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Meiningen - Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth

Ausstellung der Sammlung Musikgeschichte der Meininger Museen

Seit wann traten die Regenten als Freunde und Förderer von Kultur in Erscheinung? Womit sorgte das kleine Herzogtum Sachsen-Meiningen an der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts in ganz Europa künstlerisch für Furore? Wovon war Max Reger abhängig? Und was heißt eigentlich musikalische Interpretation? Musikgeschichte zum Anfassen, Anschauen und Hinhören für alle Generationen erlebt man in der Präsentation "Meiningen – Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth" in den ehemaligen Wohnräumen Herzog Georgs II. und Helene Freifrau von Heldburg. Das innerhalb von vier Jahren im südwestlichen Bereich der Oberen Galerie von Schloss Elisabethenburg realisierte Gesamtprojekt wurde maßgeblich unterstützt von der Stiftung Meininger Kliniken, der Stadt Meiningen sowie der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Rhön-Rennsteig-Sparkasse. Die Eröffnung fand im Rahmen des Liszt-Jahres 2011 statt.

  


Am Beginn der Ausstellung steht eine Zeitreise aus der jetzigen Zeit in das Meiningen im 19. Jahrhundert. Die Gegenüberstellung von Gebäuden und Straßenzügen sowie die Abfolge von Situationen und Ereignissen auf dem Meininger Marktplatz verdeutlichen diesen Zeitsprung optisch. Ähnlich einer Litfaßsäule werden Meininger Schlagzeilen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einem Display verkündet. Das Thema Reise wird auch wörtlich aufgenommen. Zahlreiche Installationen erläutern das Reisen vor 100 in den unterschiedlichen Schichten der Gesellschaft. Konkrete Reiseziele, Reiseanlässe, Reiseutensilien und Reiseverkehrsmittel des Herzoglichen Paares werden vorgestellt. Der anschließende Raum stellt die Entstehung des ernestinischen Herzogtums Sachsen-Meiningen dar. Ausführlich und plastisch wird das Wappen des Herzogtums vorgestellt. Eine Regenten-Daten-Bank lädt nicht nur zum Sitzen ein, sie informiert in erster Linie über die wichtigsten Daten zu den Regenten des Hauses Sachsen-Meiningen. Die Hymne des Herzogtums erklingt.

Die Beziehungen zwischen dem englischen Dramatiker William Shakespeare und Meiningen werden vermittelt in der danach folgenden früheren Korridorbibliothek Herzog Georgs II. von Sachsen-Meiningen. Georg II. war von Jugend an ein Verehrer Shakespeares, reiste an dessen Wirkungsstätten in Großbritannien und leitete an seinem Hoftheater in Meiningen eine Shakespeare-Renaissance für den gesamten deutschen Sprachraum ein. Unter dem Motto "Calling Shakespeare" kann man dem berühmten und doch rätselhaften Theatermann per "Anruf" mit dem orangenem Telefon spannende Geheimnisse entlocken. Kulissenteile, die nach Bühnenelementen von Meininger Shakespeare-Inszenierungen gestaltet wurden, animieren zum Posieren und für Selbstbildnisse.

Eine Medienresonanz hierzu am Ende dieser Seite -->

 

 

Der Rundgang führt auch in das gemeinschaftliche Wohnzimmer, jener "Schaltzentrale" des Musenhofes, die schon um 1900 ausgestattet war mit einem Strom- und einem Telefonanschluss. Neben Bekanntem erzählt die Ausstellung auch, was bislang selten zur Sprache kam: Freifrau Helene von Heldburg wurde, auf Grund ihrer nicht standesgemäßen Heirat mit dem Herzog, zunächst sowohl von einem Teil der Familienangehörigen, der Hofbeamten als auch der Meininger Bürger ausgegrenzt. Mindestens ebenso schwer wog für sie jedoch, dass sie nach ihrer Hochzeit nicht mehr als Schauspielerin auf der Bühne auftreten durfte, wodurch sie in eine veritable Lebenskrise stürzte. Die erfolgreichen Gastspielreisen des Herzoglichen Hoftheaters betrachtete sie deshalb nicht nur mit Stolz, sondern auch mit einer gehörigen Portion Wehmut.

