken war er so erfolgreich, daß der braunschweigische Herzog seinem Kapellmeister Schürmann 1701 eine Studienreise nach Venedig bewilligte.

Auf Grund der engen dynastischen Beziehungen zwischen beiden Höfen wurde der international erfahrene Künstler um 1702/03 in Meiningen tätig. Von den hier entstandenen Kirchenkantaten, Opern und Balletten sind nur Bruchteile überliefert, darunter neben drei vollständigen Pfingstkantaten (komponiert für den 31. Mai bis 2. Juni 1905) Einzelsätze aus den Singspielen "Leonilde" (1704) und "Das zerstörte Troja" (1706). Im Jahr nach dem Tod Herzog Bernhards I. (April 1706) und der Heirat mit Sophie Charlotte Cesar (Mai 1706, der Schwester des späteren Herzogs Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen) kehrte Schürmann an den Hof des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel zurück, wobei er nach seinem Weggang mindestens ein weiteres Mal für den Meininger Hof tätig wird.

 

 

Fritz Steinbach

Musiker, Dirigent
* 1855, † 1916

S. absolvierte Studien am Leipziger Konservatorium sowie bei Gustav Nottebohm (Theorie und Kontrapunkt) und Anton Door (Klavier) in Wien. Wie vor ihm Max Bruch und Engelbert Humperdinck wurde der 19-Jährige 1874 Stipendiat der Frankfurter Mozart-Stiftung.

Obwohl er anfänglich eine Komponisten-Laufbahn angestrebt hatte, etablierte sich S. ab ca. 1879 zunehmend als Dirigent. Nach einer ersten Anstellung als 2. Kapellmeister in Mainz, begleitete er ab 1886 17 Jahre lang das Amt des Meininger Hofkapellmeisters. Ihm gelang es, die von Bülow erarbeitete Stellung der Brahms'schen Werke in der Konzertkultur enorm auszubauen. S. war zwischen 1853 und 1902 nicht nur zahlenmäßiger Spitzenreiter unter den Brahms-Interpreten und damit ein wesentlicher Impulsgeber der europäischen Brahms-Rezeption um 1900.

Er galt auch über seinen Tod hinaus international als einer der besten Brahms-Dirigenten. Die von ihm initiierten Landesmusikfeste 1895 und 1899 ließen Meiningen zu einem Mekka der Brahms-Kenner und -Liebhaber werden. An der Errichtung des ersten Brahms-Denkmals im Oktober 1899 war er wesentlich beteiligt. Prägend für seine Amtszeit wurden ebenfalls große chorsinfonische Konzerte unter Einbeziehung von Ensembles aus dem gesamten Herzogtum. So leitete er z. B. die Meininger Erstaufführung von Johann Sebastian Bachs "Matthäus-Passion" (1890).

Auch mit der Edition der Brandenburgischen Konzerte machte er sich um die Bachpflege verdient. Nachdem die Realisierung des ambitionierten Planes der Errichtung einer Brahms-Konzerthalle mit angeschlossenem Konservatorium im Englischen Garten nicht gelang, folgte er 1903 dem Ruf an das Kölner Gürzenich-Orchester und wurde zugleich Direktor des Kölner Konservatoriums, wo er u. a. den Komponisten Erwin Schulhoff und den Dirigenten Fritz Busch unterrichtete.
 

Richard Strauss

Komponist, Dirigent
* 11.6.1864 München, † 8.9.1949 Garmisch

Hans von Bülow wurde 1881 auf den Sohn des hochgeschätzten Münchner Hornisten Franz Strauss aufmerksam. Nach anfänglich negativem Urteil über die Fünf Klavierstücke op. 3 interessierte er sich für die Es-Dur-Serenade op. 7 und nahm diese nach der Aufführung am 26. Dezember 1883 in das Repertoire der Hofkapelle auf. S.' Bläsersuite B-Dur op. 4 wurde maßgeblich von der renommierten Meininger Bläsermusik um Richard Mühlfeld inspiriert und unter Leitung des Komponisten am 18. November 1884 uraufgeführt.

Am 4. März fand 1885 in einem "Extra-Concert" die Uraufführung von S'. Konzert für Waldhorn Es-Dur op. 11 mit dem Solisten Gustav Leinhos in Meiningen statt. In der Nachfolge Franz Mannstädts wurde S. auf Bülows Betreiben zum 1. Oktober 1885 als Kapelldirektor und Bülows Stellvertreter eingestellt. Unter den weiteren Bewerbern hatten sich z. B. Gustav Mahler, Jean Louis Nicodé und Felix Weingartner befunden. Bülows berühmtester Schüler debütierte im 2. Abonnementskonzert am 18. Oktober 1885 in Anwesenheit von Johannes Brahms als Pianist mit Mozarts Klavierkonzert c-Moll KV 491 sowie als Dirigent mit seiner Sinfonie f-Moll op. 12. Bei der 25. Oktober 1885 stattfindenden Uraufführung von dessen 4. Sinfonie war S. ebenfalls anwesend. Seit Bülows Rücktritt am 1. Dezember 1885 stand er an der Spitze der Meininger Hofkapelle.

Lebhaft interessierte S. sich während seines halbjährigen Meininger Engagements auch für die Proben und Aufführungen des Meininger Schauspielensembles. Sein Abschiedskonzert von Meiningen war das gemeinsam mit Brahms musizierte Festkonzert zu Ehren des 60. Geburtstages von Herzog Georg II. Seine Entscheidung, sein Amt mit dem des 3. Kapellmeisters an der Münchner Hofoper zu wechseln dürfte auch maßgeblich mit dem Engagement des mit ihm befreundeten Violinisten Alexander Ritters dorthin zusammenhängen.

 

 

 

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