 

Dort, wo sie seit etwa 1873 über Jahrzehnte Schauspieler unterrichtete, im sogenannten Kleinen Salon, können die Besucher nun mit Hilfe einer Kamera Bilder jener Künstler entdecken, die sich in Meiningen entfalteten. An dieser Stelle blickt man von der Gegenwart in die Vergangenheit. Angefangen von ElÄ«na Garanča, Andrea Moses, Sebastian Baumgarten und Kirill Petrenko reicht die Reihe der renommierten Künstler zurück bis hin zu Joseph Kainz, Veit Harlan und zu Hedwig Pringsheim.
 


In der Präsentation zu Max Reger werden mit "Arbeit", "Gier" und "Anerkennung" die großen Themen seines kurzen Lebens vorgestellt. Zwei Notenblätter der "Mozartvariationen" op. 132 erzählen von jenem sich so gern als "Kraftprotz" gebärdenden Komponisten, der doch in erster Linie ein überaus fleißiger, penibler und sensibler Tonsetzer war. Vor allem jüngere Besucher können sich in ein Oldtimer-Modell setzen, um dort eine Autohupe zu bedienen, die das Thema von Regers Hiller-Variationen widergibt. Assoziationen zwischen tönenden Autohupen und heutzutage allgegenwärtigem Handy-Klingeln sind dabei durchaus erlaubt.

In dem vor kurzem mit großer Sorgfalt neu restaurierten Empfangszimmer geht es ebenfalls um ein Hauptthema in Meiningens Musikgeschichte, nämlich die von Hans von Bülow veränderte Auffassung von musikalischer Interpretation. Wollte er doch nicht nur "wiedergeben", "aufführen" oder "reproduzieren" wie Generationen von Dirigenten vor ihm. Der Schüler von Wagner und Liszt wagte vielmehr gänzlich Neues, indem er sich intensiv mit dem Notentext auseinandersetzte und diesen virtuos und betont subjektiv interpretierte. Die Museumsbesucher können auf ein Dirigentenpult treten und zwischen fünf Einspielungen von Brahms‘ in Meiningen uraufgeführter Vierter Symphonie auswählen. Kinder und Jugendliche können an einer Bank Fragen an Meininger Hofkapell-Mitglieder nachgehen wie dieser: Was bedeutet es für einem Musiker, vor Publikum zu spielen? Was macht ein Dirigent überhaupt? Und wie kam der Tuba-Spieler ausgerechnet zu einem solch großen Instrument?

  

Das Protokoll verlangte zum Mittagessen am 15. März 1891 Frack oder Uniform und edle Roben. Doch warum waren Herzog Georg II. gereizt, Helene von Heldburg angespannt, Johannes Brahms entzückt und Joseph Viktor Widmann aufgeregt? Nehmen Sie Platz und finden Sie es heraus!

 

Ein besonderes Musikerlebnis bietet die Grüne Bibliothek Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen. Die seit dem zweiten Weltkrieg leer gewordenen Regalschränke präsentieren den klingenden Teil der Sammlung des Hennebergisch-altertumsforschender Vereins – historische Musikinstrumente aus der Region, ergänzt durch frühere Hofkapellinstrumente. Neben kurzen Erläuterungen werden konzertante Klangbeispiele über eine auf den Besucher reagierende Wiedergabeautomatik zu Gehör gebracht.

 

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Feuilleton Freies Wort

Text Peter Lauterbach - 20.10.2020
(Fotos Meininger Museen)


Calling Shakespeare
Dieser Raum knallt mit bunten Farben mitten ins rotbraune Corporate-Design der Meininger Museen. Und das ist Absicht: Als "Intervention" soll er Museumsbesuchern Knall auf Fall Meiningens Liebe zu Shakespeare erklären.

Knappe Texte, flotte Sprüche, bunte Bilder und die Möglichkeit zur Selbst-Inszenierung: Das Museum in der Elisabethenburg konfrontiert gemütlich durch die Zimmerfluchten schlendernde Besucher mit einer Art Love-Story. Und das liegt nicht an dem nachgebauten und in perspektivischer Verzerrung auf Fußboden und Wände gesprayten Balkon von Verona - Liebespärchen dürfen gerne posieren und dabei das Handy zücken - sondern an einer theatergeschichtlich bedeutsamen Begegnung: Die nämlich zwischen der kleinen Theaterstadt und dem großen Dramatiker. "Meiningen ist mit Shakespeare über sich hin aus gewachsen", sagt die Musik- und Theaterwissenschaftlerin Maren Goltz. Weil das aber kaum jemand weiß, gilt es diese Liaison genau hier zu zeigen - im Musenhof, und nicht im Theatermuseum.

Der knallbunte Raum unterbricht den Rundgang. "Moment mal", lautet die Botschaft. Er sei bewusst als "Intervention" konzipiert, sagt Goltz über die bunte Gestaltung. Konzeptionell wie ästhetisch geht es um Verknappung. Die Grundidee: "Calling Shakespeare". Man kann Shakespeare anrufen - wäre da nicht Corona, das die orangefarbenen Telefone aus hygienischen Gründen außer Gefecht setzt - und hätte jemanden am Ohr, der Schnipsel aus der Biografie des Dramatikers erzählen würde. Etwas über seine Verbindungen posthum in die Thüringer Theaterstadt. Unter den Stichworten "Lästern", "Flüstern" und "Philosophieren" etwas über die Sprache Shakespeares - und auch etwas über die Deutungs-Gewalt von Übersetzungen.

Das erfolgreichste Stück

Freilich, eine geradezu monumentale Beschäftigung mit William Shakespeare leistete das Meininger Theater vor allem in seiner Reisezeit des 19. Jahrhunderts. Für Goltz ist der Dramatiker als Autor der Renaissance aber nach wie vor modern: Er habe die Menschen in ihren Grundzügen charakterisiert. Zur jüngsten Meininger Shakespeare-Rezeption gehören etwa Zeichnungen von Kindern und Jugendlichen, die in der Ausstellung zu sehen sind. Zur ältesten zählt natürlich die Julius-Cäsar-Inszenierung, die es bei den berühmten Gastspielreisen des Hoftheaters zu 330 Aufführungen brachte. "Es war mit Abstand das erfolgreichste Stück", sagt Maren Goltz.

Die Ausstellung thematisiert in Form einer Bilderwand zehn Berührungspunkte zwischen Shakespeare und Meiningen - und das ist wirklich interessant. So gastierten die Meininger 1881 mit dem Stück "Was ihr wollt" sogar selbst in London. Und so finden sich im Museumsdepot noch immer die Originalrequisite einer römischen Fasces zu "Julius Caesar" - ein Rutenbündel, in dem ein Beil steckt, als Symbol der Amtsgewalt. Und so funkelt mit dem "Papageno"-Award die einzige internationale Auszeichnung, die eine Meininger Shakespeare-Inszenierung je bekommen hat in dem knallbunten Raum - verliehen 2014 an die Theatergruppe "Tohuwabohu" für seine "Wintermärchen"-Adaption.

Die "Intervention" ist gleichsam auch ein Experiment: Nämlich der Versuch, mit äußerst knapper Darstellung das Wesentliche zu erzählen. In der Hoffnung, der Besucher erfasst das dann schneller und vor allem nachhaltiger als lange Texte oder ein über viele Räume verteiltes Thema. Eine Strategie, die auf das sich verändernde Rezeptionsverhalten des Publikums reagiert und bisherige Ausstellungskonzepte in Frage stellt: Vor allem junge Leute dürften von "Calling Shakespeare" angefasst sein. Dafür hat auch ein Meininger Graffiti-Künstler gesorgt.

Lücken durch Leerstellen

Das Problem dabei: Die Verknappung sorgt immer dann für Leerstellen, wenn ein Besucher vom Thema angefixt ist und mehr wissen möchte. Auch in Meiningen bleiben nach dem Rundgang durch "Calling Shakespeare" Fragen, auf die sich zunächst keine Antworten finden. Natürlich kann Maren Goltz wunderbar erzählen, warum Shakespeare-Stücke in der Renaissance vor nahezu leerer Bühne gespielt wurden, der Meininger Theaterherzog aber opulente Bühnenbilder malen ließ: Georg ging davon aus, dass er alles, was er zeigt, nicht mehr erzählen muss. So steht im Shakespeares "Caesar"-Text zum Beispiel nichts von jener Fasces, die Georg qua Requisite auf die Bühne und in das Stück hinein interpretierte. Aha-Momente, die sich nicht von alleine erschließen. Möglicherweise fällt das Machern aber selbst auf. Wie gesagt, das Ganze ist auch ein Experiment, bei dem die Versuchsanordnung geändert werden darf - und der digitale Baukasten bietet dafür viele Möglichkeiten.

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